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Ost und West · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. Seite 95 - 96

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Article
Benedictus Spinoza
Date
1910-02-01
Page
Seite 95 - 96 (sequence 9)
Language
German
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95 Ernst Altkirch: Benedictas Spinoza. 96 Die Werkstätte im Rijnsburger Spinozahaus. stehen. Sie ist zunächst noch von geringem Umfang. Zu wünschen wäre, dass die Spinozahaus-Vereinigung sich entschlösse, eine Bibliothek der Spinozaliteratur überhaupt anzulegen. Im Jahr 1893 ist in Leipzig noch eine sehr reiche Sammlung von Spinozana für zwölfhundert Mark verkauft worden. Heute würde man für sie das Doppelte und Dreifache anlegen müssen. Hinter dem Haus steht unter dem Fenster der Studierstube eine bescheidene Bank. Köstlich sitzt sich's da im Grünen. Eine weite fruchtbare Ebene dehnt sich vor uns aus, und am Horizont tauchen die Dünen von Katwijk auf. Der Tag ist sonnig und hell, ein Windstoss trägt ab und zu den erfrischenden Geruch des nahen Meeres vorüber. Ich lehne den Kopf an die Wand, schliesse ein wenig die Augen, und wie eine herbe und zugleich süsse Musik treffen die Eingangsworte der kleinen Schrift über die Läuterung des Verstandes, die Spinoza hier schrieb, mein Ohr. So hätte ich ihnen lauschen und lauschen mögen, bis es Abend ward..... Der Grund, weshalb Spinoza nicht in Rijnsburg blieb, ist von mir bereits erörtert worden; gewiss hat zu seinem Wegzug auch die Veröffentlichung seiner Schriften Veranlassung gegeben, und er richtete sein Augenmerk auf einen Ort in der Nähe des Haag, wo seine einflussreichsten Freunde, besonders Jan de Witt, wohnten. Er wählte das Dorf Voorburg, das etwa eine halbe Stunde vom Haag entfernt liegt, und liess sich im Mai 1663 dort nieder. Heute ist der saubere Ort mit der Eisenbahn leicht zu erreichen. Schöne Landhäuser umgeben ihn. Die Dorf Strassen sind vom Leben unserer Zeit noch ganz unberührt, und die schmalen, spitzgiebeligen Häuschen atmen noch die Behaglichkeit längst entschwundener Tage. Im Gasthaus „De Zwaan", gegenüber der protestantischen Kirche, wird die Vergangenheit noch mehr lebendig. Hier sitzen wir in einer altholländischen Schenke, wie sie so gern von den Malern des siebzehnten . Jahrhunderts dargestellt wird, trinken aus schön geschliffenen Gläsern einen milden Rotwein und lassen uns, dazu ein Stück holländischen Käses wohl munden. In unmittelbarer Nähe dieses Gasthauses liegt die Kirchstrasse, in der Spinoza über sechs Jahre in einem Haus, das dem Maler Daniel Tydemann ge- Die Studierstube im Rijnsburger Spinozahaus.

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