Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1906)
- Article
- David und Bathseba
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 609 - 610 (sequence 14)
- Language
- German
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609 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 610 Ich glaube, Deine Augen waren heller, Als heut, Dein Blick warf, Deinem Speer voran, Wunden in's Feindesherz und strahlte Glück Den Deinen, als Du damals bei uns warst! Komm mit mir in die Männerschlacht hinaus Und jeden Tag des Lebens lebst Du wieder, Sorglos und frei wie wir, den Tod im Nacken, Und Rnhm und Ehre vor uns tausendfach, Aus jedem Feindeshaupt auf's Neue wachsend, Wie goldne Ernte, die der Schnitter schlägt! (er trinkt wieder) Zieh mit hinaus, mein königlicher Herr! David (bleicher werdend, giesst ihm ein): Auch hier bedarf man mein! Glaub' mir, Uria, Ein König auch ist Sklave nur der Zeit! Ahitophel (mit tiefem Hohn): Der König war nicht müssig hier, Uria, Auch er hat grosse Siege sich erfochten Und überwunden, was ihm widerstand! Und hat sein Reich gemehrt — — — In seinem Blick Flammt nicht und lodert dunkles Glutgeschick? Uria (sieht David an): Du bist so bleich, mein königlicher Herr, Traf Dich Verlust? Ahitophel (spöttisch, während David Uria's Blicken ausweicht): Der König büsste ein Und fand zugleich und in derselben Nacht — — — (Plötzlich und sonderbar abbrechend) Sahst Du Dein Weib, Uria, schon, seit Du zurückgekehrt? Uria (verwundert Beide anblickend): Bist Du von Sinnen, Ahitophel, sag'? Wie darfst Du's wagen, eher als der König Zu sprechen, wenn an ihm das Reden ist? David (beschwichtigend): Lass ihn, Uria, denn sein weises Alter Und meine Gnade geben ihm das Recht, Das Wort mir von den Lippen abzulesen! Uria (lärmend): Wär' ich wie Du, mein königlicher Herr So milde wär' ich nicht, ich lehrte ihn Gehorchen, wie es Deinem Knecht geziemt! Ahitophel (doppelsinnig): Uria, wenn Du wüsstest, was ich meine, Und was dem König nur und mir bekannt--— Uria (fällt ihm polternd ins Wort): Was willst Du mit den krummen, klugen Winken, Kriech' nicht und schleiche leis an mich heran Wie eine Natter, die nicht Füsse hat! Ich hasse Winkelzüge, Fallenstellen Und Hinterhalt, Pfeile aus dem Versteck! So warst du stets, ein Laurer, Ahitophel, Ich kenn' Dich, Alter, wohl und Deine Art! Ahitophel (tückisch): Uria, trink' nicht weiter! Wie Du stammelst, In Deinem Becher schäumt ein trüber Trank, Der Dir die Zunge lähmt und Deinen Sinn Umnebelt, dass Du Wahrheit nicht von Lüge Und nicht den Feind mehr scheiden kannst vom Freund! David (immer bleicher und düsterer werdend): Wenn Du ermattet bist, Uria, wenn Du Nach Schlaf begehrst, so geb' ich Urlaub Dir. Du magst (er würgt die Worte mühsam hervor) in Deinem Haus zur Ruh Dich legen, Doch morgen, eh zum Heer Du wiederkehrst, Sei noch mein Gast! Uria, meine Diener, Sie werden Dich geleiten und — (er stockt wieder) es Dein Weib Dich grüssen an des Hauses Schwelle, [soll Leb wohl, Uria! Gute Nacht Euch Beiden! (er geht schnell ab.) 7. Szene. (Uria setxt sich nochmals beim Becher nieder, im Hintergrund. Ahitophel leise für sich im Vordergrund.) Ahitophel: Ob wohl der Tölpel in die Falle geht? Geschieht's, dann mag er zum Gelächter werden, Wenn David's Dirne in ihr Netz ihn zieht! Ich muss doch seh'n, wie gross die Dummheit ist Von einem Eh'mann, der betrogen wird! David erzitterte, als er ihn geh'n hiess, Mit Wucherzins zahlt er die Liebesnächte, In Todesqual sich windend, bis es tagt, Wenn er sich malt in eifersücht'ger Ohnmacht Bathseba, in Uria's Armen liegend, Ihm preisgegeben, Liebeswonnen heuchelnd, — — — Er büsst! Er büsst! Gerecht ist unser Gott! (Uria erhebt sich.) Ahitophel; Uria, wohin gehst Du? Uria: Bis zur Schwelle Des königlichen Hauses, in den Vorhof, Wo meine Krieger schlafen sich gelegt, Auf kühlem Stein — das allerbeste Bett! Ahitophel (sieht ihn scharf an): Und Bathseba? Willst Du Dein Weib nicht sehn? Uria: Nein, diese Nacht nicht, sie ist schön und jung, Sie macht den Abschied mir zu schwer und morgen Muss ich zurück ins Feld, so will's der König! Sie weiss nur, dass ich fern und muss es tragen, Als eines Kriegers Weib, doch küsst' ich sie Und hielt' in Armen ihre schönen Glieder, Und hörte ihre sanften Weibesworte, So könnt' ich leichten Herzens nicht mehr scheiden Und sie verlassen! Bin ich erst daheim, So darf mein Weib mir wieder angehören Und ich in Liebe ihr! Doch heute nicht! Ahitophel (warnend): Gefährlich ist's ein schönes Weib zu haben Und solchen Schatz nicht hüten, denn es lockt, Wie Frucht am Wege, Diebesblicke an, Und Weibesschönheit will nicht ungenossen, Nicht unbegehrt sein, - fühlst Du die Gefahr? Uria: Ein Weichling mag so viel der Weiber denken, Sich selbst verliert, wer sie zu hoch erhebt, Mir gilt das Weib nicht, was mein gutes Schwert, Siegreiche Schlachten sind mir statt der Söhne, Fortlebt in ihnen Nachruhm mir und Name! Und so bring' Bathseba Uria's Gruss! 4*