Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober-November 1906)
- Article
- Abraham in der bildenden Kunst
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 719 - 720 (sequence 10)
- Language
- German
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719 G. Ktitna: Abraham in der bildenden Kunst. 720 " k ^m^ mmm ■ * t- 4r^$£5^ ^/A-WiMßM . . m ^sSfe. />• y\ /• «müfSrJm p->. y^j ^* / f^fjij^jP * >■ ii # Ifö* kts! m ^-v ■ PJ;^ ■ N" A. VAN DE WERFF. DREDEN, GEMAELDEGALLERIE. Verstossung der Hagar. III. Hagar. Die Geschichte der Hagar war durch die bildsame Epik und den kristallinischen Stil für die künstlerische Bildform sehr günstig. Sie wurde sittenbildlich im Novellenstil und im tragischen Pathos dargestellt. Anekdotische Familienszenen illustrieren das häusliche Leben: Abraham führt Hagar in sein Haus (Fragment der Cottonbibel), er steht mit seinen Begleitern Sarah gegenüber, die ihm die schlanke, zierliche Hagar zuführt, welche in graziöser Passivität, die Augen gesenkt, erwartend daneben steht (Ben ozzo Gozzoli). Naturalistischer sind die Dinge auf einem Blatte von Georg Pencz ausgedrückt. Sarah führt den aufdemBette sitzenden Abraham Hagar zu und gestikuliert; auf einem zweiten Stiche sitzen der bartlose Abraham und Hagar auf dem Lager, die nackten Leiber aneinandergeschmiegt, umhalsen sich und blicken sich in die Augen. Neben ihnen auf der Truhe ist Obst, Brot und ein Weinbecher. Von hinten blickt Sarah matronenhaft mürrisch auf sie hervor. Was deutscher Derbheit gestattet ist, wirkt abstossend, wenn es in glatter Manier zierlich vorgetragen wird. Bei Philip van Dyck (Louvre) ist die Natur zur Pikanterie ge worden, voll schlüpfriger Süssigkeit des 18. Jahr, hunderts, voll widerlicher Delikatesse. Der weichlich schöne, ältliche Abraham sitzt auf einem Prunkbett, Hagar sitzt in emaillierter Nacktheit, geziert verschämt neben ihm. Abraham fasst das Nippfigürchen galant und unsicher an; Sarah glaubt weniger an die arrangierte Keuschheit, im Begriffe wegzugehen, lächelt sie voll kupplerischer Erwartung. Hinter dem Vorhang blickt ein junges Wesen in ängstlichrr Neugierde staunend auf das leckere Schaustück. Der Streit der beiden Frauen und die Flucht Hagars ist gelegentlich in illustrativer Weise mit kleinmalerischem Reiz behandelt worden. Sarah macht Abraham eine Szene, darauf schlägt sie auf dessen Erlaubnis hin die heulende Magd; diese geht verächtlich zurückblickend, nach dem Hintergrund weg, wo sie dann zu dem Engel aufblickt (Benozzo Gozzoli). Oberflächlich, mit viel äusserlichen Schwall sind dieselben Szenen bei Peter v. d. Borcht ausgeführt, der Hagar bei ihrer Rückkehr kriechend in Haus schleichen lässt. Charakteristischer ist Wendelin Dietterlin: Sarah schreit wüst, die schwangere Hagar, von einem Köter heftig angebellt, wendet sich im Abgehen zu der keifenden Herrin zurück. Naturalistisch gleichfalls, mit einem Beisatz von Humor sind die Zwistigkeiten nach der Geburt Isaks illustriert worden (Ashburnham Pentateuch, Benozzo Goz2oli). Die Vertreibung der Hagar ist in den meisten Fällen von derselben kleinbürgerlichen Charakteristik, nur äussert sich das Menschliche darin trotz der erzählerischen Breite verdichteter, inniger, zentraler, dank der reinen Plastik und der tiefen Durchsichtigkeit der Handlung. Allerdings gibt es auch Darstellungen, in denen der Vorgang neben den genrehaften und anekdotischen Dingen seine hauptsächlichste Bedeutung verliert, so auf IHH .W^' pp$T" § m / v-£. '.j^S^ "W \ ■ / ■ y m Lfv' Nr- W PI ->i> ' ^/.•':J5 GUERCINO MAILAND. Abraham vtrstösst Hagar.