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Ost und West · 1906-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1906) · p. Seite 611 - 612

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1906)
Article
David und Bathseba
Date
1906-08-01
Page
Seite 611 - 612 (sequence 15)
Language
German
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611 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 612 8. Szene. Vorige. (Von den Dienern des Königs wird,ein prachtvolles, gold- und edelsteinfunkelndes Trinkgefäss vorbeigetragen.) Ahitophel: Nun, wohin bringt Ihr das? Ein Diener: Der Herr gebot, Es in das Haus Urias, des Hethiters, Zu tragen, als Geschenk, das er ihm sendet! (sie gehen weiter.) Ahitophel (lächelt boshaft): Wie scheint Dir das, begreifst Du wohl, Uria, Wie hoch der König Deine Dienste ehrt? Uria: Zu viel der Huld für einen schlichten Mann! Ahitophel (höhnisch): Wenn Ihr die Krone ihm der Ammoniter Erobert, wird die Gabe tausendfach Ihm bald ersetzt, die Krone birgt an Gold, An Edelsteinen unermess'nen Reichtum! Wann gab auch David je, was ihm zurück nicht Unendlich grösser, schöner ward gegeben? Er wusste stets, warum er etwas schenkte, Mit Worten, die betören und mit Schätzen, Nie hat er etwas noch umsonst getan! Auch diesmal weiss er wohl, was er belohnt! Wenn Du mich nicht erbittert und gereizt Durch ungerechten Tadel, hätt' ich Dir Der Gabe wahren Wert und Sinn gedeutet Und Dich belehrt, wie Du ihm danken sollst! Uria (der aufmerksam zugehört hat, reicht ihm die Hand): Schlaf übermannt mich; zürne nicht, mein Lager Im Hof erwartet mich, des Königs Wein Betäubt und kurz wird meine Ruhe sein! (er geht ab.) 9. Szene. Ahitophel (allein): Ist er gewarnt, gab's ihm das Schicksal ein, Das Bathseba und David vorwärts hetzt Ins Garn, das unentrinnbar sie verstrickt? Schmeckst Du den Kelch der Bitterkeiten jetzt, Den Saul getrunken, David, schmeckst Du ihn? (mit furchtbarem Spott) Würz' Dir den Becher doch mit süssen Tönen Und wandle Deine Schmerzen in Gesang! (er geht ab.) 10. Szene. (Früher Morgen, dasselbe Gemach.) (David kommt blass und wankend, wie nach schlafloser Nacht. Uria von aussen.) David: Du kommst so früh, mein wackerer Uria, Kaum Morgen, warum bliebst Du länger nicht In Deinem Hause? Uria: Ich betrat es nicht Und will's auch nicht betreten, denn mein Sinn Steht nicht auf Liebeständeln, von der Stirn Muss dumpfen Druck ich schütteln Deines Trunkes! Es Schwalten wüste Träume mir im Hirn, Auf meiner Brust lag würgend schwere Last, Mir war, als wälzte sich ein Ungeheuer, Unfassbar, unentrinnbar über mich! (er blickt David forschend an) Mir träumte, Du, mein königlicher Herr, Legtest mir eine Schlinge um den Hals Und schleiftest mich in eine schwarze Grube, Ich stürzte tief und tiefer und am Rande Standst Du mit — — Bathseba und Eure Augen Bohrten mir Todespfeile in die Brust, Die nicht mehr atmen konnte vor Entsetzen. Und Deine Hand, mein königlicher Herr, Zog fest die Schlinge zu, bis ich erstickte! (David stiert ihn mit weit aufgerissenen Augen wortlos au) Was siehst Du mir so starr, so sonderbar Ins Angesicht, mein königlicher Herr? Zürnst Du Uria,- Deinem Knecht, was tat ich? So blicktest Du im Traum, dass mir das Blut Gerann in meinen Adern-- David (mit heiserer Stimme): Hör', Uria, Willst Du mir einen Brief an Joab wohl Bestellen als der Bote Deines Königs? Uria (erleichtert aufatmend): Ist's weiter nichts; gib mir sogleich den Brief, Wie meines Auges Stern bewahr' ich ihn Und leg' ihn nur in Joabs eigne Hand. David: Gedulde Dich nur kurze Zeit, Uria, So soll der Brief in Deinen Händen sein. Uria: Ruf mich alsdann, mein königlicher Herr! (er geht ab.) 11. Szene. David allein. David: Darum riss ich mit meinen Nägeln mir Die Brust in Fetzen, er war nicht bei ihr! Doch weiter, weiter muss ich auf dem Wege Hinab, hinab, ins Reich der Unterwelt! Ich hör' in meiner Brust ein Teufelslachen Und kalter Mörderstolz schiesst hoch in mir, Wie gift'ge Stauden aus der Hölle Wurzeln! So lacht' es wohl in Dir, Du Unbegriffner, Als Du zum Dach hinlenktest meinen Schritt An jenem Abend---, als aus klarer Welle Das nackte Weib sich hob; vor meinen Sinnen Verwirrte sich die Welt, das Leben schwand In ihres Leibes schlanke Schönheitsgrenzen, In schwarze Locken, weisse Brüste hin! Ich will sie haben, sie und meinen Sohn, Gezeugt aus Finsternis und Himmelsglut, Aus unsrem wilden, lustempörten Blut Entsteigt er, königliche Adlerbrut, In ihrem Schoss ein Weltbesieger schon! Er drängt den Andern weg . . . der darf nicht atmen, Der sie erkannt vor mir, ihr Mann, Uria, . . . Ihr Mann bin ich, der Vater ihres Sohns! (er schreibt und spricht dazu die Worte:) „Uria, den Hethiter, stelle, Joab, Dorthin mir an den Streit, wo er am härtsten, Wendet euch ab dann hinter ihm, ich will's, Dass er erschlagen werde, dass er sterbe!" So schlägt ein Gott! Ich bin der Gott der Erde, Lass sehen Du dort oben, wer der Meister, Du kannst nicht sichrer treffen Dein Geschöpf, Als ich mit diesem Briefe ihn erlege! Wie fein, wie leicht; so lautlos zielt das Schicksal, Der Pfeil schnellt ab, das Opfer liegt im Blut!

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