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Ost und West · 1906-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1906) · p. Seite 613 - 614

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1906)
Article
David und Bathseba
Date
1906-08-01
Page
Seite 613 - 614 (sequence 16)
Language
German
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613 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 614 Die Kön'ge lernen schnell, Schweigsamer Du, Der irgendwo Du bist, — Dein Schüler wächst Zu Dir empor, es stürmen seine Taten Den Himmel; — Ehebrecher, Mörder ward ich, Das Schaudern vor mir selbst muss ich verlernen! Noch immer fühle ich den Gott in mir, Wie mein lebend'ges Herz, er zuckt--er leidet-- Unsterblich ist er in dem Sterblichen---- O könnt' ich in Uria ihn erschlagen! (er schlägt an ein Metallbccken, Uria erscheint wieder.) 12. Szene. David. Uria. David: Hier ist der Brief, mein mutiger Uria, Er leitet Dich zu einem sichren Ziele, Dem besten, höchsten aller Erdensöhne! Uria: Hab' Dank, mein königlicher Herr! David (sieht ihn seltsam lächelnd an): Leb wohl! — Zwischenvorhang. — VERWANDLUNG. 13. Szene. (Das Lager vor den Toren von Rabba. Joab, ein markiger Krieger, mit hartem gransamen Oesichtsatisdruck, tritt, einen Brief lesend, aus seinem Zelte. Fernes Schlachtgetümmel.) Joab: Mit diesem Brief, den Deine Hand mir schrieb, Fingst Du Dich, Weiberdieb, Totschläger, selbst! Wie übereilt, wie unvorsichtig, David! Bald werde ich heimzahlen seinen Hochmut Dem König, ist er doch von meinem Blut, Warum ist er der Herrscher, ich sein Diener? Was ist er mehr als ich? In Bethlehem War er nur meines Gleichen; meine Mutter Und Isai, der Davids Vater war, Sind sie Geschwister nicht, aus einem Hause? Ich soll mich beugen einem meines Volkes, Den ich gekannt, als er noch Knabe war, Ein armer Hirt bei seines Vaters Herden, Der Erste nun und unser Aller König? Warum? Wieso? Ist er nicht Juda's Kind Wie ich? War' er noch eines fremden Glaubens Und betete und spräch' er nicht wie wir, Hielt' ich noch mehr davon; das Unbekannte Flösst immer Achtung ein, es kann doch etwas Dahinter sein, das unbegreiflich ist! Doch David? Er, so nahe mir verwandt, Den ich durchschaue, wie ich mich durchschaue, Dem ich so wenig traue, wie mir selbst, Wie recht ich habe, zeigt mir dieser Brief, Wie kann ich Ehrfurcht vor ihm haben, Ehrfurcht? Seit wann hat Einer denn in Israel, Es sei vor seinen Eltern,---Ehrfurcht schon Gehabt vor etwas, was er hört und sieht? Denn unsern Gott hat Keiner noch gesehen, Nur Mose, heisst es, sah im Feuer ihn! Wird Absalom sich gegen seinen Vater Empören nicht, wühlt er mit Ahitophel Nicht gegen ihn und weiss ich etwa nicht, Warum's geschieht? Weil David abgefallen Von Gott ist, wie ein undankbarer Sohn! Von Gott, der ihn hat gross gemacht, er kann ihn Verderben auch, auf immer ihn verlassen! 14. Szene. Joab. Ein Krieger stürzt herbei. Der Krieger: Sieg, Feldherr, Sieg! Die Ammoniter flieh n, Die Stadt ist unser, hör' das Jubelschrei'n! Joab: Und lebt Uria, der Hethiter, noch? Der Krieger: Viel edle tapfre Männer sind gefallen Und weinen werden Kinder, Mütter, Frau'n, Wenn wir heimkehren nach Jerusalem! Joab (starr): Sag mir das Eine, alle mögen leben, Nur Einer darf nicht wiederkehren, nie! Uria, der Hethiter, sage mir, Ist er gefallen, einen Botenlohn Verheiss ich Dir, der Dich von allen Sorgen Befreit auf Lebenszeit, forsche genau . . . Uria, der Hethiter, ist er hin? Ein anderer Krieger (stürzt herbei): Uria, der Hethiter, ist gefallen! Joab, Du weisst, was Du versprochen hast Dem, der Gewissheit bringt — Joab (wirft ihm einen Beutel mit Gold zu): Da hast Du Gold! Trink auf des Königs Glück und Seligkeit, Er überhäuft mit Kostbarkeiten uns! Denn Rabba ist, die Stadt der Feinde, unser, Und, was ins Ohr ihm wird wie Zimbeln schallen . . . Uria, der Hethiter, ist gefallen! Wer will's dem König melden von Euch Allen? Der erste Krieger: Mich sende, Joab, jagen will ich, fliegen, Dass ich vor Tagesanbruch noch bei ihm, Wie soll ich reden, wenn der König fragt? Joab (mit furchtbarem Lächeln): Sag ihm, es sei ein blut'ger Tag gewesen, Verzweiflung hätt' der Feinde Arm gestählt, Nach hartem Streit nur wären sie erlegen, Das Mark der Unsern läge hingemäht! Denn nahe wagten wir uns an die Stadt, Weil ich, voll Eifer, David zu gehorchen, Hervorgelockt der Ammoniter Heer! Doch, wenn er zürnt und finster blickt, der König, So sprich . . . erobert ist die Stadt, das Ziel Erreicht, Uria, der Hethiter, fiel! Der erste Krieger: Feldhauptmann, also will ich es verkünden! Joab: Und reich belohnen wird der König Dich! Per erste Krieger: Weil Rabba fiel? Joab (rauh lachend): Nein, weil Uria fiel! Was kümmern Dich die Sorgen Deines Königs? Du hast zu kämpfen nur und zu gehorchen! Fort, zaudre nicht, der König zählt die Stunden Und heilt mit rotem Gold die roten Wunden! (Die Krieger ab.) 15. Szene. Joab (allein, zieht wieder den Brief hervor, drohend): Er ist in meiner Macht, was er auch tut, Den Brief bewahr' ich als mein höchstes Gut . . . An seinen Händen klebt Urias Blut! VERWANDLUNG.

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