Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1910)
- Article
- Benedictus Spinoza
- Date
- 1910-02-01
- Page
- Seite 93 - 94 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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93 Ernst Altkirch: Benedictas Spinoza. 94 Gänsekiel einkritzeln können. Wie die Feder so borstig in der sonntäglichen Stille kratzt! Eine Hummel kommt zum Fenster hereingeflogen. Zornig summt sie an der holzgetäfelten Decke entlang und setzt sich eine Weile auf den Kaminsims. Ich folge ihr mit den Augen und betrachte dabei den schönen Kamin, der mit einer alten Feuerplatte versehen ist, auf der sich eine Darstellung Gustav Adolfs hoch zu Ross befindet. An der Tür daneben hängt eine Kohlephotographie nach dem Bildnis Descartes' von Frans Hals, dessen Original im Louvre ist. Man versenkt sich gern in dieses Bild, und ich sinne darüber nach, was für einen herrlichen Schatz wir besitzen würden, wenn wir ein ähnliches Bild Spinozas von der Hand Rembrandts besässen. Während dann der kleine Teufel weiterfliegt,, summt er ganz leise an einem Bilde Spinozas vorüber, einem Japandruck der Radierung des Malers P. J. Arendzen, die dem zweiten Band der kritischen . Gesamtausgabe der Werke Spinozas von van Vloten und Land vorangestellt ist. In einem grossen Schrank aus Föhrenholz werden die Bücher aufbewahrt, die sich im Besitz Spinozas befunden haben. Bis auf wenige Werke ist die Sammlung vollständig. Für ihre Reichhaltigkeit hat besonders der Baron G. van Rosenthal gesorgt, dem die Universitätsbibliothek in Amsterdam eine Bücherei verdankt, die aus mehr als achttausend Bänden über jüdische Literatur besteht. Leider ist aber unter den Büchern des Spinozahauses kein einziges, von dem man behaupten könnte, dass es in der Hand des Denkers gewesen wäre. Auf einem Dreifuss wird ein kleines Schreibpult gezeigt, wie es Spinoza zur Aufbewahrung von Briefen und Manuskripten benutzte, und wie es mit den Hand- Das Spinozahaus im Haag (Vcerkade 32.) (Vom Garten gesehen.) Die erste Ausgabe des Theologico-Politicus Tractats 1693. (In holländischer Sprache.) Schriften der Ethik und der nachgelassenen Schriften an seinen langjährigen Freund, den Buchhändler und Buchdrucker Jan Rieuwertz., nach Amsterdam geschickt wurde. In ihm liegt auch eine Nachbildung seines silbernen Petschaftes: eine Rose mit Dornen und darunter Caute (d. i. vorsichtig). Wir kennen dieses Petschaft aus verschiedenen Siegelabdrücken der Briefe Spinozas. Von den Entwürfen für das Haager Spinozadenkmal finden sich die von Lacornble und Stracke in den Ecken am Fenster untergebracht. Sie stellen den Philosophen stehend dar und sind nicht ohne künstlerischen Wert. Hervorragende Schöpfungen sind es jedoch ebenso wenig, wie das Denkmal im Haag. Mit vielem Glück ist in dem Nebenraum versucht worden, die Werkstätte Spinozas vor Augen zu führen. Sie enthält eine alte Drehbank mit einer Vorrichtung zum Schleifen optischer Gläser für Mikroskope und Teleskope, wie sie von Spinoza wahrscheinlich benutzt wurde. Auf einem Tisch sehen wir die Wasserleitung und die physikalischen Instrumente, deren er in seinen Briefen Erwähnung tut. Ein Bodenraum enthält noch eine Sammlung von Werken älteren Datums, die mit den Schriften und der Lehre Spinozas im Zusammenhang