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Ost und West · 1906-10-01 · Heft 10-11 (Oktober-November 1906) · p. Seite 709 - 710

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 10-11 (Oktober-November 1906)
Article
Abraham in der bildenden Kunst
Date
1906-10-01
Page
Seite 709 - 710 (sequence 5)
Language
German
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709 G. Kutna: Abraham in der bildenden Kunst, 710 dem lo. Jahrhundert; eine Plakette im Louvre aus dem 12. Jahrhundert zeigt Melchizedek dem Abraham die Hostie und den Kelch reichend, auf einer Patene eines Kelches des 13. Jahrhunderts sind den beiden Noah und das Lamm in gleicher Symbolik angereiht. In der Gothik symbolisieren sie in statuarischem Nebeneinander vorbildliche Heilsopfer des alten Bundes. In starrer, idealer Ergriffenheit steht er in Chartres neben seinen alttestamentlichen Genossen und blickt weit hinaus in eine ahnungsvoll schweigsame Ferne. Sein langer Bart wallt hinab zu dem schlanken Körper, die Gewandung legt sich streng um die schmächtigen Glieder, die magere Hand hält den Kelch. Und so blickt er in stummer Warnung hinaus, aus jenseitiger, geheimer Warte, weit in eine raumlose Welt. Eine ähnliche Gruppierung dieser Gestalten haben die Kathedralen von Reims, Amiens, Senlis, Cöln u. a. Inden typologischen Werken des späteren Mittelalters ist die Szene zusammen mit derMannahspeisurig zum Abendmahl in Parallele gesetzt(Armenbibel,Heilsspiegel, concordantia caritatis). Im frühesten Zyklus, dem Altaraufsatz zuKlosterneuburg(i2.Jahrh.), ist Melchizedek, abweichend von der üblichen Auffassung, als eucharistisches Vorbild, Kelch und Brot auf einem Altar darbringend, besonders dargestellt; während bei der Begrüssung Abraham der prototypische fromme Spender ist (ante legem), parallel — mit der Königin von Saba (sub lege) — zur Anbetung der Könige (post legem). Am Beginne der neuzeitlichen Kunst hat Dierick Bouts die Szene unter den heiligen Speisungen seines Löwener Altarwerks (1467) dargestellt; das Abendmahl des Mittelbildes ist von Passah, Mannah, der Speisung Eliae und der Darbringung des Brotes und Weines anAbraham umgeben gewesen. In priesterlichem und kriegerischem Schmuck treten sich die beiden Männer auf dem Flügelbild (München) gegenüber, ehrfurchtsvoll neigen sie sich vor einander, und in edler Schüchternheit ist aller Atem verhalten. Andächtig befangen sind die linkischen Bewegungen, seelisch erregt die zitternden Hände und klösterlich zart die realistische Gestik. Fragend kündet sich das Menschliche, zage hält die Seele an, auf der Schwelle zum Licht in tiefer Scheu. Darum ist das Subtile innig, das Preziöse seelenvoll, und was der Wirklichkeit entlehnt ist, scheint wie in Vision erschaut. Aeusserlicher ist eine etwas verwandte Darstellung eines holländischen SCHIRMER. BERLIN) rNATIONAL-GALLERIE. Rettungvund Verheissung. SCHIRMER. BERLIN, NATIONAL-OALLERIE. Der Gang zum Opfer.

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