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Ost und West · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. Seite 83 - 84

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Journal
Ost und West
Volume
10 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Article
Benedictus Spinoza
Date
1910-02-01
Page
Seite 83 - 84 (sequence 3)
Language
German
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83 Ernst Altkirch: Benedictas Spinoza. 84 Damals wohnten in ihm portugiesische Juden, die sich zum nicht geringen Teil des Wohlstandes erfreuten. Heute bevölkern es viele Abkömmlinge armer deutscher Juden. Die Nachkommen der reichen portugiesischen Juden haben sich zumeist in anderen Stadtteilen angesiedelt, so dass zwischen den hässlichen und vernachlässigten Häusern nur hin und wieder ein Gebäude auffällt, das Wohlstand verrät. Von farbigem, morgenländischem Prunk, wie ihn uns Rembrandt zeigt, ist nirgends etwas wahrzunehmen, und selbst die schönen Charakterköpfe alter Juden, die der Maler dargestellt hat, wird man vergebens suchen. Es ist, als ob alle märchenhafte Pracht, die auch heute dem vornehmen Amsterdamer Judentum nachgerühmt wird, hinter verschlossenen Fenstern einen Dornröschenschlaf schliefe. Dafür aber sehen wir in den dumpfen Gassen nächst der Jodenbreestraat, in der das Haus Rembrandts steht, andere Dinge, die nicht minder an Rembrandts Kunst erinnern, und deren eigenartige Romantik dem ganz verloren gehen wird, der diese Gassen mit einem Gefühl des Grauens und Abscheus durchschreitet. Hier gibt es nur eins zu tun: dass man mit dem Auge des Malers und Dichters voll naiver Freude umherschaut. Man erschrickt zwar zuerst, wenn man die engen, schmutzigen Strassen betritt, in denen die holperigen Steine mit Unrat und- .Kehricht bedeckt sind. In den meisten Häusern stehen^. Fenster und Türen offen, der confcienoam alterius prorfus n At, quämvis fcientia natura Uc e*t-%*4'v4»r gtesgonpofont vocariProp; ' . ' <£jj u e^-homines «quan cemtudine, & f**^ t~**7,v'^ ZjL^> font, aKllie ^npledti' idclue nc , Cumitaqaemensnoftraex.I ^v.^^^^gi^g^inet^deeadai) j väa^^»- Q^^J^T-f^V mandasquafdamnociones ten ,yy. ^*Pc^^^^™^^fumdocentes3 merito mentis ^^/^^^^^''^^priniam divins revelationis c ^AS^Q^^^"^omn\2, qua: clare, & diflin&e /^V dicavimus) & natura nobis didl ^.f^j^fi^<^&CA*J~y longe excellentiore, & quia l^/£^f/6'£«^'2ru' ut unufquifque, qul certitudine t/Z^<r*/&* <x^>"^> ^"~*dubio expertus e(L Verum quoi XeJ*- / *«/rr >— d p iis cantum loqui, qua: folam fTtr^^>~- ^-»-«Jnine naturalihsc paucadixifl . ^^^J^" ^quibus'Deus ea homiiiibus reve - U«a^~ v^^^"J^:^rY nis excedunt, & etiam qua: n ^.£>v>~:%**t quorainusDeuseaipfa,qua:n( ^rr^'ef^f-fJ^^-j^modte 4^^i ry^^r^^&j^r^^,1^ Verum enim vero quicquid ' *"'A** ' petidebet. Nam quid de rebus w^ibus dicere poflümos, prater i m*\ **crlPtoa°bistraditur? Etquia 'T^S^w^Prophetas, nihil nobis relinq 'j~*~y ^^^^'Prophetis reli&a evolvere. Ha r<J~. */ Iibus rebus ftatuamus, aut ipfis ^£ ^ß^-^^^T^'rvpknon clare di&avenmt. Sed tfr&jvb^*^ C^7Z'~ nunquam caufammmediarum Xl^rVß/-^^^^/ <^~~ nem, nec eas curanr, fei relig ^^i^ ^ylJ^rrM^ Erste Randglosse im Tractatus Thcologico^Politictis. (Gräflich Wallenrodsche Bibliothek in Königsberg.) Rück fällt in dämmerige, geschwärzte Räume voller Unordnung, und die schmalen, steilen Holztreppen verlieren sich in der Dunkelheit. Dicht an den grossen Fallfenstern sitzt oft jung und alt, isst, trinkt und raucht, die Männer in Hemdsärmeln, die Frauen in lockeren Blusen und mit entblösstem Halse,, der älteste der Familie wie ein Patriarch im Lehnstuhl. In anderen Häusern kleiden sich Männer und Frauen aus und an, Mädchen kämmen ihr schwarzes Haar, das wie feucht vom Bade schimmert. Und ihr Haar ist schön und lang, das sah ich bei einer jungen Jüdin, die mich an Sulamith erinnerte, und die hinter halb herabgelassenen Jalousien ihr Haar zu Flechten zerteilte. Häufig blickt man auch in elende Schuster- und Schneiderwerkstätten, in ärmliche Läden und Fischbratereien und in raucherfüllte Schenken. Der Handel wird zumeist auf der Strasse getrieben. Da hocken Männer und Weiber auf der Erde, in der Haustür oder auf den Kellerstufen, bieten Früchte und Geflügel feil, sind bei emsiger Arbeit, Gemüse zu putzen und Bonnen aus den Hülsen zu befreien. Mit einem niedrigen Karren zieht der Fischhändler umher, breitet mächtige stahlblaue Fische vor sich aus, zerlegt Heringe und verkauft sie in einzelnen kleinen Stückchen für einen ganzen Cent. In anderen Strassen, wo die Trödler sitzen, werden hunderterlei Gebrauchsgegenstände bis zum verrosteten Schlüssel feilgeboten, und um die erbärmlichste Sache-, die. wir kaltblütig auf den Kehrichthaufen werfen, entsteht, ein Schachern und Gerede, als ob es um Edelsteine und Perlen ginge. Dieses Feilschen um das Wertloseste gibt einen Begriff davon, mit welch einem primitiven Leben hier die meisten zufrieden sind, denen es nicht unwichtig ist, eine weggeworfene Sardinenbüchse in ihren Besitz zu bringen, nachdem um sie eine grosse Verhandlung und Streiterei stattgefunden hat. Diese Armen leben allerdings auch in einer Ursprünglichkeit, die erstaunlich ist. Menschliche Bedürfnisse werden an der Mauer ohne Scham verrichtet. Mütter säugen und reinigen ihre Kinder vor aller Augen. Man geht in Lumpen und Fetzen einher und trägt einen Rock, den man niemals ausfüllen wird. Lumpensammler sitzen zwischen Bergen von Lumpen, prüfen sie mit Blicken, als ob sie Gold in den Händen hätten, und zertrennen und zerfetzen eine von Schmutz starrende Hose, als ob es aus ihr ein Königreich zu gewinnen gäbe. Die Müssiggänger sind Knirpse von etwa zehn Jahren, die niemals gewaschen sein können, und die an einem gefundenen Zigarrenre^t ihre, Rauchkünste dartun, Mädchen mit grossen, dunklen Augen und feingeschnittenem Munde, dem Granatapfel gleich, Jungfrauen, die einen leichten, wiegenden Gang in den Hüften haben, als schritten sie zum Tanze, und bejahrte Weiber mit hässlichen und gefurchten Angesichtern, geröteten Augen und schneeweissem Haar, das unter der Nachtmütze wirr hervorhängt. Wo man hinblickt, da hat jeder dem anderen etwas zu erzählen., überall sieht man ein paar Köpfe, die zusammenstecken. Und man redet nicht nur mit dem Munde, sondern auch mit Händen und Armen,

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