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Ost und West · 1910-03-01 · Heft 3 (März 1910) · p. Seite 163 - 164

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 3 (März 1910)
Article
Die Juden von Jemen
Date
1910-03-01
Page
Seite 163 - 164 (sequence 3)
Language
German
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163 Prof. Dr. Bacher: Die Juden von Jemen. 164 Aschrafizja -Medress, im Beisein der geistlichen und weltlichen Behörden, die den neuen Gläubigen mit Ehrengewändern beschenkten (II, 222). — Im Jahr 1394 trat eine Jüdin zum muhamedanischen Glauben über. Ihren Mann, der Jude geblieben war, verurteilte der Richter zur Wiedererstattung der Heirats^abe; dann sprach er die Trennung der Ehe aus, die nur dann wieder gültig sein würde, wenn auch der Mann den Islam annähme (II, 234:). — Diese Berichte über einzelne Uebertritte beweisen, dass solche damals in Jemen seltene Geschehnisse waren. — Anderer Art ist folgende — letzte — Notiz unseres Chronisten aus dem Jahr 1397: Unter kostbaren Geschenken, die dem Sultan aus [Aegypten Xgesendet wurden, beland sich auch ein geschickter jüdischer Arzt, der aber schon nach einem Monat starb. Fast genau sechshundert Jahre nach Benjamin von Tudela — im Jahr 1763 — kommt der berühmte Beisende Carsten Niebuhr nach Jemen und veröffentlicht nachher wichtige Beobachtungen und Notizen über die jüdischen Bewohner des Landes. Die Berichte Niebuhrs sowie anderer, spät rer Reisender wurden von Carl Riker im zwölften Teil seiner Erdkunde verarbeitet und so zum Gemeingut der Wissenschaft. Beinahe hundert Jahre nach Niebuhr — im Jahr 1859 — kam Jabob Sappier nach Jemen; er bereiste die verschiedenen Gegenden des Landes Jüdische Schule in Sana'a* Eingang zum Judenviertel in Sana'a« und sammelte eine Fülle von selbstbeobachteten oder in engem Verkehr mit der jüdischen Bevölkerung vernommenen Einzelheiten über die religiösen und sozialen Zustände und die geistige Kultur der jemenischen Juden; er wurde mit seiner reichhaltigen Reisebeschreibung (Ebm Sappir I, 1866) zu ihrem eigentlichen Entdecker für die Juden des Westens. Das letzte bedeutsame Ereignis in der Geschichte der Juden Jemens, das Auftreten eines Pseudo-M>ssias in den sechziger Jahren des 19. Jahrhuüderts, gab Jakob Sappir Anlass zu einer Schrift, welche sich mit Be2ugnahme auf das oben erwähnte Trostschreiben Nachmanis das zweite „Jpprek Temau" nennt (Wilna 1873). Sie enthielt Briefe über den Pseudo-Messias und von ihm, sowie ein Sendschreiben Jakob Sappiers an die Juden von Jemen, in dem er sie vor dem Trugpropheten, der sich auf Erscheinungen des Propheten Elijas berief, warnte. Nun enthüllle sich auch das alte Schrifttum der südara6ischen Juden in einer Menge von Haudschriften, die durch Jakob Sappir und namentlich durch den später zu trauriger Berühmtheit gelangten Schappira nach Europa gebracht wurde und davon allein die Berliner Königliche Bibliothek im Jahr 1878 füufzig Nummern erwarb. Jemenische Manuskripte bereicherten in steigendem Mass die öffentlichen und privaten Sammlungen Europas und Amerikas, worin man ein Zeichen der grossen Armut

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