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Ost und West · 1910-03-01 · Heft 3 (März 1910) · p. Seite 153 - 154

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 3 (März 1910)
Article
Ludwig August Frankl
Date
1910-03-01
Page
Seite 153 - 154 (sequence 2)
Language
German
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153 Max Schacherl: Ludwig August Frankl. 154 doch über den grossen Teil der Vormärzdichtung hinaus und seine Biographien der Dichter Grillparzer, Bauernfeld, Fr. Hebbel sind "wertvolle Beiträge zur Literaturkunde. Ein Dokument von bleibender Bedeutung ist sein Werk „Zur Geschichte der Juden in Wien" (1853). Frankl ist kein subjektiver Lyriker. Seine Gestaltungsform und die Sprache sind selten von eigener Kraft getragen, und oft lässt sich Grillparzer, häufiger noch Anastasius Grün vernehmen. Doch der Schwung edlen Wesens wohnt in ihnen und trägt die Verse zuweilen zu wahrhaft dichterischer Höhe. Das gilt etwa für den „Primator", einer Dichtung in sieben Gesängen, der eineWidmung an Leopold Kompert voransteht, von-dessen Ghettogeschichten Frankl singt: „Bald ist der letzte Judenzwinger Zertrümmert und versunken ganz, Den Schleier hob von ihm dein Finger, Zu zeigen den verborgnen Glanz." In den jüdischen Dichtungen offenbart sich Frankl weit mehr als ein Eigener. Hier geleitet ihn die Liebe, und die Trauer über das Leben seiner Stammesgenossen durchzieht die Dichtung. Die mächtigsten Eindrücke holte er sich aus Palästina. Spät, zu spät kam er hin. Denn was er über das Land der Väter in begeisterter Prosa sagt, lässt erkennen, dass er der jüdischen Poesie noch vieles gegeben hätte. Die „Ahnenbilder" sind neu geblieben und werden bleiben, solange die Liebe zu den Vorfahren bleibt. Auf heiliger Erde sind ihm dieso Lieder entstanden und in ihnen lebte er seine Jugend wieder: Ich sammle still die Lieder, Die ich, noch jung, einst sang; Fast hallen sie schon wider Mir als ein fremder Klang — Als ein verlornes Singen — Bilder verweht vom Sand — Lass dir die Grüsse bringen Aus dem Gelobten Land! Von seinen jüdischen Dichtungen ist auch „Rachel" bekannt, und „Der Libanon" gilt nochheute als die vortreffliche Anthologie jüdischer Poesie. Frankls Reise nach dem Morgenland sind die zwei Reisewerke „Ans Ägypten" und „Nach Jerusalem!" zu danken, die lange Zeit als die besten Berichte über Leben und Treiben im Orient galten. Frankl war seit 1838 Sekretär der Wiener Kultusgemeinde, und als die edle Frau Elise Herz-Lämel das Kapital zum Bau einer Schule in Jerusalem spendete, erhielt Frankl den Auftrag, die Stiftung zu realisieren. Sein heisser Wunsch war der Erfüllung nahe: er sollte das Land der Väter betreten! Mit Scheu und Andacht im Herzen naht er dem Ziel, und was er erblickt, ist mit dem Auge treuer Liebe gesehen, mit ganzer Seele empfunden. So entstehen ihm Prosagedichte: ,,. . . Im Osten fingen weisse Streifen zu schimmern an — silberne Franzen am schwarzen, mit Sternen besäeten Sargtuch der Nacht. Die Sterne erloschen einzeln, die weissen Streifen röteten sich und wurden immer breiter. Ein langgestrecktes, welliges Gestade hob sich dunkel vom lichten Horizonte ab und ein purpurnes Funkeln ging über die Wellen der See. Noch wenige Augenblicke, und im vollen Sonnenglanze lag vor mir — Palästina! . . ." Er sollte in Palästina viel Enttäuschungen erfahren, musste sehen, wie die irregeleiteten Juden ihm als Ketzer fluchten, und wie der russischpohrsche Rabbi ihn als „Ungläubigen" in Acht und Bann tat. Alles, weil er als Gründer der Schule hinkam. Diese Mühen und Sorgen konnten aber seinen Jubel nicht mindern, auf Judas heiliger Erde fühlt er sich seinen Brüdern inniger denn je verwandt, und in Schmerz und Freude erklingt sein Lied von Jehuda Halevi; voller Liebe sind die Worte: J. Frankl. „Zerbroch'ne Säulen und geborst'ne Quadern, Was s<nd sie wert noch, denen Gott gegrollt, Wenn dem, der um sie weint, nicht in den Adern Der warme Strom der echten Liebe rollt!" Vernehmlicher denn irgendwo wird hier der Mensch Frankl hörbar, er, den es trieb, jedem seiner Impulse gebundenen Ausdruck zu verleihen. Das ist, genau besehen, ein Kennzeichen seines Schaffens: er hat etwas von der Unbekümmertheit schöpferischer Naturen, den Adel des Sichselbstgenügens, wie er aus den stolzen Worten Robert Brownings spricht: „Ich habe niemals prätendiert, eine Literatur zu geben, die einem müssigen Mann Ersatz für eine Zigarre oder eine Partie Domino sein könnte." Das will im Gleichnis sagen: man muss Frankls Fühlen verwandt sein, um seine Poesie zu empfinden. — Ludwig August Frankl besass der literarischen Zeitgenossen zu viele, als dass es an Quellen mangeln würde, ihn genau zu zeichnen — im historischen Sinne. Aber gerade die feinen, kleinen Striche, der Fairbenzauber, die überlieferten Bildern selten gegeben, vermögen erst ein lückenloses Geniessen zu bieten. Da erscheint nun als würdigste Gedenkfeier zu des

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