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Ost und West · 1906-10-01 · Heft 10-11 (Oktober-November 1906) · p. Seite 713 -714

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 10-11 (Oktober-November 1906)
Article
Abraham in der bildenden Kunst
Date
1906-10-01
Page
Seite 713 -714 (sequence 7)
Language
German
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713 G. Kutna: Abraham in der bildenden Kunst. 714 II. Lot. In den Szenen aus dem Leben Abrahams findet sich der begleitende Lot an der Seite des Patriarchen; ohne nominative Bedeutung, wird er der Komposition als künstlerische Folie oder als ergänzendes formales Element eingereiht. Er gibt so der Gruppen Wirkung eine korrelative Steigerung. Neben seinen Verwandten daherziehend, wandert er aus der Heimat, in das Land der Verheissung, nach Aegypten. Dann kommt die Trennung. Damit bekommt er — textlich und künstlerisch — innere Realität und itickt dem Mittelpunkt zu. Die Darstellungen sind sittenbildlicher Art, mit genrehaften Episoden ausgeschmückt. Die beiden Männer stehen auf einem Hügel, ins Tal blickend, und Abraham spricht mit bedauernder Geste zu Lot; den Plan füllen Herden, Hirten prügeln sich, zwei Züge wenden sich verschiedenen Richtungen zu, die scheidenden Familien hinterher. Die Befreiung Lots aus den Händen der Könige wird episodisch innerhalb der Kampfszenen geschildert, man sieht etwa Abraham, wie er Lot bei der Hand der Freiheit zuführt. In den Darstellungen, die Abrahams Bitte für Sodom und Gomorrha in der Kunst gefunden hat, ist nur wenig von der Lebendigkeit und Schönheit des biblischen Stiles; die edle Dringlichkeit, der demutsvolle Mut und die gütig willfahrende Nachgiebigkeit Gottes werden in bildnerischer Form leicht zur Rührseligkeit und äusserlichem Pathos. In klassizistisch gemessenen Empfindungen ist der Vorgang in einem Bilde von B. v. Neher (gestochen von H. Merz) ausgestaltet. Abraham breitet die Hände aus, der lichtumstrahlte Engel sieht milde auf ihn herab, weist jedoch auf die Städte hin; rechts wendet sich der eine Engel zurück und lässt das Schwert sinken, der andere deutet mit dem seinen nach vorwärts und fasst ihn, wie zum Weiterschreiten RAPHAEL-SCHULE. Die Flucht Lots. VATICAN. V, K \ ip¥ *\ W*%\ wl y^jjt lilr^ '<*^*ir^«Md^ 1 V 'fc'^SK^ f' 0y ^4 m> GUERCINO. :; ■■ DRESDEN, G5MAELDEGAI.LERIE, L>ot mit seinen Töchtern. auffordernd, beim Arm. Der idealen Form fehlt die tiefere Beseelung und der lebendige Affekt, der Adel der Erscheinungen ist theoretisch, das Menschliche zu festtäglich. J. W. Schirm er hat das Motiv als eine pathetische Staffage für die Landschaft benutzt. Abraham bittet kniend, der Engel hält die Fackel und deutet auf die Stadt-Vedute des Hintergrundes. Innerhalb landschaftlicher Romantik pathetische Draperie. Ungezwungener beleben die Gestalten die Landschaft, wo Abraham die Engel hinausgeleitet, da sie gen Sodom ziehen. Von den Begebenheiten beim Untergang der Städte werden vornehmlich drei Szenen — simultan oder einzeln — von der Malerei und der Graphik behandelt: die Ankunft der Engel in Sodom, Lots Rettung aus dem Untergange und besonders häufig Lot und seine Töchter. Die Begrüssung der Engel durch Lot wird durch die bei Abraham bedeutungslos gemacht und ist auch in der Kunst von farbloser Wirkung. In Aelfrics angelsächsischem Heptateuch (11. Jahrh.) sitzen sie an gedecktem Tische, Lot, in der Haltung des Oranten, vor ihnen zur Bedienung. Darunter spricht er in einer Bogenhalle eifrig zu seinen Schwiegersöhnen. In der neueren Kunst bietet ein Blatt von Philipp Galle in leerem Formalismus eine Begiüssung der Engel. Auch der in der Bibel so lebendig geschilderte Streit am Hause Lots wegen Auslieferung der Engel hat keine künstlerisch hochstehende Behandlung erfahren. In den wenigen Darstellungen ist tumultarische, typische Bosheit oder auch nur eine laute Marktszene geschildert. , Eindringlich ist darin die Cottonbibel (6. Jahrh.): Lot spricht in erregter Gestik . zu den Sodomitern, die Engel ziehen ihn ins Hau>; zwei Männer, liegen, wie eben hingestürzt, am Boden.

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