Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober-November 1906)
- Article
- Abraham in der bildenden Kunst
- Date
- 1906-10-01
- Page
- Seite 703 - 704 (sequence 2)
- Language
- German
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703 Q. Kutna: Abraham in der bildenden Kunst. 701 Himmelskreis die Hand Gottes siebtbar; ein andermal erscheint sie über dem schlafenden Abraham. SCHIRMER. BERLIN, NATIONAL-GALLERIE. Abrahams Einzug in das gelobte Land. SCHIRMER. BERLIN, NATIONAL-GALLERIE, Die Verheissung im Hain Mamre. Starr und unklar sind die Gotteserscheinung und der Altarbau in den Miniaturen zu Caedmon's „Metrical paraphrase" (10. Jahrh.). Im späteren Mittelalter wird Gott bei der Unterredung zwar sichtbar, doch fehlt der Szene die lebendige Wallung und das seelisch Phänomenale. In der Kirche zu Lichtenhain bei Jena (14. Jahrh.) bedeckt Gott das Gesicht, während er den Befehl zur Auswanderung gibt; Abraham steht reisefertig neben dem gesattelten Kamel. Naiv und warm im Gemütsausdruck ist die Gotteserscheinung auf dem Camposanto-Fresko des Benozzo Gozzoli in Pisa, trotz des spielerischen, plauderhaften Realismus, von dem sie umgeben ist. Sie ist der Darstellung „Abraham im Feuerofen" unmittelbar angeschlossen. Diese von derHaggadah in verschiedenerFassung übermittelte Legende findet sich auch im Speculum Humanae Salvati onis dargestellt. Dort wird Abraham von Gott bei der Hand gefasst und aus dem Feuer gerettet, in das er von den Chaldäern geworfen war, weil er es nicht gleich ihnen anbeten wollte. Einer anderen Quelle ist die Szene des Benozzo Gozzoli entnommen. Da sitzt zwischen allerlei Prachtbauten König Nirms, von Soldaten und Hofleuten umgeben, auf dem Thron und befiehlt, das Bild seines Vaters Bei anzubeten, das in einem Rundtempel in der Mitte aufgestellt ist. Seitlich von diesem Tempel, um den sich Beter scharen, duckt sich Abraham ins Feuer, das ihn unversehrt lässt. Rechts daneben eilt er hinweg, indem er nach oben lauscht, wo Gott aus der Gloriole einer runden Scheibe zu ihm spricht. Weiter reiht sich daran, in demselben zierlichen Plauderton vorgetragen, der Auszug: der nimbierte Abraham aus dem Stadttor reitend, hinter ihm Sarah, Lot und Gefolge auf Pferden und zur Seite Knechte, Hunde, gesattelte Pferde und anderes mehr. Der biblische Gegenstand ist dabei Nebensache, den Maler interessiert die breite Ausmalung bewegter Szenerien. Doch was im 15. Jahrhundert natürlich ist und entzückt, das ist im 17. manieriert und verstimmt. Peter van der Bor cht schildert auf einem Blatte Abraham durch die Lande ziehend in stilisiert bedeutender Erscheinung und repräsentativem Heroentum; neben ihm die jugendliche Sarah, schön im