Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1906)
- Article
- David und Bathseba
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 615 - 616 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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- Joab 4× ep/1005321
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615 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 616 16. Szene. (Davids Palast. Nacht. Vorsaal von Davids Gemach. Angezündete Leuchten brennen. David, völlig angekleidet, geht ruhelos auf und ab. Miclial tritt hastig ein.) David: Michal? In tiefer Nacht? Flieht Dich der Schlaf, Wie Deinen Bruder David, dem das Dunkel Gespenster birgt und wirren Fieberwahn, Bilder, den Grüften meiner Brust entstiegen. Graue Geburten der Gewissensangst? — Michal: Treibt es, mein Bruder, Dich wie Saul vom Lager, Spürst Du den Mordspeer schon im irren Hirn? Der Kön'ge Krankheit hat Dich überfallen, Doch suche nicht Genesung im Gebet! Fleh nicht auf Knien den Himmelskönig an, Sei einsam, David, sei Dir selber Gott! Hör' mich, die Stunde drängt, Maacha's Zorn Verriet es mir, dass Absalom, Dein Sohn, Heranzieht, Dich zu fangen! Warum sind Entfernt die Wachen, warum stehn die Tore Geöffnet Deiner Burg? David (leise für sich): Für Joab's Boten! (laut) Micha!. Du kamst zu Deines Bruders Ende, Kann ich den eignen Sohn im Kampf erschlagen? Soll er den Vater morden? Ueber mir Bricht's ein wie Sündflut, schwarz und unermesslicli, Wie Stimmen des Abgrunds heult es um mich her, Ein ungeheurer Schmerz steht auf in mir! Michal: Schon einmal wies ich Dir den Weg der Rettung, In unsrer Liebe ferner Morgenzeit, David, mein Jugendglück Du. folge mir! Du kehrst zurück, vereint mit Deinem Heer, Und bändigst die Empörung — Ein Diener (tritt ein): Joab's Bote! Ein zweiter Diener: Es stürmt ein Kriegerhaufe durch die Tore! (Der Bote Joab's kniet nieder.) Bote Joab's: Erhab'ner Herr, von Joab komm ich her.. Rabba ist unser, Sieger sind die Deinen, Gewonnen ist die Schlacht nach schweren Müh'n Und auch Uria, der Hethiter, fiel! Michal (für sich schaudernd): Uria tot! Bathseba's Eh'gemahl? War das die Botschaft, der zu Nacht das Tor Geöffnet blieb, die Dich vom Lager riss, David — Dein Kuss ist Tod — David: Urias Schatten Ist über dieser Stunde tiefem Grau'n! Absalom: (mit einer Schar bewaffneter, verwegener Gestalten, Ahitophcl darunter, stürzen herein.) Den König nehmt gefangen! Ich. sein Sohn, Der Erbe seiner Macht, befehl' es Euch! David (zieht sein Schwert): Wer von Euch wagt es, das gesalbte Haupt Des Königs anzutasten? Kommt heran! Ahitophel (tritt vor): Ich frage, König David, welche Botschaft Hat Joab Dir gesandt? Absalom (zu den Boten Joabs): Verkünde sie! Auf samtnen Tatzen schleiche nicht im Finstern Teuflische Tat, es dröhn' ihr Mordgebrüll Weithin und warne vor dem wilden Tier, Das sich verbirgt im bunten Schmuck des Heuchlers! Bote Joabs: Dem Kön'ge nur, so war des Feldherrn Wort, Sollt' ich verkünden, was geschah, sonst Keinem! Ahitophel: Wir wissen's ohne Dich, Uria fiel! Und König David ist ein Meuchelmörder! (Wildes Geheul der Knechte Absalonis.) Knechte Absaloms: Hinweg mit David, Absalom sei König! Absalom: Ergreift ihn! Michal (wirft sich vor David): Erst müsst Ihr mein Herz durchbohren, Eh' eine Hand ihn zu berühren wagt! Knechte Absaloms (durcheinander): Die Tochter König Sauls verteidigt ihn! (sie weichen ehrerbietig zurück.) Ahitophel: Michal, Du weisst, was er getan und liebst ihn? Bote Joab's zu David: Soll ich die Schurken tot zu Boden strecken? Und den Verfluchten, der sich Deinen Sohn Zu nennen wagt, als ersten? David (mit versagender Stimme): Absalom! Du hast mir in der Faust das Schwert zerbrochen, Dein Abfall hat gebrochen mir das Herz! Ich will der Richter meines Kindes nicht, Nicht dessen Mörder sein, den ich gezeugt, Ich gehe, ein Verbannter, in die Oede, Die meine Zuflucht war, wie oft, wie oft Seit meinen Knabenstunden; einst vor Saul Vergrub ich mich in Höhlen und in Bergen! Will ich mein Schwert in Kindesblut nicht tauchen, Muss heut ich fliehen vor dem eignen Sohn! Geh, Michal, Tochter meines Herrn, voran! Michal und David (schreiten, Hand in Hand, durch die Schar der Aufruhrer, die scheu ihre Waffen vor ihnen senken. Beide ab). Der Bote Joab's: Joab ist hier mit seinem ganzen Kriegsheer In wen'gen Tagen, dann, weh über Euch! (Folgt David.) Ahitophel (grimmig zu Absalom): So ist er doch entkommen! Armer Schwächling! Gebieter bleibt er noch im Untergang! Absalom: Zum Kampfe fordr' ich ihn im offnen Felde, Wo Tapferkeit entscheidet, wo ich mir Ein Königslos erringe oder falle! Mein Name bleibt, denn unvergänglich Eins, Wie Licht und Finsternis untrennbar immer, Sind Davids Glück und Absaloms Verhängnis, (zu den Knechten) Folgt mir, wir jagen ihn, uns jagt der Tod! (Alle ab.) — Ende des dritten Aktes. -