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Ost und West · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. Seite 97 - 98

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Article
Benedictus Spinoza
Date
1910-02-01
Page
Seite 97 - 98 (sequence 10)
Language
German
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97 Emst Altkirch: Benedictas Spinoza. hörte, wohnte.^ Bis heute ist es noch nichtfgelungen, es urkundlich genau festzustellen, wahrscheinlich gehört es zu den Häuschen, die rechterhand an einer Gracht liegen, und von denen man einen freien Blick in das weite Land hat. Schon während seines Aufenthaltes in Voorburg war Spinoza öfters im Haag anzutreffen. Er stieg dann bei einem Bruder seines Hauswirtes, Mesach Tydemann, ab, der in der Bagijnenstrasse wohnte, auch hielt er sich etliche Zeit wieder in Amsterdam und Rijnsburg auf. % Seit ^dem Jahr 1670 lebte er^'ganz im Haag. Er wohnte zuerst auf der Stillen Veerkade 32 im Haus^einer Witwe van de Werve, nicht weit vom Judenviertel, das jedoch mit dem von Amsterdam nicht " zu vergleichen ist. Auch hier arbeitete Spinoza in ^grosser Einsamkeit, vom Leben der inneren Stadt völlig unberührt. Eine Gracht, an der alte Bäume standen, durchzog die Strasse. Heute ist die Gracht zugeworfen worden, und das Strassenbild hat darunter sehr gelitten. Das Haus, in dem Spinoza wohnte, ist jedoch wohl erhalten und nur wenig verändert worden. Es ist deshalb für Spinozafreunde von besonderem Interesse, und die Vereinigung „Het Spinozahuis" hatte anfänglich die Absicht, es anzukaufen. [^r\Der gegenwärtige Besitzer ist ein alter Tapeten- Das Spinozahaus in Rijnsburg vor dem Umbau. Das Spinozahaus in Rijnsburg. händler, der sich behaglicher Ruhe erfreut. Die mit schweren Eisenangeln versehene Haustür war wahrscheinlich schon zu Spinozas Zeiten vorhanden. Auch befindet sich in der Mauer noch das Guckloch, durch das man den vor der Tür Stehenden erblicken konnte, ohne selbst gesehen zu werden. Die steile Treppe sowie ein schöner Kamin im Schlafzimmer des ersten Stockes zeigen Barockformen. Im zweiten Stock liegen mit der Aussicht auf ein Hintergärtchen zwei kleine Zimmer, die früher nur aus einem Raum bestanden. Hier wohnte Spinoza. In die Wand eingelassen ist ein Bett, das durch eine Tapetentür verschlossen wird. Später hat hier Golerus, der Biograph des Philosophen, gehaust. Von Jan de Witt, dem allmächtigen Staatsmann, wird erzählt, dass er Spinoza in diesem Haus öfters besuchte, und zwar kam er durch ein kleines Seitengässchen zu ihm, um unauffällig mit ihm verkehren zu können. Der biedere Tapetenhändler will darüber geheimnisvolle Dinge wissen, aber es war kein Wort aus ihm herauszubringen, und er beabsichtigt wohl, seine Weisheit mit ins Grab zu nehmen. Da Spinoza trotz seiner Bedürfnislosigkeit in dieser

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