Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1906)
- Article
- David und Bathseba
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 621 - 622 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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621 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 622 Das unsichtbare Etwas, dem er nach Sich hebt und strebt, hinauf bis in den Himmel, Den leeren blauen Abgrund! Aus der Sehnsucht Des Menschen nur ist Gott geboren worden Und wir sind seine Schöpfer, er nicht unsrer! Nathan: Verweg'nes Weib, allein durch Deinen Bildner Empfingst Du Kraft, sein Dasein zu bezweifeln, Woher kommt Denken, Zweifeln, als von Ihm? Du willst Dich dem Gesetz nicht unterwerfen, Dem Gott gehorcht, das Ihn, den Ew'gen, zwingt? All', was er schuf, ist sichtbares Gesetz! Du willst wegdenken Ihn, wie einst Dein Vater, Gottlos wie Saul? Ging er des Throns verlustig, So Du der Krone heil'ger Mutterschaft! Nie wirst den Sohn Du König David schenken, Der Name Sauls erlischt in Deinem Schoss! Michal: So lebte doch in uns, des ersten Königs Nachkommen, wahres, kühnes Königtum! Der König gegen Gott, das ist mein Glaube, Nicht ein gekrönter Knecht nur auf dem Thron, Der, vor dem Grössern immer zitternd, herrscht, — Im Himmel kein Tyrann mehr, auf der Erde Kein Sklave mehr, der nur aus Furcht gehorcht! Kann ich dam König keine Söhne geben, Geb' ich ihm männliche Gedanken doch Und helfe ihm zerbrechen Euer Joch! Nathan (gelassen): Ich komme, weil ein Traum, von Gott gesandt, Mir Schuld entdeckt, die David nie bekannt, Weil dumpf Gerücht im Mund des Volkes murrt, Dass alles Unglück, über Davids Hause Erweckt, nur einen Keim und Ursprung hat, Nur einen Anfang: dass sich Absalom Empörte, Amnon, Thamar sind gefällt Und künftig Uebel wie aus gift'gem Sumpf Modrige Dünste haucht und Seuchen heckt! Micha!: So werdet David brechen Ihr wie Saul, Den Nacken seines Stolzes beugen, bis Er wieder fromm und gottesfürchtig ist! — So liesset Ihr vor Sauls zerstörten Sinnen Aufsteigen bei dem Zauberweib zu Endor Den Schatten Samuels, der schauerlich Ihm Niederlage, Sturz und Grab verhiess Und ihm entmannt den starken Heldengeist! O kläglich, wie der Hehre schmerzentseclt Zu Boden stürzte, seine Riesenglieder In Staub gewälzt, sinnlos und wahnbetäubt! Ihr Gaukler mit dem Namen Eures Gottes, Die Ihr zu hohlem Schein das Wesen macht, Aufprägt dem Sinnbild der Unendlichkeit Die eigne Art, die unzähmbare Herrschsucht! Nathan: Nicht meine Herrschaft gilt es, nur das Recht, Die Wahrheit gilt es vor dem Gott der Wahrheit! Bekennen muss er den verborg'nen Fehl, Abwerfen feiger Lüge Ketten last, Die seine Seele wund gedrückt — die Schuld Gestehe er, bei Gott ist Mild' und Huld! Der König kommt! Michal: Ich lasse Dich mit ihm! Denn nicht ertrag' ich's, meines Lebens Stolz Und Freude, ihn, demütig, tief gebückt, Büssend vor einem Priester ihn zu sehn! (Michal geht~ab.) 6. Szene. David. Der Prophet Nathan. (David fassungslos und verstört.) Nathan: König, ich rufe Deine Weisheit an, Du sollst entscheiden, sollst das Urteil sprechen! Doch warum zitterst Du und wovor bangt Dir Und warum ist Dein Blick von Tränen trüb? David: Ich habe Absalom im Kampf verloren, Und er, der meines Herzens Abendrot, Den Bathseba gebar, er liegt im Sterben! Von allen Seiten ziehen Nachtgewölke Heran und Finsternis ist über mir! Nathan: König, es war ein reicher, reicher Mann, Er hatte Herden aller Art, zahllose, Und Gott und Gottes Liebe war mit ihm! Ein Andrer aber hatte nur ein einzig, Ein kleines Schäflein, das sein Liebling war. Es ass von seinem Bissen und es trank Aus seinem Becher, schlief in seinem Schosse! Doch, da dem reichen Manne kam ein Gast, Schont' er der eignen Schätze, nahm des Armen Einziges Gut und opferte es hin! Wie dtmket Dich sein Tun? David: Er ist des Todes, Der solches Werk getan! Nathan (sich hoch aufrichtend mit eherner Stimme): Du bist der Mann! (David zuckt in furchtbarem Schreck zusammen. Bathseba. erscheint, ungesehen von Beiden, hinter einem Vorhang.) Nathan (fährt fort): So spricht der Herr, der Ew'ge über uns: Ich habe Dich zum Könige gesalbet Und Dich errettet aus der Feinde Hand! Die Kinder Sauls sind Dir wie Weib und Kinder, Dein ist mein Volk, mein Reich, ich gab es Dir, Sohn Isafs, als Deiner Füsse Schemel! Du aber hast das Wort des Herrn verachtet, Erschlugst Uriam und nahmst Dir sein Weib, Das Du besessen schon, da er noch lebte! Darum soll auch von Deinem Hause nicht Das Schwert mehr lassen ewiglich, darum, Weil Du durch solchen Frevel lästern machen Des Herrn Verfolger, wird der Sohn Dir sterben, Den Bathseba, Urias Weib, gebar! Er fällt am Altar der Gerechtigkeit! 7. Szene. (Vorige. Bathseba stürzt vor, starrt verzweifelt auf David.) Bathseba: Sprach er die Wahrheit? Hast Du ihn getötet? David (stürzt nieder): Ich tat's, gesündigt hab' ich wider Gott, Er morde mich, wie ich Uriam schlug! Nathan (milde): Der Herr wird von Dir nehmen Deine Sünde, Du wirst nicht sterben, König, Du wirst leben, Durch Busse, Reue und Gebet versöhnen Den Herrn und von Dir wenden Dein Verhängnis! Dem Volke künde ich, dass Du zu Gott Zurückgekehrt bist, an das Herz des Vaters, Und dass den Weg des Lebens Du gefunden! (Er geht ab. Allmählich verstummt draussen der Lärm des Volkes.)