Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- Salomon Munk
- Date
- 1906-12-01
- Page
- Seite 801 - 802 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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801 A. Benesra: Salonion Münk. 802'. bei den Philosophen des Mittelalters fanden, und konnte so die Identität beider Bücher feststellen. Diese Entdeckung veröffentlichte Münk in Fürsts „Orient" und fügte damit der G-eschichte der Philosophie ein neues Blatt hinzu. Die Gestalt des grossen hebräischen Dichters und Denkers erschien somit vom hellen Lichte der allgemeinen Kultur umstrahlt. Seitdem kann kein Geschichtschreiber der Philosophie mehr G-abirol übergehen. (Die lateinische Uebersetzung der „Fons vitae" — ,,ohne die der Entwickelungsgang des philosophischen Gedankens nicht begriften jwerden kann" wurde vollständig von Baeumker 1894 veröffentlicht; das arabische Original ist nicht zum Vorschein gekommen.) Gleichzeitig setzte Mank seine Arbeiten [an dem arabischen Original des „Moreh Nebuchim" fort. Ein ausnehmlich glücklicher Zufall spielte ihm die erste venetianische Ausgabe der hebräischen Uebersetzung des „Moreh" in die Hand, und auf den Marginalien des Buches fand sich die Abschrift eines grossen Teils des arabischen Originals. Ferner entdeckte er in der Leydener Bibliothek zwei Handschriften, und auf der Grundlage dieses reichen Materials gelang seinem ausserordentlichen Scharfsinn in mühseliger, rastloser, jahrelanger Arbeit den authentischen Text wieder herzustellen. Nun machte er eine elegante französische Uebersetzung des Werkes des alten jüdischen Weisen und versah es mit einem eingehenden Kommentar, der durch Scharfsinn, Tiefe, allseitige philosophische Bildung und umfassende Gelehrsamkeit die Kenner in Erstaunen setzte. Diese Arbeit, durch welche Maimonides und seine Gedanken der philosophischen Forschung erst recht zugänglich gemacht wurden, kostete Münk sein Augenlicht. Da er nämlich von seinem Berufe zu sehr in Anspruch genommen war, musste er diesen Studien die Nächte opfern. Seine materielle Lage hatte sich etwas gebessert. Die Bibliotheks - Verwaltung erhöhte ihm das Gehalt, ausserdem wurde er^ zum Sekretär des israelitischen Konsistoriums ernannt, eine Stelle, die ihm 1500 Franken einbrachte. Davon musste er seine eigne Familie nnd die greise Mutter unterhalten. An die Schwester schreibt er: „Meine beiden Aemter bringen mir kaum die Hälfte von dem ein, was ich brauche." So mueste denn dieser erlesene Geist, dieser geniale ruhmbedeckte Forscher sich damit abquälen, Privatunterricht zu erteilen und ähnliche Arbeiten zu verrichten, die ihm die beste Zeit' und Kraft raubten. Adolphe Frauck bezeugt in seiner' Rede auf Münk, dass. dieser von 4 Uhr morgens bis 10 Uhr abends die Feder in der Hand hatte, oder von Schülern umgeben war; und trotz der Kärglichkeit seiner Einnahmen hatte er stets eine offene Hand für jeden Hilfsbedürftigen, und bei aller Ueberbürdung fand er Zeit, Jahre lang zu bestimmten Stunden armen Kindern unengeltlich jüdischen Religionsunterricht zu erteilen. Er hat dabei nur sein Augenlicht eingebüsst. Weiter nichts. Nach langem Leiden erblindete er völlig im Jahre 1851. Dieser Schlag traf ihn umso härter, als gerade damals der Druck des „Moreh" begann (für den Baron James Rotschild die Kosten von 25000 Franken vorstreckte). Mit wahrhaft heldenmütiger Resignation ertrug Münk sein furchtbares Schicksal und liess den Mut nicht sinken. Die Arbeit an seinem Werk erforderte ungewöhnliche Sorgfalt und Akribie. Wer vermag wohl zu schildern, was in der Seele dieses Menschen vorging, als er sich auf Grund des ärztlichen Urteilsspruches sagen musste, dass er nie mehr die Sonne erblicken würde. Aber er bewies der Welt, was echte Begeisterung und heisse Liebe zur Wissenschaft zu bewirken vermögen. Er führte die Riesenarbeit zu Ende, mit der grössten Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit, die das Staunen und die Bewunderung der Gel ehrten weit erregten. Emil Saisset in seinem Werke „Precurseurs et disciples de Descartes" rühmt in begeisterten Worten „la vaste erudition qui est chez lui (Münk) au service d'mi esprit superieur, ou la nettete" francaise se marie heureusement avec la finesse, la souplesse et la vigueur hebräiques". So hatte Münk nicht nur der Wissenschaft einen grossen Dienst geleistet, sondern zugleich der Ehre des Judentums gedient. Bald fing man an, ihn mit Ehren zu überschütten. Die Ehrenlegion wurde ihm verliehen, das Institut de France berief ihn in seine Mitte. An die Schwester schreibt er hierüber, die ihm widerfahrene Auszeichnung habe für ihn einen umso höheren Wert, als er dadurch ihr, der Schwester, und anderen Angehörigen, nach vielen so harten Prüfungen eine Freude bereiten konnte. Aber er ruhte auf den Lorbeeren nicht aus. In der ewigen Nacht, die ihn umgab, unternahm er es noch, neue phönizische Inschriften zu entziffern, und obgleich c/^---