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Ost und West · 1906-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1906) · p. Seite 619 - 620

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1906)
Article
David und Bathseba
Date
1906-08-01
Page
Seite 619 - 620 (sequence 19)
Language
German
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619 Marta Hellmuth.: David und Bathseba. 620 Sie ballt sich mir im Innern wetterschwer, Bis sie sich einst entladet über Dich! Joab (unbewegt): Denk' an den Brief, ich bin kein weicher Tor! Nicht waschen Tränen fort vollbrachte Tat! Was die Notwendigkeit verlangt, geschieht, Absalom fiel, denn er war todesreif! David: Gebot ich nicht, Du solltest Mitleid üben, . Er konnte noch bereuen, ich verzeih'n! Joab: Und leben Dir nicht andre Söhne noch, Und lebt Dir nicht von Bathseba ein Erbe, Seit sie Dein Weib? Absaloms Herschbegier Hätte Dein Volk aufs Neue stets entzweit! David (angstvoll): Wie schied er hin, mein armer Absalom, Sprich mir von ihm! Joab (kalt): Er ritt im Waldesdickicht, Da blieb sein mächtig Haar an einer Eiche In dichten Strähnen hängen, sich verwirrend, Ein Netz des Todes hielt's am Zweig ihn fest! Sein Maultier aber unter ihm entlief, Gefangen schwebt' er, hilflos, überm Boden! Verderben wurden ihm und sichrer Fallstrick Die Lockenhaare, die sein eitler Stolz! Ein Krieger, der ihn sah, rief es mir zu, Da eilt' ich hin, drei Spiesse rannt' ich ihm Ins falsche Herz und schickt' ihn in die Hölle! David (verzweifelt schluchzend): Erbarmungsloser! Meine eigne Brust Zerreissest Du mit Deiner orte Dolchen! Mein Sohn, mein Sohn, wär' ich für Dich gestorben! Mir aus den Augen, blut'ger Bösewicht! Von Deinen Würgerhänden dampft der Mord! Mein Sohn, mein Sohn, o Absalom, mein Sohn! Joab (ungerührt): Ich gehe, zu besänftigen das Volk, Das zürnend drängt ums Schloss und tobt und zankt, Ich stehe fest, wie auch der König wankt! David (wirft ihm verächtlich einen Beutel mit Gold zu): Nimm da den Preis für ihn, den Du durchbohrt, Als er ohnmächtig war und waffenlos, Und teil ihn mit der Gier, die drunten rast! (Ziba tritt ein.) 3. Szene. David. Joab und Ziba (ein .verschmitzt und knechtisch aussehender Mensch. Joab wechselt mit ihm einen Blick des Einverständnisses; Ziba wirft sich vor David nieder, Joab nimmt das Gold.) Joab: Ein neuer Bote naht Dir Deiner Sorgen, Bleib stark, wenn unter Dir die Erde schwankt! (Joab ab.) David: Was willst Du, Ziba, wo ist Mephiboset, Warum so lange schon bleibt er mir fern, Der mich zuerst vor den Empörern warnte? Ziba: Seit damals Du vor Absalom geflüchtet, Nährt heimlich Hoffnung er, der Enkel Sauls, Dass ihm das Reich zurückgegeben wird, Denn Viele hängen noch an Sauls Geschlecht. Der Einz'ge ist er aus dem Blut des Königs, Seit damals Du den Männern Gibeon's Die letzten Sprossen Sauls geopfert hast! Und darum ist er nicht, wie Michal, Dir Gefolgt, scheut Deinen Blick... . . David (zornig aufbrausend): Gab darum ich Güter und Knechte ihm und Hess ihn halten, Wie meinen eigenen Sohn, vergilt er so? Was er vordem gewesen, sei er wieder, Los sag' ich mich von ihm, der mich betrog! Du, Ziba, nimm von seinem Eigentum An Aeckern, Herden, Häusern, die ich schenkte, Die Hälfte Dir fortan; es bleibe ihm So viel, dass er nicht Mangel leiden muss, Doch Reichtum nicht, mit dem er Krieger wirbt; Nicht strafen will ich einen Unglücksel'geii, Der elend ist und lahm wie Mephiboseth, Denn meines Bunds mit Jonathan gedenk ich! Ziba (küsst sklavisch sein Kleid): Wie bist Du grossmutsvoll, mein Herr und König, In allen Deinen Werken, wie gerecht, Dein Knecht gehorcht und betet für Dein Heil! {Er geht ab.) 4. Szene. David (allein): E;s frisst, ein unersättlich Ungeheuer, Mir dieser Tag mit jeder seiner Stunden Ein andres Stück gesunden Lebens weg! Und wie er steigt und wächst, so schwinde ich, Und werde immer kleiner immer ärmer, Von einer Riesenfaust zerpresst in nichts! Wie Brunnen bricht es auf aus meinen Tiefen, Und rauscht und schwillt herauf verzweiflungsschwer, In meinen Augen brennt ein Weltenmeer Von Tränen, die, nie ausgeweint, da schliefen, Es dröhnt, als ob mich Donnerstimmen riefen, Und einen Toten weckten ... Er ist's, Er! (Iir blickt gen Himmel auf, ab) 5. Szene. (Vor den Toren immer noch dumpfes Getümmel. Michal. Der Prophet Nathan.) Nathan (zu Michal): Wo ist der König? Hörst Du auf den Stufen Wie Sturmgeheul das wütende Geschrei? Michal (verächtlich): Die Hunde sind's, die nach der Peitsche rufen, Es fühlt in Ketten nur sich Knechtschaft frei! Wer, Priester, rief als Schergen Dich herbei! Nathan: Du solltest, Tochter Sauls, den Uebermut, Den Gotteshass, das Unheil Deines Hauses, Nicht wie ein prunkendes Geschmeide zeigen! Michal: Es misst der Herrscher sich nach seinen Dienern, Gott nach den Priestern, die sein Werkzeug sind! Er salbte Saul durch Samuel, den Priester, Hob ihn nach Willkür und verstiess ihn so! Soll ich verehren, was ich tief verachte? Ihr lehrt, dass Gott den Menschen sich erschuf, Zu läutern ihn, zu prüfen und zu richten, Wenn Gott in uns, warum denn straucheln wir, Wenn Gott vollkommen, warum unvollkommen, Sein Meisterwerk, der Mensch? Wen er versucht, Wie er's an David tat, durch Bathseba, Wie kann er ihn verdammen? Wozu dient Zu schaffen, was verurteilt zur Zerstörung? Priester, kannst Du mir darauf Antwort geben? Der Mensch, so denke ich, schuf erst den Gott,

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