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Ost und West · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. Seite 79 - 80

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Article
Benedictus Spinoza
Date
1910-02-01
Page
Seite 79 - 80 (sequence 1)
Language
German
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TD 80 BENEDICTUS SPINOZA Von Ernst Altkirch. Im Lande Spinozas. Seit zehn Jahren war Holland das Land meiner Sehnsucht, und wo ich es nun mit fröhlichen Augen geschaut habe, da kann kein schöner Tag zur Neige gehen, in dessen Zwielicht ich nicht ein Träumer würde, Ist doch dann die rechte Zeit, um sich an Holland zu erinnern, im Armstuhl am Bücherbrett die lange Tonpfeife zu schmauchen und vom köstlichen Genever ein Glas zu trinken. So hab ich auch in;Holnun TOin nron Wp co£yi yyppy&s &* ppfcup pnron «v hyipsij itfi vrfo TO {$> irjyu rt'P To* wpK'ppp mfcr>? iynfi jpsys cjfo» pijiip nyp Quinque libri legis. Genefis. Exodus. Leuiticus. Numeri. Deuteronomium. v a r i s i i s. ExofEcina Robcrti Stephani,typographi Rcgii. M. D« XII II» i^öy iÖÖ Titelblatt des Pentateuchs. (Königliche Bibliothek in Berlin). III« Nachdruck verboten. land oft in der Dämmerstunde gesessen, bis das Licht des Tages auf edlem Silbergerät erstarb, und der Abend sich über dem Meere senkte . . . An den Tagen der Rembrandtfeier war ich ein lustiger Zeuge der ausgelassenen Festfreude des Holländers, die zu seinem sonst ernsten und gemessenen Benehmen einen so prächtigen Gegensatz bildet. Und diese unbändige Freude, die über jung und alt wie ein Rausch kommt, muß man wohl gesehen haben, um verstehen zu können, daß der derbe Humor und die Genußfreudigkeit, die uns auf den Bildern der Maler des siebzehnten Jahrhunderts ergötzen, noch heute im Holländer stecken und zu seinem Wesen gehören. Noch heute ist er ein fröhlicher und bedächtiger Trinker und Raucher, noch heute tanzen Männer und Weiber zur Drehorgel oder Fiedel auf der Straße und im Freien, noch, heute liebt man unartige Scherze und legt in vorgerückter. Stunde die Beine auf Tisch und Bänke. Aber so sehr ich für dies alles ein Herz habe, ist mir doch die holländische Malerei und besonders die Kunst Rembrandts von Jugend auf vertraut, so ist die schönste Entdeckung, die ich in Holland machte, dennoch die, daß es nicht nur ein Land Rembrandts, sondern auch ein Land Spinozas gibt. Und dem Lande Spinozas gebe ich den Vorzug, denn es ist mit seinen einsamen Gehöften und Windmühlen inmitten grüner Wiesen und seinen sauberen Städten mit schweigsamen Häusern v und stillen Grachten dem weltfernen, vornehmen Leben Spinozas vergleichbar. Und wie dieses Land an einem grauen Tage mit den geballten Wolken am Firmament uns wehmütig stimmt, so vermögen wir auch das Leben Spinozas in ernsten Stunden nicht zu überdenken, ohne uns der Wehmut hinzugeben. Aber in diese Wehmut mischt sich eine der schönsten Erinnerungen für den, der nur einmal vor dem Spinozahause in Rijnsburg stand, das Rauschen der Eschen vor ihm hörte und dann eintrat in enge, stille Räume, von einer he'mlichen Ruhe und Abgeschiedenheit erfüllt, in denen ihm die Gestalt eines der herrlichsten Denker lebendig wird, von dessen grosser Persönlichkeit so viele Grosse unter den Menschen, und nicht zuletzt Goethe, den tiefsten und bestimmenden Einfluss erfahren haben. — Und die Spuren von Spinozas Erdenwallen sind doch wie Spreu vor dem Wind verflogen. Darin ist das Schicksal der beiden grössten Söhne Hollands sich nicht unähnlich. Von ihren Habseligkeiten ist nicht das mindeste auf uns gekommen. Wir wissen auch nicht, wohin sie zerstreut wurden, und wer um ein geringes den alten Malkittel Rembrandts und den kamelhärenen Mantel Spinozas erwarb, die für uns heute grosse Kostbarkeiten bilden würden. Selbst Spinozas Bibliothek, wie sie bei seinem Tode bestand, ist uns völlig verloren gegangen. Nach einem notariellen Verzeichnis umfasste sie hundertneunundfünfzig wertvolle Bücher, zu denen noch fünf

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