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Ost und West · 1906-10-01 · Heft 10-11 (Oktober-November 1906) · p. Seite 721 - 722

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 10-11 (Oktober-November 1906)
Article
Abraham in der bildenden Kunst
Date
1906-10-01
Page
Seite 721 - 722 (sequence 11)
Language
German
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721 G Kutna: Abraham in der bildenden Knnst. 722 dem köstlichen Bilde Jan Steen's (Dresden) mit dem belebten Gutshof, der alten Hauswirtin, die dem kleinen Bengel das Ungeziefer absucht, und dem putzig hei ausschauenden Ismael. Eine idillysch indifferente Szene in einer stimmungsvollen Landschaft ist die Vertreibung von Jacob de Wet (München), eine — zwar innerlich belebte — Staffage in der Landschaft bietet auch ein Blatt von Claes Moeyart, ebenso die klassizistisch gefasste einer biblischen Landschaft J. W. Schirmer's. Höchst unangenehm sind die manieriert schlüpfrigen Bilder, in denen Adriaen van der Werff die Verstossung Hagars dargestellt hat und mit welchen eines von Philip van Dyck (Louvre) in Geist und Behandlung nahezu völlig übereinstimmt. Ein älterer Herr steht vor der Tür seines Hauses, vor ihm, in gewähltester Halbnacktheit, voll koketter Grazie, eine obdachlose schöne Dame; das Eheweib blickt misstrauisch hervor, und der alte Herr muss sein Bedauern aussprechen. Neben der jungen Dame ist ein kleiner Knabe, der weint zierlich und rührsam (München ) oder er wendet sich in gezierter Tragik um und. blickt auf das zuckersüsse Muttersöhnchen zurück, das sich sinngemäss hinter Vaters Mantelkleid zu verstecken versteht (Dresden) Rein theatralisch ist Peter van der Borcht. Der Baryton singt die grosse Arie der Vertreibung, der Sopran singt weibliche Verlassenheit, und ein zarter Kinderton gibt die. inter- J. STEEN. mittierende Begleitung. Bühnegerecht sind auch die pathetischen Gruppen von Horace Vernet und Gustave Dore. Von überzeugender Menschlichkeit und innig in Einzelzügen sind neben Rembrandt seine Schüler Gerbrandt van den Eeckhout (München, besser •'..<;"-' \ •»«. flfc €l WJ^ \;y$: -J ■f v w §5^s £"5)jY / % * jfpir \ /:;r*~" 4? ,y- A „. s - /.y" ' * ü. GIORDANO, DRESDEN, GEMAELDEG ALLER1E. Abraham Hagar verstossend, DRESDEN, GEMAELDEGALLERIE. Verstossung der Hagar. auf einer Zeichnung im Petit. Palais in Paris), Govaert Flinck, feiner Moses van Uytenbroeck, bei dem Hagar und Ismael Abraham um Mitleid anflehen, und der Deutsche Georg Pencz. Bei den Italienern hat Guercinos Bild (Mailand) edlen Stil und ungetrübte Klarheit, doch zuviel schulmässig überlegte Abgemessenhejt; die grobzügigen Gestalten des Luca Giordano (Dresden) sind von nichtssagender Realistik. Hagar in der Wüste ist ein unvergleichlich schöner Vorwurf für die Kunst, voller Tief blick, voller Schicksalshauch, Mutter und Heimatlosigkeit, das verschmachtende Kind und die Oede, Grauen, Verlassenheit und Himmelsbotschaft. Und so voll von Form: „sie ging dann — und irrte in der Wüste Bersebah. — Und das Wasser im Schlauch war zu Ende — da warf sie das Kind hin hinter das Gestrüpp. — Und setzte sich gegenüber — einen Bogenschuss weit — „ich kann das Kind nicht sterben sehen", sprach sie — so sass sie drüben und weinte laut. — Da hörte Gott —", wie ist das lebensvoll und formklar. Die Nachbildung in der Kunst ist es nur selten. Mannigfach

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