Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1906)
- Article
- David und Bathseba
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 607 - 608 (sequence 13)
- Language
- German
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607 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 608 Dank für Deinen klugen Rat. Was Du mir sagtest, soll geschehen! Trage zu ihr die Worte meiner Liebe! Sag ihr, dass ich ihre holdseligen Lippen segne und mein Herz widerstrahlt vom Lichte ihrer schwarzen Augen! Gesegnet sei die Frucht ihres Schosses! Er wird mir sein für Amnon, meinen Verlornen, und doch mehr, als je mir ein Kind war, denn Bathseba ist seine Mutter, die ich liebe, wie ich noch nie ein Weib geliebt habe! Ihr Knabe soll eingehen in seines Vaters Königspalast! Ich will ihn kleiden in eitel köstliches Qold! Dürft' ich sie erst wiedersehen, meine bräulliche Fürstin! (Er geht schnell ab.) 4. Szene. Basmalh allein. Basmath: Das Mal hat er mir dreifach so viel gegeben als vorher. Nu, es wird noch regnen Qold, es fängt doch erst an! Basmath wird noch werden auf ihre alten Tage reich und geehrt, dass sich werden bücken vor ihr die spöttischen Leute! Gottlob, dass sind vorbei die mageren Zeiten von Uria und erst von Ahitophel - verschwarzt soll er liegen mit seinem Geiz! Bei David ist fette Weide und gutes Gewächs! Ein Vergnügen, zu sehen, wie ihn gesegnet hat der Gott unserer Väter! Ein Körnchen Glück ist mehr wie ein Scheffel Verstand und wenn man weiss, wo er ist gekommen her — von den Schafställen seines Vaters, kann man nur sagen: alle, die mir Gutes gönnen, sollen es erleben! Und Bathseba gehört jetzt auch dazu, sie und ihr Kind, und ich habe ihr dazu verholfen. (Sie sieht sich nach allen Seiten um.) Alle jüdischen Kinder sollen so wohnen! (Sie geht ab.) 5. Szene. (Ahitophel und David kommen von verschiedenen Seiten.) Ahitophel: Uria kommt, bald ist er hier und ich Bin, König David, Deiner Bitte folgsam Heut als Dein Gast erschienen — David (betrachtet ihn scharf): Sage mir, Wär's wahr, was das Gerücht mir zugetragen, Dass Absalom, den ich in Gesur wähnte, Beim Könige Thalmai, seinem Ahn, Den Frevel büssend dort des Brudermordes, Dass er sich in Jerusalem versteckt hält Und Ränke spinnt — mit Andern, die mir feind? Ahitophel (kalt): Warum die Frage mir? Wenn du misstraust, Weshalb beriefst Du mich? Drängt' ich mich je Mit meinen Diensten auf und warb um Gunst? David (weich): Und fühlst Du nicht, warum ich so Dich suche, Weil Dir der Zauberquell entsprungen ist, In den mein Herz beseligt, neugeboren Hinunter tauchte, weil aus Deinen Zügen Ein Antlitz grüsst, das schönste dieser Erde, Das Traumland meines Glückes, wo ich endlich Die ew'ge Herzensheimat wiederfand! Ahitophel (finster): Kennst Du die Mär von Dina, König David? David (betroffen): Von Dina, des Erzvaters Jakob Tochter? Ahitophel: Von ihr, die einem Königssohn gefiel, Der er ihr Weibesheiligtum geraubt! Es heisst, das er zur Kön'gin sie erheben Und also sühnen wollte seine Schuld, An ihr, die er wie eine Dirne nahm! Doch Dina's Brüder mordeten den Freier Und sein Geschlecht, den Thron verschmähten sie, Den ihrer Schwester Jungfrauschaft erkaufte! Im Purpur auch bleibt ein entehrtes Weib, Wozu sie ihr Verführer hat erniedrigt! Und ob sein Vater auf dem Königsthron: Ein Bastard immer bleibt der Dirnensohn! David (düster): Du also denkst wie Jakob's blut'ge Söhne? Ahitophel (versteckt): Wir lernten viel seit des Erzvater's Tagen, Wir lernten schweigen, dulden, ducken, lügen, Die wir nur Gottes Untertanen einst, — Wir unterwarfen uns, die Zahmgewordnen, Dem Kön'ge, der uns unverletzlich Vorbild, Der Reinste sein soll eines heil'gen Volks! Warum erbleichst Du plötzlich, König David? Hörst Du den Schritt Urias, ist's sein Nah'n, Das so Dich mit der Farbe des Entsetzens, Der leichenhaften, malt und das Geständnis Dir auf die Stirne schreibt! Sei, König, klug, Du hängst im Netz der Spinne, die Dir gierig Das Blut entsaugt, im unsichtbaren Kerker Bist Du gefangen und die grauen Fäden Schlingen sich fester und erdrosseln Dich! Ich, König David, weiss und horch' und lächle Bei jedem Wort der Lüge, und mein Groll Blinkt über Dir, dolchspitz, geheimnisvoll! 6. Szene. Vorige. Uria. (Uria, ein grosser starker Kriegsmann, mit festen, mutigen Zügen.) Uria (beugt sich tief vor David): Ehrfurcht vor Dir, mein königlicher Herr, Ich bringe gute Botschaft Dir von Joab, Rabba, die Stadt, die unsern Schaaren trotzte, Bald fällt sie immer neuem Anprall, liegt Bezwungen Dir zu Füssen — David (der bei Urias Anblick bleich geworden ist): Sei willkommen, Tapfrer Uria, setze Dich zu uns, Den Becher lass auf frohen Sieg uns leeren! Ahitophel (dem Uria die Hand geschüttelt hat): Auf deine Heimkehr lass uns trinken, (mit Betonung) fast Ein Jahr verging, seit fern -Du deinem Weibe! Uria (ergreift und leert den Becher): Ich trink' es Dir, mein königlicher Herr, Dein Reich soll wachsen, Deine Feinde zittern, Und Deinen Freunden soll es wohl ergeh'n! David (schenkt ihm den Becher wieder voll;: Den Becher bring' ich allen meinen Helden, Die so wie Du und Joab mir gesinnt! Uria (treuherzig, trinkt wieder): Wir alle sähen gern Dein Angesicht, Mein königlicher Herr, uns fehlt das Beste, Wenn Du uns fehlst, der uns den Kampf gelehrt!