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Ost und West · 1910-03-01 · Heft 3 (März 1910) · p. Seite 161 - 162

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 3 (März 1910)
Article
Die Juden von Jemen
Date
1910-03-01
Page
Seite 161 - 162 (sequence 2)
Language
German
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161 Prof. Dr. Bacher: Die Juden von Jemen. 162 «A^vw' Juden aus Musvar (Nordwest-Jemen). Aus dem Jahr 1290 berichtete der Chronist einen Fall, der von dem fanatischen Hass der muslimischen Theologen gegen die Bekenner des Judentums Zeugnis ablegt. Ein Fakir (Rechtsgelehrter) bemerkte im Gefolge des Sultans einen jüdischen Arzt auf einer Mauleselin reitend und von vielen Sklaven begleitet. Er stürzt sich auf den Arzt, reisst ihn von seinem Reittier herab, wirft ihn zu Boden und bearbeitet ihn schonungslos mit seinem zu diesem Zweck ausgezogenen Schuh, dabei fortwährend ausrufend: 0 du Feind Gottes und Feind seines Propheten! Als der Arzt sich über diese Behandlung beim Sultan beklagte und dieser den Fakir (er hiessMuhammed) zur Rede stellen iiess, äusserte der letztere vor dem Abgesandten des Sultans seine Entrüstung über die einem Juden zuteil gewordenen Ehren: es sei gesetzlich nicht erlaubt, dass Juden auf Mauleseln reiten und sich eines Sattels bedienen, ebenso wenig dass sie sich eines höheren Ranges erfreuen, als die Moslim. Der jüdische Arzt muss dann auf Befehl des El Girähe. Judendorf bei Redda (SücLOst-Jemen). Sultans sich persönlich zu seinem Beleidiger hinbegeben und sich von ihm darüber belehren lassen, welchen demütigenden Beschränkungen er als Jude unterworfen sei. (I. 106.) Anderthalb Jahrhunderte später finden sich bei unserem Chronisten folgende Fälle als merkwürdige Ereignisse verzeichnet: Im Jahr 1391 wurde in Taizz (es ist dies die Stadt, in der Schiebu, der grösste jüdisch-jemenische Dichter im 17. Jahrhundert lebte und wo sich auch seine Grabstätte befindet) ein Jude unter Anklage der Zauberei festgenommen; er wurde auch bezichtigt, dass er sich durch seine Magie den Anschein eines Moslem gegeben habe. Er wurde mit Blendung der Augen und Abhauen einer Hand bestraft (II, 197). — Im Jahr 1392 nahm ein Jude in Zebid den Islam an. Er wurde in feierlichem Aufzug aut eine Mauleselin gesetzt und, mit einem prächtigen Ehrengewand bekleidet, durch die Stadt geführt (II, 211). — In derselben Stadt fand im folgenden Jahr ebenfalls die feierh^hßAufnahme eines Juden in den Islam statt, in der

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