Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1910)
- Article
- Benedictus Spinoza
- Date
- 1910-02-01
- Page
- Seite 81 - 82 (sequence 2)
- Language
- German
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81 Ernst Altkirch: Benedictas Spinoza. 82 Bündel ^kleinere Schritten hinzukamen. Sie gehörten den verschiedensten Wissenschaften an, worüber man Ausführliches bei Servaas van Rooijen und Freudenthal findet. Es wird in der Königlichen Bibliothek in Berlin ein Exemplar des Pentateuchs aufbewahrt, das den Namenszug Spinozas aufweist, und dessen Titelblatt hier zum erstenmal reproduziert wird, doch wird es in dem genannten Verzeichnis nicht aufgeführt, so dass also die Bibliothek Spinozas bei seinen Lebzeiten wohl noch grösser gewesen ist.,' Von den uns bekannten und veröffentlichten sieb enund vierzig Briefen Spinozas ist nur ein geringer Teil erhalten geblieben. Im Jahr 1903 hat es Willem Meijer im Haag, der verdienstvolle Sekretär der Vereinigung „Het Spinozahuis", unternommen, diese Briefe in einer mustergültigen Nachbildung herauszugeben, und ihre Zahl beträgt nur zwölf. Angefügt ist die Nachbildung des Titelblattes des Tractatus Theologico-Politicus, das eine handschriftliche Widmung Spinozas aus dem Jahr 1676 enthält. Das Buch wird in der Gräflich Wallenrodschen Bibliothek in Königsberg aufbewahrt, und da es fünf Randglossen von des Philosophen Hand enthält, mit denen er kurz vor seinem Tode mehrere Exemplare versah, ist es die schönste Spinozareliquie, die wir besitzen. Das Buch wurde von Professor Schütz in Königsberg auf einer Bücherauktion in Amsterdam erstanden, und durch die Fürsorge des Bibliothekars Bock gelangte es in die Wallenrodsehe Bibliothek. Den Text der Randglossen, die sich übrigens in Abschriften und in veränderter Fassung auch noch an anderer Stelle erhalten haben, hat Wilhelm Dorow in seiner Schrift „Benedict Spinozas Randglossen zu einem Tractatus theologico-politicus aus einer in Königsberg befindlichen noch ungedruckten Handschrift bekannt gemacht. Mit einer Steindrucktafel, ein facsimile der Handschrift des Spinoza enthaltend. Berlin, 1835, W. Logier", veröffentlicht. Es sind hier alle Adnotationes facsimiliert worden, während von Dorow nur die Widmung an Klefmann und die Note Seite 117 „Nam quod quidam putant, etc," reproduziert wurde. Leider ist auch von den Manuskripten Spinozas nichts erhalten geblieben. Nur von seiner unvollendeten Jugendschrift, der kurzgefassten Abhandlung von Gott, dem Menschen und dessen Glück, sind in den Jahren 1862 und 1869 zwei verschiedene Handschriften in holländischer Sprache, di-i augenscheinlich Uebersetzungen aus dem Lateinischen sind, aufgefunden und herausgegeben worden. Von Spinozas Hand stammen sie jedoch nicht, und ob sie von Deurhoff und Monikoff herrühren, wie man behauptet, ist ungewiss. Diese Handschriften werden heute in der fitnifbifk ^fi/no^aa-. Tractatus 'HEOLOGICO POLITICUS Continens Differtationes aliquot, tusoftenditur Libertatem Philofophandi nontantum IvaPietarc, & Reipublicae Pacepotieconcedi: fcd eandem nifi cum Pace Reipublicae, ip&que Pietate tolli non pofle. Johann: Epifl: I. Cap- IVverf: XIH Vr hc cogtofi'unus quad in Deo mänemus, & Dm «atmet in nobis, quoJ de Spiritu fuo dedit mbis. .... 2' f^^Lo J&Uy£v~*-i.*vy>T^* <*£}*r>x*, J£$. r^Lz+Y, es£ezc!*,*vtofy Ple-^/ — Hamburg!, Apud Uenricim Künraht. cI o 10 CLxxT r(Sö Titelblatt des Tractatus Theologico-Politicus. (Gräflich Wallcurodsche Bibliothek^tn Königsberg.) Königlichen Bibliothek im Haag aufbewahrt;'^ es wäre ein verdienstvolles Unternehmen, eine Nachbildung herzustellen. Sie würde zünden Veröffentlichungen des kurzen Traktats von van Vloten, Sigwart und 3"haarschmidt eine wichtige Ergänzung bilden. ' D!e Königliche Bibliothek im Haag^enthält auch eine der umfangreichsten Sammlungen der Spinozaliteratur. Hier sah ich den seltenen Erstdruck des Traktats über den Regenbogen, der 1687 in holländischer Sprache erschien, die Opera posthuma mit dem Bildnis Spinozas, das in den meisten Exemplaren fehlt, sowie andere Werke mit seinen Bildnissen, die sehr selten sind. — Viel Schönes und auch Seltsames ist von^den Wohnstätten Spinozas zu erzählen. Sie sind eine kleine abgeschlossene Welt für sich, und wer da zu sehen und aufzunehmen imstande ist, wird Köstliches mit nach Hause tragen. Rembrandt hat uns den rechten Weg gewiesen, wenn wir mit offenem Auge die Geburtsstadt Spinozas, Amsterdam, so anschauen wollen, wie sie angeschaut werden muss, und dies betrifft besonders das im Süden gelegene Judenviertel, die Jodenbuurt. Ob zu Rembrandts und Spinozas Zeiten das Judenviertel nicht viel anders ausgesehen hat als heute, wie man behauptet, kann wohl bezweifelt werden.