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Ost und West · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. Seite 91 - 92

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Article
Benedictus Spinoza
Date
1910-02-01
Page
Seite 91 - 92 (sequence 7)
Language
German
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91 Emst Altkirch: Benedictus Spinoza; 92' Das Spinozahaus in Amsterdam. liegt. Es ist das Wohnhaus Spinozas, und für alle Freunde des Philosophen hat es dadurch einen besonderen Wert erhalten, dass es im Jahr 1899 von der Vereinigung „Het Spinozahuis" angekauft und zu einem kleinen Museum umgebaut wurde. Die Strasse, in der es liegt, heisst seit langem die Spinozalaan. Von dieser Vereinigung sei kurz erwähnt, dass sie aus Anhängern Spinozas hauptsächlich holländischer Abkunft besteht. Sie zählt jedoch auch Deutsche zu ihren Mitgliedern. *) Ihr Sekretär ist der bereits er- *) Von deutschen Spinozafreunden wird seit langem der Wunsch genährt, eine Deutsche Spinozagesellschaft zu gründen In England ist schon etliche Jahre eine Spin-iza^esellschaft vorhanden Es ist an der Zeit, dass au«-h wir uns besinnen, besonders wo unter uns eine di-m Spinoza kongeniale Natur, Consiantin Briinner lebt, von di-m erst, eine kleine Gemeinde weiss, und von dem in dieser Zeitschrift noch ausführlich die Rede sein soll, ein Philosoph, der mit feuriger Zunge und einer heiligen Begeisterung uns Spinoza, den Einzigen, vor die Seele stellt, wie es noch keiner zu tun vermocht hat. Auf sein grosses, lebendiges Werk „Die Lehre von den Geistigen und vom Volke" und sein Vorwort „Spinca gegen Kant und die Sache der geistigen Wahrheit/ das er zu der deutsehen Uebersetzung des bekannten Buches von K. 0. Meinsma „Spinoza und sein Kreis" (Verlag Karl Schnabel, Berlin) geschrieben bat, sei hier boreits hingewiesen. Alle aber, die mit ihrem Herzen ein Interesse daran haben, dass eine Deutsche Spino'.agesellschaft ins Leben gerufen wird, werden gebeten, sich mit dem Verfasser (Dresden- Laubegast, Hauptstr. 2Ln-) in Verbindung zu setzen. wähnte Gelehrte Willem Meijer im Haag, der Spinozas Werke in seine Muttersprache übertrug. Vor dem Spinozahaus stehen mächtige Eschen,, in deren Schatten es wohl geborgen ist. Wie die übrigen Häuser des Dorfes ist es aus roten Backsteinen gebaut, mit weissgekalkten Fugen, und auf einem in der Mauer eingelassenen Stein sind einige Verse Kamphuysens, eines frommen holländischen Dichters der damaligen Zeit, zu lesen: Ach, waren alle Menschen wijs En wilden daarbij wel! Dan was de Aarde een Paradijs, Nu is ze maar een Hei. Man betritt das Haus durch eine alte zweiteilige Tür, wie man sie auch in deutschen Bauernhäusern findet. Auf den Gemälden und Radierungen der holländischen Maler ist sie oft anzutreffen. Auf dem schmalen Gang befinden sich mehrere Türen. Eine davon führt in die sogenannte Studierstube, von der angenommen werden kann, dass Spinoza hier arbeitete. Sie gehört zu den traulichsten Räumen, die ich gesehen habe, und wenn auch alles der Einbildungskraft entsprungen ist, so ist doch in einer ganz seltenen Weise erreicht worden, uns mit dem Geist Spinozas zu umgeben. Durch das geöffnete Fenster flutet das goldene Sonnenlicht in den dämmrigen Raum, die Bienen summen leise, und ein schwacher Wohlgeruch von Rosen erfüllt die Luft. Niemand stört uns, kein aufdringlicher Museumsdiener hält uns eine einstudierte Rede, befindet sich das Spinozahaus doch nur in der Obhut einfacher, verlässlicher Gärtnerleute. So sitzen wir in aller Heimlichkeit vor dem breiten Eich entisch, auf dem die Originalausgaben der Werke Spinozas und eine Mappe mit einer grossen Anzahl seiner Bildnisse liegen. Ein zinnernes Tintenfass, das einem alten Fass im Haus des Thijsius in Leiden nachgebildet ist, steht daneben, damit wir uns beim Scheiden in das Besuchsbuch mit spitzem Die holländische Uebersetzung der Opera posthuma 1677t.

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