Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober-November 1906)
- Article
- Abraham in der bildenden Kunst
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 723 -724 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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723 G. Kitina: Abraham in der bildenden Kunst. 724 JACOB DE WEH. MUENCHEN, PINAKOTHEK. Abraham verstösst Hagar. interessiert die Wüstenlandschaft am meisten; dies ist bei Claude Lorrain (London) und bei Schirmer der Fall. Steigerung durch die landschaftliche Oede erstrebt Jean Murat, der jedoch zu absichtlich wirkt, und E. K. Liska, dessen Gruppe modellmässig und sentimental ist. Schön ist die dürre Heide Jean Cazins (Luxemburg) mit der weinenden Hagar, an die das Kind in Leid und Mitleid sich hilfesuchend drängt. Ergreifend und gross ist J. F. Millet (Mesdagsche Sammlung im Haag). Selber schmachtend, dem Wahnsinn nahe, wälzt sich das halbnackte Barbarenweib am Boden und fasst rasend an den wirren Kopf. Hinten zuckt das Kind in gequälten Bewegungen, todesmatt auf verdorrtem Boden. Gute Qualitäten in der Charakteristik hat das afrikanische Weib von Louis Courtat, das dem kraftlosen Kinde Wasser aus dem Kruge reicht. Stilistisch bedingt ist die Charakteristik bei einer anderen Gruppe von Darstellungen und wird dem Gegenstand wenig gerecht. Eustache Lesueur drückt artistisch-christlichen Harm aus, und das mit einer Märtyrerblässe und Empfindsamkeit, die süss, rührselig und salonmässig sind. G. Dort* ist es ebenfalls. Hagar, mit aufgelöstem Haar, in antikischer Gewandung, händeringend am Felsen, das Kind in Kreuzes form, verschmachtend am Boden, der leere Krug liegt - vielsagend in derNähe. Christian Köhler (Düss eldorf)' un d R. Begas variieren — auch in formaler Hinsicht — das Niobemotiv. August Wittig (Berlin, National- Galerie) und Eugene Azelin (Luxemburg) wirken schulmeisterlich und konventionell. Der verschmachtende Ismael von Just Becquet (Luxemburg) ist zu sehr als Akt behandelt, als dass er weitere Wirkung erzeugte. Beim rein Künstlerischen kann man hier nicht Halt machen, das Motiv ist nicht von der Art, dass es dies gestattet. Hier gewinnen die Formen erst ihre volle Wirkung, wenn sie diskret geborgen sind, indem sie sich offenbaren, und in ihrer Geborgenheit der Menschentragik Sprache leihen. VON MAX JUNOMANNS „DORNEN". Von Dr. Theodor Zlocisti, Berlin. Nachdruck verholen Der Weg zu Jungmanns Kunst führt durch ein Tor, auf dessen Rundbogen die bitteren Worte sieben: „Verdammte Jugendzeit". . Verdammte Jugendzeit! — AVem weckte dieser stachlichte Fluch nicht das lichte Wort von der goldenen Jugendzeit? Durch die weiten Hallen der Poesie bebt wie ein Grundakkord der Sang von goldner Jugendzeit. Ihr liebes Bild, umglänzt vom dämmernden Lichte der Erinnerung, hat sich nicht gewandelt in den Jahrtausenden. Und die tausend Sprachen reden nur von einer Sehnsucht. Die Jugend ist das Wurzelreicli aller echten Kunst. Noch hat das Leben die leuchtenden Horizonte nicht verhängt und verengt. Und? die grause Notwendigkeit zerrt uns nicht am Gänjafelbande. Wild flattert die Fantasie durch unermessliche Räume; und keine Sonne hemmt den heiteren Flug der Ikariden. Jeder Auf blick ist ein Erlebnis. Jeder Schritt führt in neue Zauberreiche. Auf.' Bäum und Strauch wachsen die grossen Wünsche. Und im Sange der Vögel, im leisen Wehen des Windes, im Rauschen der Blätter offenbaren sich uns inheiligen Melodien die süssen Geheimnisse der Welten . ,