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Ost und West · 1910-03-01 · Heft 3 (März 1910) · p. Seite 155 - 156

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 3 (März 1910)
Article
Ludwig August Frankl
Date
1910-03-01
Page
Seite 155 - 156 (sequence 3)
Language
German
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15& Max Schacher!: Ludwig August Frankl. 156 Dichters': hundertstem Geburtstag ein Band ..Erinnerungen", der Frankls eigenhändig niedergeschriebenen Bekenntnisse enthält, die Geschichte seines Werdens, seine Kampf-, Lehr- und Wanderjahre in allen Einzelheiten zeigt. Dem bekannten Prager Literaturhistoriker Professor Sauer haben wir den Vorzug zu danken, dieses von der ..Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen" herausgegebene Werk bereits im Aushängebogen kennen zu lernen. Das Erscheinen dieses durch seinen Inhalt kostbaren Buches — dem Stefan Hock ein liebevolles Charakterbild als Einleitung beigegeben, — wird allenthalben als ein literarisches Ereignis besprochen werden, und erstaunlich :st die Fülle des Neuen, das hier über Zeit und Zeitgenossen Frankls zu einem Buch vereinigt wurde. Die „Erinnerungen" beginnen mit der Schilderung von Chrast in Böhmen, dem. Geburtsort Frankls; hier, und im Kapitel ..Allerlei Gestalten" finden sich interessante Beiträge zum Leben der Juden in Böhmen und über die Vorfahren des Dichters, deren zwei als Märtyrer ihres Glaubens den Tod fanden. Die Gestalt des einen hat Frankl im „Primator" verherrlicht. — Israel Hönig, der Erfinder einerneuen Tabakbeize, die dem österreichischen Aerar Millionengewinne brachte, war ein naher Verwandte]' der Eltern Frankls. Eigentlich hatte Israel Honigs Vater die neue Tabakbeize' in Anwendung gebracht, doch nahmen seine Söhne an allen Unternehmungen des Vaters Anteil. So wurde der junge Hönig nach Wien gesandt, um der Kaiserin Maria Theresia den wohldurchdachten Plan vorzulegen. Lud nun schildert Frankl das bezeichnende Zeremoniell dieser Audienz: ,,. . . Die Kaiserin stand hinter e;ner Blende und hörte so, ungesehen, den Vortrag an. Mit einem Juden von Angesicht zu Angesicht zu sprechen, schien ihr unstatthaft. Als er geendet hatte, sprach die Kaiserin nur das Wort ,Gut!c, reichte aber zum Zeichen der Befriedigung ihre Hand aus der Blende hervor, die Israel Hönig küssen durfte. . Späterhin, als der Staat aus der emsigen Arbeit der Honigs enorme Summen gewann, wurden sie Adel gnädiger behandelt und nach geraumer Zeit in den erblichen Adelsstand erhoben. Die Enkel des Edlen, Israel von Königsberg haben längst vergessen, dass ihr Grossvater mit der Kaiserin nur ungesehen verhandeln durfte, und sind ,,Arier" geworden. Aus dem Vaterhaus in Chrast, das Frankl pietätvoll in allen Details schildert, folgen wir ihm nach Leitornischl, wo er im Piaristenkloster Gymnasialstudien treiben sollte. Seine Lehrer waren katholische Priester, aber der arme Judenknabe fand die liebevollste Aufnahme. Alle Zeit seines Lebens blieben ihm die Klosterlehrer in dankbarer Erinnerung. Ach, es war eine andere Zeit! Nicht nur beim Leitomischler Mädchenflor, auch beim Professorenkollegium erwirbt sich der junge Frankl den Buf eines Poeten. Er aber sagt: „Wie die griechischen Musen über ihre Leitomischler Schwester gelächelt haben mögen!" Im Jahr 1S2S bezog er als Hörer der Medizin die Wiener Universität. Eine Episode beim Abschied von Leitornischl soll wiedergegeben werden, weil" sie zu tief auf den jungen Menschen eingewirkt haben mag. Er erzählt, wie ihn an der Ortsgrenze der Pater Präsident des Klostergymnasiums erwartete, um von ihm besonders Abschied zu nehmen: „Es wird dir," er sprach mich zum ersten Mal mit du an, „nicht schaden, dass dich ein katholischer Priester segnet." Er legte seine Hand auf mein Haupt: „Der Gott deiner Väter sei mit dir!" Ich kniete vor ihm nieder und küsste seine Hände. Ihm rollten zwei Tränen von den Augen . . . „Geh, mein lieber Söhn!" . . . In Wien begannen seine Kampfjahre, die Zeit harter Entbehrungen. Kein Geld, immer hungrig und hohe Ideale: das war Frankl, der Medizinstudent. Aber es wurde ihm auch die Zeit reicher innerer Erlebnisse, der ersten öffentlichen literarischen Versuche; dramatisches wollte ihm nicht gelingen. „Ich hatte kein Glück mit der dramatischen Muse, oder besser: ich glaube, sie hatte keines mit mir. . . ." Und dann: da waltete der „Geist" einer jede Verstandesregung hinmähenden Zensur. Endlich kann das „Habsburglied" passieren und bringt dem jungen Studenten bedeutende (moralische) Erfolge. Bald muss er die Bekanntschaft der löblichen Polizeibehörde machen, die bei ihm nach verbotenen Schriften fahndet. Da so gut wie nichts erlaubt war, war's leicht. Verbotenes zu finden. Doch hat er Glück, und der berüchtigte Brünner Spielberg mit dem grauen Staatsgefängnis erscheint ihm nur im Traum. Er wird im literarischen Wien immer bekannter. Bäuerle, Bauernfeld, 0. F. Berg, die greise Caroline Pichler, der vornehme Frh. v. Hormayr, wie fast alle geistigen Wortführer des vormärzlichen Wien ziehen ihn in ihre Kreise. Im Februar 1832 erscheint er bei Kaiser Franz in Audienz und überreicht ein Exemplar seiner „Habsburglieder". „No," fragt der Monarch im gemütlichen Wiener Dialekt, „trägt das Schreiben was?" Der noch sehr junge Frankl findet Mannesmut vor dem Königsthron und spricht: „Eure Majestät! Die Buchhändler können wohl nicht besser zahlen, denn, wenn ein Buch mit der Firma Wien erscheint, geniesst es wegen der Zensur keinen Kredit im lulande und im Auslande noch weniger!" . . . Des Kaisers bleiches Gesicht wird zornrot und er fährt Frankl an: „Was ihr mit eurem Ausland habt's!" Es lief alles gut ab. Der „Franzi"— sagten die Wiener — ..ist ein guter Kerl." Er liess Frankl eine Dauerkarte fürs Hofburgtheater zustellen, damit sein Talent angeregt werde, der Bühne einmal nützlich zu werden und bessere Honorare, als von inländischen Buchhändlern zu empfangen." Auch Erzherzog Karl, der Held von Aspern, empfing den jungen Dichter und erwies sich sehr wohlwollend. Nach acht Tagen wurde ihm ein Röllchen Dukaten zugestellt, mit einer ausdrücklichen Bemerkung des Erzherzogs: „Als Beitrag zu einer poetischen Rekognoszierungsreise nach Tirol." Nach Jahren erst erschien die Frucht dieser Reise: „Andreas Hofer im Lied." Kaiser Ferdinand, damals noch Kronprinz, unterhielt sich mit Frankl über poetische Stoffe, und sagt ihm, als er hört, dass der Dichter Medizin studiere: „Warum studieren S' net lieber Geschichte als Medizin? Da hätten's mehr

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