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Ost und West · 1906-10-01 · Heft 10-11 (Oktober-November 1906) · p. Seite 711 - 712

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 10-11 (Oktober-November 1906)
Article
Abraham in der bildenden Kunst
Date
1906-10-01
Page
Seite 711 - 712 (sequence 6)
Language
German
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711 G. Kutna: Abraham in der bildenden Kunst. 712 Meisters des 16. Jahrhunderts in Amsterdam.. Ganz frei gegenüber der kirchlichen Auffassung ist der Gegenstand wiederholt von Rubens behandelt. Ihm ist es ein günstiger Anlass zur Entfaltung üppiger Schönheit und Männerkraft, stolzer Lebensfülle und heroischer Bewegung. Bei Graphikern des Nordens wie bei den Rafaelschülern im Vatikan sieht man Paradeaufzüge, inszenierte Attitüden und deklamatorische Narktheit. In archaisierendem Geiste hat Hipp. Fl an drin die Begegnung als Gegenbild zum Abendmahl in seinen Fresken von St. Germain de Pres in Paris dargestellt. Sonst haben die Gestalten eine rein dekorative Bedeutung (Holzskulpturen aus Anas in Ste. Elisabeth in Paris aus dem 16. Jahrhunderts, ein spanisches Relief in Berlin aus derselben Zeit). Die Erscheinung der drei Engel und Abrahams Gastfreundschaft sind ein häufig behandeltes und günstiges Motiv für die Kunst. Das Göttliche in menschlicher Erscheinung darzustellen, ist ja von je eine tiefe Sehnsucht der Kunst. Und hier sind dafür allgemein giltige dichterische Vorstellungen gegeben; denn allemal sitzt der Mensch ausschauend an seiner Hütte, und draussen durch die Räume geht der vielgestaltige, verheissende Gottesbote. Das Sichtbarwerden der Göttlichkeit wird in der mittelalterlichen Kunst durch kirchliche Kennzeichen bewirkt, in der modernen durch eine überirdischideale oder hoheitsvoll menschliche Charakteristik. In der kirchlichsymbolischen Kunst ist die Szene (nach Augustin: tres vidit unuin adoravit) ein Bild der Trinität; die drei Gestalten sind daher gleichmassig durch Kreuznimbus ausgezeichnet, oder die mittlere ist besonders hervorgehoben : S. Maria Maggiore (duroh Mandorla), S. Angelo in Formis bei Capua (11. Jahrh.). Auf dem Altaraufsatz von Klosterneuburg hält der mittlere Engel eine Schriftrolle mit dem erwähnten augustinischen Zitat; in den handschrift- HchenBilderkreisen der späteren Zeit dagegen ist eine typologische P. P. RUBENS. Beziehung zur Himmelfahrt (Armenbibel) oder zur Verkündigung Mariae gegeben (Concordantia caritatis, in gleicher Zusammenstellung auf einer Casula im Stifte St, Paul in Kärnthen schon im 12. Jahrhundert). In der Renaissance geben Benozzo Gozzoli und Lorenzo Ghiberti der Gruppe einen dekorativen Charakter mit den Reizen ihres Stiles. Die Raffaelschüler in den Loggien wirken verstimmend durch einen starken Zwiespalt zwischen Anmut und Würde bei den Engeln und durch die artistische Devotion Abrahams. Voll Geistigkeit und Helligkeit sind die Lichtgestalten auf der Zeichnung Rembrandts (Albertina, Wien), ganz Unterwürfigkeit und Nichtigkeit der anbetende Abraham. In dem Bibelweik von Gustave Dore ist die Erscheinung zu lichtvoll, zu himmlisch, zu ideal, aber nobel in der Silhouette und Auffassung; in der Bibel Schnorrs dagegen arg stilisiert und idealisch verwässert. J. W. Schirm er belebt durch sie eine lichte landwirschafüiche Szenerie. Bei der Bewirtung der Engel macht sich meist ein sittenbildlicher Zug geltend, der auch in kirchliche Darstellungen eindringt. Vorherrschend ist bei diesen trotzdem der ernste Geist einer Heilsbeziehung (S. Maria Maggiore, Cottonbibel, San Vitale). Bei Benozzo Gozzoli ist dem Sittenbildlichen das Hauptinteresse gewidmet. Noch mehr ist das bei den Graphikern des Nordens der Fall, die auf kleinen Blättern anmutende häusliche Szenen schildern (Cornelis Matsys, Claes Moeyart, P. v. d. Borcht, Georg Pencz u. a.). Bei Abraham van Diebenbeeck (München) ist dies zu grossartiger Formpathetik im Geiste von Rubens ausgestaltet. KostbareMenschlichkeit farbenprächtig.schwungvoll und repräsentativ gibt auch Ferdinand Bol (Amsterdam). Anders Rembrandt. Da ist das Einfachste das Höchste: menschliches Wesen in Demut, {menschliche Innigkeit widerstrahlend von der Höhe; Glanz und Hoheit des Himmels mitten im Erdendasein,voller Wurzeln und ABRAHAM UND MELCHIZEDEK. Wirklichkeit.

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