Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1906)
- Article
- David und Bathseba
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 617 - 618 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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- Joab 2× ep/1005321
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617 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 618 4. AKT. 1. Szene. (Nach Davids Rückkehr von der Flucht. Davids Gemach. Bathseba über das Lager eines kleinen Kindes gebengt. Sie ist mit königlicher Pracht gekleidet.) David (dessen Züge von schweren Seelenkämpfen verwandelt sind): Atmet er leiser, unser süsser Knabe, Schwand seine Fieberglut in sanften Schlaf? Bathseba: Mein Herr und König, welche grause Angst Umschnürt mein Herz, woher die dunkle Stimme, Die Tag und Nacht mir droht, dass er verloren? Sein Antlitz ist wie matter Perlenglanz, "Wie Mondesblick, es ist dem Deinen, David, Treu nachgeschaffen, wie der Stern dem Stern! David: Bathseba! Du mein Weib, er darf nicht sterben, Der Lichtspross unsrer hochzeitlichen Nacht! Hättst Du die eine Nacht nur, Einzige, Geschenkt mir, neidet' ich dem Himmel keine Der Seligkeiten, die er uns verheisst. Und jeder Preis der Erde wäre mein! Doch gabst Du so verschwenderisch, Geliebte, Wie oft Du mich begnadet, sorglos schenkend, Dein Ueberfluss wuchs königlicher stets Und meiner Liebe Grenzen find ich nie! Bathseba: An bittren Tränen nur, um mich vergossen An Schmerzen nur hab ich Dich reich gemacht! David: Ich leide, weil ich liebe, Bathseba, Und darum liebe ich zu leiden auch! Bathseba: Ward Dir von Deinem Sohne Absalom, Von Ahitophel, der uns tödlich hasst, Gewisse Kunde? David: Nein, ich harrre stündlich, Dass Joab wiederkehrt, den ich gesendet, Und dem ich anbefahl, mit mildem Wort Den Sohn ins Vaterhaus zurückzuführen! So schwer er mich gekränkt, er ist mir immer Noch teuer, immer noch steht er vor mir, Der Jüngling mit des Löwen lock'ger Mähne, So schön, so kühn, — doch sein Gemüt ist wund, Von ungestilltem Tatenfeuer krank! Bathseba: Durch Ahitophels Rat ist er verlockt, Der kalt und liebeleer ist, seine Lust An Ränken nur und schlimmer Zwietracht hat! Er ist ein finstrer Geist, — in jener Nacht, Da ich Urias Tod und Deine Flucht Zugleich vernahm durch Basmath, schleppte sie Sich sterbend in mein Haus, ihr letzter Laut, In Flüchen ausgehaucht, war Ahitophel! Ein Diener (tritt ein, zu David): Joab begehrt, Dein Angesicht zu sehn! David: Er komme denn! (Diener ab.) Bathseba: Ich lasse Dich allein! David: Kehr bald zurück! Bathseba: Wenn Joab von Dir ging! (sie schlägt an ein Metallbecken, eine Dienerin tritt herein und trägt das Lager mit dem Kinde hinaus, Bathseba folgt ihr.) 2. Szene. David. Joab. (Allmählich anwachsender Lärm und wildes Getümmel des Volkes vor dem Palast, durch diese und die folgende Szene.) David: Joab, mit Zittern wart' ich, bringst Du Frieden? Mein Sinn ist satt der Wunden, und des Bluts! Was ist auf Deinen Lippen, Segen? Heil? Joab: König, ich bin des Todes Meister nicht, Einmal gehorcht' er dem geheimen Willen, Doch heute wolltest Du, dass er am Opfer Vorüberginge und es streifte nur! Er aber packte es mit scharfen Krallen! Vernimm es denn . . . Absalom ist nicht mehr! David (bricht in Tränen aus): Mein Sohn! Mein Absalom, auch Du verloren, Mein heissgeliebter und verirrter Sohn! O wollte Gott, dass ich an Deiner Statt Vergeh'n und sterben müsste, Absalom! Joab (hart und streng): Was klagst Du tränenreich um den Verräter, Da tausend bessre Männer frass das Schwert Für ein verruchtes Leben? Heute merk' ich, Wir alle, die wir unser Blut verspritzt, Zu retten vor dem Buben Deine Freiheit, Wir alle könnten hin sein, wenn nur Er, Dein Absalom Dir bliebe: die Dich hassen, Die liebst Du, König, die Dich lieben, freudig Für Dich dahingegangen, die verwirfst Du, Heut hast Du schamrot Deine Treu'n gemacht! David (tief verwundet): Wie redest Du mit Deinem Herrn und König? Missgönnst Du mir die Tränen um mein Kind? Willst Du mich schelten, weil ich menschlich fühle? Joab (höhnisch): Nicht immer warst Du so bedenklich, König, Soll ich Dich mahnen an Urias Mord, Der Deines Weibes erster Gatte war! Wer so den Feind erbarmungslos vernichtet, Auch wenn er die Gerechtigkeit verhöhnte, Und des Erschlagnen Witwe heimgeführt hat, Soll der nicht dankbar sein und goldnen Lohn Auf seine Freunde schütten, die ihm halfen, Und ein Geheimnis zu bewahren wissen? Ich schwöre Dir, wenn Du nicht heute noch Hinaus zu Deinen Kriegern gehst und sie Mit Worten ehrst und reichen Ruhmesspenden, — So wird kein Mann Dir bleiben, alles schwankt Bewegt von Deines Sohnes Unnatur, Der gegen seinen Vater wütete, Wann war das je in Israel erhört? Wie böses Fieber steckt's die Geister an! In allen seinen Fugen kracht Dein Reich! Schon oftmals hast Du Elend der Verbannung, Der Flucht gekostet, doch, was Du auch littest, Seit Deiner Jugend, — niemals noch so Arges Erfuhrst Du, als Du jetzt ertragen wirst! Nun wähle! Tritt hinaus, es droht die Menge, Weil Du nicht kommst, zu segnen und zu schenken, Den Grimm schürt Ahitophels Natternzunge, Er kam zurück, seit Absalom gefallen. Ich sah ihn, wie er Dir das Volk verhetzt, — Im dichtesten Gewühl! Komm mit hinaus, Zeig Dich dem Volk, tränk' es mit goldnem Regen! Wähnst Du, dass unsre Langmut ewig währt? David (in wildem Zorn auffahrend): Joab, die Stunde, da Dein starrer Trotz Mich werfen will unter begangne Sünden, Zermalmend mein Gebein, wie unter Rädern, Die Stunde der Gewalt vergess ich nie!