Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 10 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Article
- Griechische Umtriebe
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 55 - 56 (sequence 4)
- Language
- German
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55 Mitteilungen der Alliance Isra&lite Universelle: Griechische Umtriebe, 56 missionären die Vorteile, die sie ihren Glaubensgenossen einräumten, so dass man nach-"wie vor an die israelitischen Kommissionäre sich wenden musste.— Das war übrigens nicht der erste Versuch der Griechen, die Israeliten auszuschalten. Schon im Frühjahr 1908 hatten sie Aehnliches, wenn auch in geringem Umfang, unternommen. Ebenso erfolglos. Die Besitzer der Gärten rund um Saloniki sind fast ausnahmslos Griechen. Die Früchte- und Gemüsehändler von Saloniki sind fast alle Juden. Die Geschäfte zwischen den Grundbesitzern und den Händlern vermitteln israelitische Makler. Im Frühjahr 1908 —- es war die Kirschenzeit — erklärten die griechischen Besitzer, dass sie ihre Früchte nur durch Vermittlung griechischer Makler verkaufen würden. Die israelitischen Fruchthändler beschlossen dagegen, Früchte nur durch israelitische Makler zu erstehen. Drei Tage hielten die Besitzer Stand. Als sie aber sahen, dass die Kirschen ihnen in den Körben faulten, gaben sie nach. Die Niederlage der griechischen Kommissionäre verstimmte die Propagandisten der „grossen Idee" äusserst. Sie versuchten, die Israeliten zu boykottieren. Da trat die ottomanischc Revolution ein. Die Revolution. — Einige Tage lang waren alle Streitigkeiten vergessen. Allgemeine Liebesmahle wurden abgehalten. Alles schrie nach Einmütigkeit, nach Brüderlichkeit, recht laut und wenig aufrichtig. Ein Zwischenfall sollte bald die Schwäche der neuen Gefühle offenbaren. Am Tage nach der Verkündigung der Verfassung beeilten sich die Nachbaren der Türkei, „die Helden der Freiheit" zu begrüssen, nach „der Wiege der Freiheit" zu walU fahren. Zuerst kamen die Griechen, dann die Serben, dann die Bulgaren, nicht zuletzt die Türken selbst, die aus allen Städten des Reichs herbeiströmten. Jedesmal wenn Gäste nach Saloniki kamen, illuminierten die Cafes und die Kneipen, ertönten Fanfaren aus allen Bevölkerungsgruppen, spielte die Musik auf allen öffentlichen Plätzen, klatschte die Menge den befreundeten Besuchern Beifall. Als die Bulgaren angemeldet waren, regten sich die Griechen. An dem Tage, als der Zug mit den Bulgaren ankam, es war ein Donnerstag, begannen die Cafe- und Hotelkellner, die alle Griechen sind, einen Streik. . Die Patrone schlössen ihre Häuser, die Griechen und ihre Musiker blieben daheim. Die Türken, Bulgaren und Irsaeliten, die den griechischen Besuchern warmen Empfang bereitet hatten, waren über die Haltung der Griechen empört. Sie öffneten die Gasthäuser und Cafes mit Gewalt, und Handwerker und Studenten verrichteten den Dienst in den Cafes und in den Hotels. Die Griechen hielten sich zurück. Die Türken, Bulgaren und Israeliten zogen in Haufen zum Bahnhof und akklamierten die einziehenden Bulgaren auf das lebhafteste. Am Sonntag, den 13. September, öffneten die Griechen ihre Cafes sehr zeitig. Die Tische waren alle mit Griechen besetzt. Einige Israeliten richteten darauf ein fliegendes Büfett auf dem Freiheitsplatz ein, in der Nähe von zwei grossen griechischen Brauereien. Ein griechischer Angestellter einer dieser Brauereien sticss in etwas trunkenem Zustand mit dem Fuss einen Tisch um. Die Israeliten _ l^^WE^ l/mi^ff&lM mm^^^m M&Wmfdmm^iM ......liii" mmm -Vwtf ' i'K>:'- wm. Die Alliance-Schulen in Beirut. Mittelkursus. I. und II. Jahrgang.