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Ost und West · 1906-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1906) · p. Seite 623 - 624

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1906)
Article
David und Bathseba
Date
1906-08-01
Page
Seite 623 - 624 (sequence 21)
Language
German
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623 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 624 S. Szene. David. Bathseba... David (erhebt sich): Was blickst Du mich so fahl, so feindlich an? Ward ich ein Andrer? Bathseba (verächtlich): Mörder meines Kindes! Du warst zu feig, die Schmach des Ehebruches Zu tragen vor dem Auge aller Welt! Uria musste, der Unschuld'ge, sterben! Wie konnte das gescheh'n? Bekenne alles! David: Mir ist, als lösste sich ein Schlangenknäul Von meiner Brust, da endlich Wahrheit wieder, Die langerstickte, von den Lippen strömt! Er selber war der Bote seines Todes, Er trug zu Joab selbst sein Urteil hin! Bathseba (verhüllt sich schaudernd): Am Herzen, das die Teufelstat ersann, Die tückische, hab' gläubig ich gelegen, Wo geiles Unkraut schoss, ekles Geziefer Sich wälzte, sah ich goldne Himmel glüh'n. David (bittend): Sprachst Du nicht damals der Verheissung Wort: Du wolltest Schuld, die in die Ewigkeit Die zähen Fasern reckt, die niemals endet? Sie rissest Du in mir und presstest sie Mit mir, vor Glück vergehend, an die Brust! In dieser Stunde, da mein Herz verzagt In hoffnungslosen Qualen der Verdammnis, Willst Du verlassen und verleugnen mich, So wie ich Gott verriet um Deinetwillen? Bathseba: Der Priester sprach: Mein Kind, mein Kind [muss sterben, Noch war ich Mutter nicht, als ich so dreist Mich des vermass, kehr um, kehr' um zu Gott, Das Leben unsres Kindes zu erfleh'n! Mein Leben hängt an seinem unzerreissbar, Es ist mir Glauben, Zukunftssinn und Ziel: Bitte zu Gott, dass es genesen möge, Sonst Fluch auf Dich, ich sterbe mit dem Knaben! (Sie stürzt fort, David blickt ihr verzweifelt nach.) 9. Szene. (David liegt auf den Knieen, mit wilder Inbrunst betend.) David: Gott, wie ich kam aus meiner Mutter Leibe, Nackt, bloss und hilflos, liege ich vor Dir! Du brachst von meinem Stamme Zweig um Zweig, Lass mir den Einen, rette mir den Knaben! Es fiel von mir die Macht, es riss das Weib Sich los von mir, sie, die Du mir gezeigt, Wie die verbot'ne Frucht am Baum des Todes! Wie irdene Gefässe sprang in Stücken Ruhm, Glück und Liebe, ich bin bettelarm! Rette das Kind, das Letzte, was geblieben, Im Staube will ich knieen Tag und Nacht, Nicht Trank noch Speise letze meine Lippen, Als lag ich schon, ein Leichnam, in der Gruft! O lass mir in der Wüste meiner Brust Den Einen Trost, lass meinen Knaben mir! Um meiner blut'gen Schmerzenstränen willen, Um meiner Nächte willen, grauenvoll, Da aus dem Dunkel grinsend glitt Uria, Mich würgend mit der moderfeuchten Hand, - Nimm an die Reue für vergossnes Blut, Getötet hab ich, Herr, schnöde gemordet, Dennoch, erbarm Dich mein, erhöre mich! Allein sind wieder wir im Endlos-Leeren, Nur Du noch, Ewiger, und meine Seele, Lebendigtot will sie empor zu Dir! Ein Krampf wie Wehen der Gebäreriii Durchrüttelt sie, den Gott muss sie gebären Aus sich, die Flwigkeit bricht an in ihr! Es bersten alle Mauern meines Ich Vor Deiner Liebe brausenden Sonnenströmen, Ergiessend sich aus Dir und mir zugleich! Ich liebe Dich in mir und mich in Dir, Ich flute in das tiefe Feuermeer, Das Deine Liebe ist, die Flamme Gottes! Ich halte Dich und lasse Dich nicht wieder, Die Welt zerfiel, — in mir ist Gottes Reich! „Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, So schreit meine Seele, Gott, zu Dir! Meine Seele dürstet nach dem lebendigen Gott! Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes An- [gesicht schaue?" (Er bleibt in stummer Andacht liegen.) 10. Szene. (David noch immer auf den Knieen, Ahitophel schleicht hinter David herein. Ahitophel: Was windet sich am Boden wie ein Wurm? Beschwatzt er Gott mit seinen Honigworten, Wie jedes Weib zur Lust? Nieder mit ihm! (er schleicht näher, zieht einen Dolch hervor, in diesem'Augenblick öffnet sich eine Seitentür und Mephiboseth, der bleich, verhärmt und vollkommen vernachlässigt, wie von langer Entbehrung, aussieht, hinkt schnell zwischen Ahitophel und David, so dass der Dolchstoss Ahitophels ihn trifft. Mephiboseth stürzt nieder.) Ahitophel: Du, Knabe? Führt Dich Belial daher? Fluch mir! Und ist er wieder mir entgangen? So fahr ich selber in das Reich der Nacht! (er ersticht sich.) David (wendet sich, erblickt beide; zu Mephiboseth): Aus schwerer Wunde blutest Du? Wer schlug sie? Wo kommst Du her, was sprach mir Ziba doch 'r — Mephiboseth (röchelnd): Er hat verleumdet Deinen treusten Knecht, Ich kam, zu rein'gen mich von dem Verdacht, David, ich liebte Dich, mit jedem Hauch, Schau an mein Bettlerkleid, er nahm mir Alles, Schon damals, als Dich Absalom vertrieb. Ich weinte, nicht um mich, um Dich nur, David, Dass Du entfliehen musstest, Herr und König! Ich trauerte in Sack und Asche, darbte, Verlassen, Herr, von Dir, ein toter Hund! Ach, warum glaubtest Ziba's Lügen Du? Ich sterbe gern für Dien, Dein Name soll Blüh'n in die Ewigkeit, — in Deinem Sohne! Ich gehe, Deine Blicke in den meinen, Zu Saul und Jonathan. Dein Aug' ist nass Von Tränentau, — David, ich liebe Dich, — Wie Jonathan, mein Vater, Dich geliebt! - (er stirbt.) David (in tiefem Jammer): Und ich verkannte Dich, Du reinstes Herz, Weil Sünde mich zerfressen bis ins Mark, Weil ich nicht wert mehr, Treue zu verstelvn, Dir tat ich weh, Du segnest ni.ch und stirbst! (er legt sein Haupt an Mephiboseth's Herz.)

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