Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 3 (März 1910)
- Article
- Die Juden von Jemen
- Date
- 1910-03-01
- Page
- Seite 159 - 160 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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159: 160 Lesender Jude aus Sana'a (Hauptstadt des Jemen). DIE JUDEN VON JEMEN.*) Von Prof. Dr. Bacher (Budapest). Auf die älteste Geschichte der Jaden Jemens fallt der Glanz eines Königsthrones. Ein Jahrhundert vor dem Auftreten des nordarabischen Propheten, durch den der Monotheismus des Judentums zur Grundlage einer neuen Weltreligion wurde, sass auf dem Thron Südarabiens ein eifriger Bekenner des Judentums, dessen Untergang zugleich den Juden seines Reiches zum Verhängnis wurde. Die Juden Jemens verschwinden gleichsam vom Schauplatz der Weltereignisse und auch aus dem Bewusstsein der grossen jüdischen Gesamtheit, und erst nach mehr als sechs Jahrhunderten treten sie wieder aus dem sie umhüllenden Dunkel hervor. Benjamin von Tudela (1160 bis 1170) bietet in seinem Reisebericht merkwürdige Angaben über die südarabischen Juden; doch hat er diese Nachdruck verboten. Jude aus Raliün bei Murvar (Nordwest'Jemen). Angaben nicht durch Autopsie gewonnen, sondern wohl in Bagdad vernommen. Sie stehen im seltsamen Gegensatz zu den Tatsachen, die nur wenige Jahre spät er (1172) d as in arabischer Sprache verfasste Trostschreiben Moses Nachmani an die jüdische Gemeinde Jemens veranlasste. Was wir in Nachmanis „Ipprek Teman" über den schweren Druck und den Glaubenszwang lesen, unter dem die Juden Jemens lebten, bleibt für eine weitere Reihe von Jahrhunderten die letzte Kunde, die von ihnen nach dem Westen gelangte. Nur eine einzige liturgische Merkwürdigkeit wird über sie erzählt. *) Aus der Einleitung zu meiner demnächst erscheinenden Schrift: Die hebräische und arabische Poesie der 'Juden Jemens. Juden in einem Dorfe bei Sana'a« Ihre Beziehungen zu dem gefeierten Verfasser jenes Trostschreibens hatten bei ihnen eine so schwärmerische Verehrung für ihn erzeugt, dass sie seinen Namen im Kaddisch-Gebete erwähnten. So erzählte aiü Grund glaubhafter Berichte Moses Nachmani in seinem Sendschreiben an die französischen Rabbiner- — Aus der langen Perjode dunkler Jahrhunderte die mit dem 13. Jahrhundert beginnt, bringt das jüngst in englischer Uebersetzung erschienene Werk eines arabischen Chronisten einige charakteristische Daten über die Juden Jemens. Es ist das El-Kheragi's Geschichte der jemenischen Resüli- Dynastie, übersetzt von Redhouse (drei Bände, London 1906-1908).