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Ost und West · 1910-03-01 · Heft 3 (März 1910) · p. Seite 197 - 198

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 3 (März 1910)
Article
Die siebente Tagung der deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israélite Universelle
Date
1910-03-01
Page
Seite 197 - 198 (sequence 2)
Language
German
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197 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die siebente Tagung der Deutschen Gonferenz-Gemeinsehaft etc. 198 bekannten Ankündigung gemäss, mit dem 1. Oktober 1909 das Amt eines stellvertretenden Vorsitzenden niedergelegt hat. Für den unermüdlichen und jede Einzelheit umfassenden Pflichteifer, mit dem er sich unserer Sache gewidmet hat, verdient er unser aller aufrichtigen Dank, den ich hiermit zum Ausdruck bringe. Es darf uns zur Genugtuung gereichen, dass Herr Philipp Schiff sein Interesse und seinen Rat auch ferner unserm Werk erhalten wird. An Sitzungen des Central-Comites in Paris habe ich wiederholt teilgenommen. Ich kann auch den heutigen Bericht mit der frohen Entstellung beginnen, dass sich unsere Tätigkeit im Jahr 1909 weiter erfreulich entwickelt hat, dass uns überall eifriger Zuspruch gekommen ist, und dass sich unsere Mitgliedschaft wiederum beträchtlich gemehrt hat. Die grossen Arbeiten der Alliance werden ja nicht hier in Berlin geführt, Wie das Central - Comite den ihm obliegenden und sich täglich mehrenden Aufgaben gerecht geworden ist, wie unser Schulwerk überall erhöhte Bedeutung gewonnen hat, wie ausserordentlich umfassend die damit verbundene Kleinarbeit ist, wie sorgsam auf Lehrer und Schüler und auf die Bedürfnisse beider geachtet wird — das alles haben Sie aus den Protokollen ersehen, die Ihnen regelmässig nach den Sitzungen des Central-Comites zugehen. Wir hier und wir überhaupt in Deutschland haben, soweit wir nicht regelmässig, an den Sitzungen des Central-Comites teilnehmen und an der Grossarbeit mitwirken, nur ein erheblich beschränkteres Feld. Wir haben vornehmlich rastlos dafür zu sorgen, dass der Glaube an die Alliance wachgehalten wird, dass ihr jene Bedeutung zuerkannt bleibt, die sie als wohl die grösste jüdische Hilfsorganisation weit über den Eahmen der eigenen Glaubensgenossenschaft hinaus in der Welt beanspruchen darf; wir haben uns mit unserem ganzen Herzblut dafür einzusetzen, dass von keiner Seite an ihrem Wirken gedeutelt und gemäkelt wird: wir haben da, wo dies geschieht, die Anerkennung zu erstreiten; und wir haben uns zu bemühen, dass diese Anerkennung nicht nur in unserem Volk selbst, sondern auch bei den Andersgläubigen und bei den Behörden des Landes gebührend zur Geltung gelangt. Leicht ist uns dies alles nicht geworden. Der Mühe aber hat der Preis nicht gefehlt. Wir dürfen mit stolzer Genugtuung darauf hinweisen, dass wir uns in unserer Glaubensgemeinschaft selbst weiter ausdehnen konnten, und dass zugleich die massgebenden Stellen im Reich und> Staat uns jene Wertschätzung entgegenbringen und jene Autorität zusprechen, die unsere 50jährige Ueberlieferung mit Fug fordern darf, nicht unsertwegen, sondern für Israel. Besondere Ereignisse sind für die Deutsche Conferenz-Gemeinschaft in der Berichtsperiode nicht zu registrieren. Als das bemerkenswerteste Vorkommnis möchte ich die General-Versammlung des Lokal-Comit6s Berlin bezeichnen, die am 23. Mai v. J. stattgefunden hat. Nicht etwa weil die Generalversammlung als solche besonders wichtige Traktanden bot, sondern weil ich den Anlass dieser Generalversammlung dazu genützt habe, um in grossen Zügen ein Bild von der aussergewöhnlichen Leistung der Alliance zu geben, von ihrer inneren Organisation, von der Behandlung des ihr obliegenden Pensums in den einzelnen Ländern des Orients, von den moralischen und finanziellen Mitteln, die ihr zu Gebote stehen. Leider ist hiervon noch im mer zu wenig in Deutschland bekannt. Ich brauche Ihnen auch nicht zu sagen, welche Folgerungen Böswillige und Ununterrichtete aus dem französischen Namen unserer Organisation zu ziehen fortfahreD, und ich brauche ferner nur anzudeuten, mit welcher Ruhmredigkeit so oft auf den Erfolg anderer hingewiesen wird, der im Vergleich zu dem unsrigen jedenfalls sehr beschränkt ist. Daher wurde es zu zwingender Notwendigkeit für uns, das Bild zu entrollen, von dem ich eben sprach, mit der gleichzeitigen Verpflichtung für uns, dies Bild in der breiten Oeffentlichkeit auszustellen. Das ist mit gutem Gelingen geschehen. Ohne dass ich auf das damals erstattete Referat, das Sie ja alle kennen,, näher eingehe, hebe ich hervor, einmal, was schon in meinen einleitenden Worten gesagt war, dass der Bericht fast in jedem einzigen Satz mit der Geschäftsführung in Paris vereinbart und festgestellt war, und zum zweiten, dass ihn hervorragende deutsche Zeitungen beinahe vollständig veröffentlicht haben. Das hat uns genützt, denn es hat, gerade weil es in nichtjüdischen Zeitungen geschah, Vorurteile zerstört und willkommene Aufklärung geschaffen. Hieran mindert nicht die Tatsache, die Ihnen gleichfalls bekannt ist, dass die Zionisten alsbald nach Veröffentlichung des Berichts — ein Berliner Zionist hatte damit schon unmittelbar in der Versammlung am 23. Mai begonnen — die Alliance, vornehmlich aber mich persönlich und später auch unseren Präsidenten in Paris mit Augriffen aller Art bedacht haben. Als diese zionistischen Angriffe immer lauter wurden, ist durch eine im Juliheft 1909 von Ost und West veröffentlichte Erklärung geantwortet worden. Wir können in der Alliance es nicht allen recht machen und wollen es auch nicht. Wir gehen den graden Weg und werden zum Ziel kommen. Dies bringt mich zu einer nicht minder wichtigen Frage, in der wir anderen Gruppierungen, diesmal manchen Orthodoxen, nicht zu Willen sein konnten, zu der Schulinspektionsreise, die unsere Delegierten 1908/09 nach dem Orient unternommen hatten, und über die uns Herr Dr. Porges in der vorigen Tagung unterrichtet hat. Nach der vortrefflichen Berichterstattung des Herrn Dr. Porges hat Herr Rabbiner Israel Levi seinen eigenen Bericht im Central-Comite erstattet, beziehentlich den Bericht des Herrn Dr. Porges in allen Teilen zu dem seinigen gemacht. Nachdem dies geschehen war, haben wir in Gemässheit des vorjährigen Be-

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