Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- Griechische Umtriebe
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 57 - 58 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2583875-2583993-2583995-2594325--10019-2594398- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
57 Mitteilungen der AUiance Israelite Universelle: Griechische Umtriebe. 58 Die Alliance~Schulen in Beirut, Während des Unterrichts. intervenierten, die Griechen mischten sich ein. Es entstand ein Handgemenge, das unter den friedlichen Besuchern der Cafes und Brauereien eine Panik hervorrief. Die Polizei stellte glücklicherweise schleunig Ordnung wieder her. Dieser plötzliche Zusammenstoss offenbarte die wirklichen Gefühle jedes einzelnen, und seitdem war die Lage nicht mehr zweifelhaft. Es ist für niemand ein Geheimnis, dass die Griechen mit Misswollen auf die Einsetzung des neuen Regimes in der Türkei blicken. Solange Unordnung im Lande herrschte, konnten sie auf Verwirklichung der „grossen Idee" rechnen. Sobald aber die Türkei erstarkte und die Sympathie Europas gewann, war die „grosse Idee" begraben. Da man das Missvergnügen nicht offen zeigen konnte, wandte sich der Zorn der Griechen gegen alle die, die an der Einsetzung des neuen Regimes sich beteiligt hatten, ganz besonders gegen die Israeliten. Als daher die Zwischenfälle bei dem bulgarischen Besuch eintraten, gaben die Griechen vor, dass die Israeliten sie beleidigt hätten, und dass ihr Verhalten der Ausdruck des Hasses der Juden gegen die Griechen sei. Am Dienstag den 15. September veröffentlichte die griechische Zeitung von Saloniki „Pharos tis Thessalonikis" einen heftigen Artikel gegen die Israeliten, der von Galle und Hass überfloss und u. a. die Griechen aufforderte, den Israeliten den wirtschaftlichen Krieg zu erklären und nichts mehr bei ihnen zu kaufen. Die israelitischen Journale erwiderten durch den Hinweis darauf, dass die Agitatoren einige Tage vorher Hochrufe auf die Brüderlichkeit der Rassen ausgebracht hätten. Anderen Tags veröffentlichte der „Pharos" einen noch heftigeren Artikel, in dem er die Juden beschuldigte, sich an eine fremde Macht verkauft zu haben, deren Interesse darauf gerichtet sei, die ottomanische Verfassung zu ersticken. Griechen und Israeliten stiessen feindlich aufeinander, die griechischen Feuerwehrleute weigerten sich, einen Brand im jüdischen Viertel zu löschen, der Konflikt spitzte sich zu. Das Gomite „Einigkeit und Fortschritt" intervenierte und stellte den Frieden zwischen Griechen und Juden wieder her. Es war aber nur ein Waffenstillstand. Die Griechen fuhren fort, die Israeliten mit Eifersucht zu beobachten und ihnen das wirtschaftliche Uebergewicht zu neiden. Die Reaktion. — Einige Zeit nach der Revolution, als die ersten Tage der populären Begeisterung vorüber waren, fassten die Reaktionäre, die von den Ereignissen des Juli überrascht worden waren, neue Hoffnung, wieder zur Gewalt zu kommen, und begannen ihre Arbeit. Die Griechen halfen dabei aufs beste. Sie dachten abermals an die „grosse Idee" und warfen zum drittenmal die Kommissionärfrage auf. Sie hatten eingesehen, dass sie ihre Niederlage der jüdischen Solidarität zuzuschreiben hatten, und fassten den Plan, griechische Handelshäuser in Saloniki zu errichten. Im März 1909 gründeten sie die „Anglo- Helenic Commercial Company", ein grosses Institut,