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Ost und West · 1906-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1906) · p. Seite 625 - 626

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1906)
Article
David und Bathseba
Date
1906-08-01
Page
Seite 625 - 626 (sequence 22)
Language
German
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625 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 626 Ahitophel (knirschend): Er fing den Dolchstoss auf, der Dir bestimmt war, Du Bluthund, seines Stammes Untergang! Das Leben ist ein Götterspass für Teufel, Die so wie Du vergöttert von den Guten Und Schwachen werden, deren Sünde Schönheit, Triumph wird, - sie sind die Schosskinder Gottes! - Was sprach Er doch? Du sollst nicht ehebrechen?-- Ich bin ein dummer Teufel und verrecke, Wie ich's verdient, weil ich nicht schweigen lernte, Und Schande nicht für Ehre hingenommen! (er stirbt.) David (noch an Mephiboseth's Leiche): — Zwischenvorhang. — 11. Szene. (David liegt noch im Gebet, Die Leichen von Mepliiboseth und Ahitophel sind entfernt. Michal tritt leise ein.) Michal: Drei Tage und drei Nächte liegst Du schon, In glühenden Gebeten Dich zermarternd, — David, wohin riss die Verzweiflung Dich! David (erhebt sich wie aus weiter Feme zurückkehrend): Ich wandelte in einer grossen Stille Und Gottes Stimme nur war über mir, Ob meinem Haupte ging's wie Flügelrauschen Und Werdeschauer flössen durch mein Sein — Michal: Das Leben ruft nach Dir, wie fern Du bist! Wie Deine Seele schmerzt aus tausend Wunden, Ertrage, was Du musst — David: Mein Knabe starb? Michal: David, ich hülle meine Seele schützend Um Deine, wie die Mutter um ihr Kind, — Er ging dahin, von wannen keine Rückkehr — David: In diesen Tag' und Nächten, da ich rang Mit Gott um ihn, verging das, was ich war, Ein and'rer wurde ich, ein Niegewes'ner, Ein neuer Boden, junger Zukunft Land! Michal: Du weintest um den Knaben wehzerrissen, Als er noch war, — steigst Du aus Tränenflut, Leuchtenden Lebens Licht, da er verschied? David: Ich betete zu Gott, so lang er lebte, Nun, da er tot, was frommt vergeblich Fleh'n? Wohl werde ich ihn seh'n und zu ihm kommen, Dereinst, er aber nie zurück zu mir! Vergib mir, Michal, dass um meinetwillen Ein neues Opfer, Mephiboseth, fiel! Michal: Ich sinne nach, warum Dich fallen hiess Dieselbe Macht, die auferstehn Dich Hess, — Doch tiefverhüllt bleibt mir der Sünde Sinn! O siegtest über Gott Du! David: Königin! Du meiner Seele schwesterlich vertraut, Michal, Du meine reine Jugendbraut, Dein Geist ist grösser; mächt'ger als der meine, Stärker ist Er doch, der Unendlich-Eine Als wir! Michal: Dir naht Dein Weib im Mutterschmerz, Lass sie in Einsamkeit nicht länger klagen! 12. Szene. (Die Vorigen. Der Prophet Nathan, die tiefgebeugte und zerknirschte Bathseba geleitend). Nathan: Gott heilt die Wunden, die er Euch geschlagen, David und Bathseba, die Ihr beraubt Des heissgeliebten Kindes, tröstet Euch! Er zürnt nicht immer, wohlgefällig ist Ihm ein geängstet und zerschlag'nes Herz! Lust hat an Wahrheit er, die im Verborgnen, Und lässet wissen Euch heimliche Weisheit! Die Söhne, die er Dir genommen, David, Sie waren Deines ungeläutert heissen Blutes nur, Deiner üpp'gen Sinne Erben, Wilde Schösslinge, leiblich schöne Kinder, Doch Dein unsterblich Teil war nicht in ihnen! Nun aber wird Dir Deiner Seele Sohn Geboren werden aus der Schmerzensliebe. Die Bathseba um Dich litt, Du um sie! Er wird den Frieden Dir mit Gott bedeuten Und mit des Friedens Namen nenne ihn! Gewaltig wird in Salomo auf Erden Der Same sein, den Gott hat ausgeworfen In Deiner Seele qualzerfetzte Furchen! Zu Ruhm und Herrlichkeit führt er das Reich, Das Volk des Ewigen, Gott ist sein Vater Und er, der von Dir kommt, er ist Sein Sohn! Sein Königreich des Geistes ist beständig! Michal (spricht zu David): Du hast vergebens nicht mit Gott gerungen, Du hast die Ewigkeit Ihm abgezwungen, In dem verheiss'nen Sohn, dem ersten grossen Und freien König Judas, — meine Liebe Lebt wieder auf in ihm, der erst bezeuge Des Königtums Gottgleichheit, Sauls Vermächtnis! In Deinem Sohn reift sein Gedanke einst! Nur, weil die Kraft zur Sünde in Dir lebte, Wardst Du Dir selbst, ward Gott Dir offenbar! Als Sieger kommst Du aus der Lebensschlacht! Bathseba: Ein heil'ger Glanz geht auf in meiner Nacht, Das Licht der Himmel strahlt um Nathans Stirne! Mein Herr und König, kannst Du mir verzeih'n? Ich habe über Dich dies Weh gebracht Und liess im schwersten Streit Dich doch allein! David (zieht sie an sich): Durch meine Liebesschuld, die Du entfacht, Nur, weil Du mein geworden, ward ich Sein! — Ende. —

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