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Ost und West · 1906-10-01 · Heft 10-11 (Oktober-November 1906) · p. Seite 701 - 702

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 10-11 (Oktober-November 1906)
Article
Abraham in der bildenden Kunst
Date
1906-10-01
Page
Seite 701 - 702 (sequence 1)
Language
German
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701 702 ABRAHAM IN DER BILDENDEN KUNST. Von O. Kulna. Nachdruck verboten. I. Jugend und Wanderung. Abraham ist die Lieblingsgestalt der jüdischen Antike; durch ein episch verschlungenes, aus mannigfacher Ueberlieferung gestaltetes Lebensbild verherrlicht ihn die Bibel. Seine Tugenden und seine Menschlichkeit sind ein Musterbild für patriarchalische Lebenshaltung und stammesgeschichtliche Idealbildung des Orients. In seiner Gastfreundschaft, seiner blutsverwandtschafthchen Liebe und der unbeschränkten Opferwilligkeit Gott gegenüber spiegeln sich der Charakter und die Ideale der alten Nomadenge - schlechter. So entlegen diese Lebensformen dem abendländischen Geiste auch sein mochten, die Kunst lebte sich in diese fremdartige Welt hinein und gab ihr lebensvolle Gestaltung. Denn die religiöse Beziehung gab einen regen Kontakt, in der formenden Phantasie wurde das Fremde zum Wunderbaren gewandelt und weckte ein verehrungsvoll vertrautes Verständnis. Dazu kam die plastische Abgeschlossenheit und die bildsame Form einzelner ideellen Vorstellungen eine klare Bildlichkeit gaben. Wenngleich dies nicht durchgehends gilt; mancher lebendigen Schilderung gegenüber verhielt sich die Kunst zurückhaltend; die pulsierende Wirklichkeit wurde zu matter Symbolik abgeschwächt, und nebensächliche Züge erhielten durch ausserhalb gelegene Gründe höhere Bedeutung. Und auch das Schönste entzog sich einer bildhaften Umformung; denn die tiefe, zitternd durchseelte Wortkunst der RAPHAEL-SCHULE. Die Verheissung in Mamre. Szenen, die auch den Anreden Gottes bei den Prüfungen (Gen. 12, 1; 22, 2) etwa verträgt keinerlei Umpflanzung, und die tragische Steigerung und träufelnde Wehmut dieser Worte ist bei der simultanen Kunstwirkung des Bildnerischen nicht vernehmlich. Ebenso verhält es sich bei der demütig-kühnen Bitte Abrahams für Sodom und Gomorrha. Viele Episoden kommen nur hier und da in künstlerischer Behandlung vor, andere dagegen erwecken jeweilig aus verschiedenartigen künstlerischen Absichten starkes Interesse. Im Zusammenhang illustrativer Werke, besonders in der kirchlichen Kunst, gelangen neben den menschlich bedeutsamen Ereignissen auch gleichgültige, farblose Fakta zur Darstellung. Abraham, der seinen Sohn opfert, hat ja für die Kirche eine hervorragende prototypische Bedeutung, und dies gibt auch seinen anderen Erlebnissen ein« vorbedeutende Beziehung. In rein sachlichem Vortrag , ohne lebendige Gegenwärtigkeit werden lose Szenen dargestellt, sie sind die Hieroglyphe für den beziehungsreichen Sinn christologischer Deutung. Dogmatisch und unpersönlich sind die Erscheinungen Gottes, und selten wird etwas von der menschlichen Lebenswärme der biblischen Schilderung in der Wiedergabe fühlbar. „Abraham steht und schaut nach oben. Ein Strahl kommt aus dem Himmel mit der Inschrift: — — —", ist das Schema der byzantinischen Kunst. Im Codex C o 11 o n i a n u s (6. Jahrh.) steht Abraham, und über ihm wird in strahlendem VATI C AN. RAPHAEL-SCHULE. VATICAN. RAPHAEL-SCHULE. VATICAN. Abraham und Melchizedek. Abraham und die Engel.

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