Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1906)
- Article
- David und Bathseba
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 605 - 606 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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605 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 606 Ob's Weisheit sei, es ist in unsrem Fühlen Und auch in mir, so wie mein Hauch in mir! Melde dem König mich, doch nimmer wissen Will ich den Namen dessen, der ihn hasst! (Ahitcpliel ab.) 2. Szene. David. Mephiboseth. David (gütig): Was wolltest Du, mein Mephiboseth, mir Verkünden, dass Du, armer Knabe, Dich Herschlepptest weiten, steinig steilen Weg? Erst raste, Kind! (Er drückt ihn auf einen Sitz) Dein liebes Antlitz mahnt Mit rührend sanftein Reiz mich Jonathan's, Des Jugendfreundes, Deines holden Vaters, Und Michals, meines edlen Weibes, auch Du hast die gleichen, innig treuen Augen! Mephiboseth (hebt die gefalteten Hände): Wie sollt ich Dich nicht lieben, König David, Der dem Verlass'nen Schützer war und Retter, Der Kleidung, Nahrung mir und Obdach gab? David: Und Ziba, schafft er wacker, wie er soll? Bewacht er Deine Felder, Deine Herden? Sauls Erbteil sind Sie, Deines hohen Ahnen. Ich war nicht mehr als Du, da Saul mich liebte, Und was ich ward, was mein, ist sein Geschenk, So nimm es Du, Sohn meines Unvergessnen, Als Eigentum, das Dein durch die Geburt, Zurückerstattet nur, wie's Dir gebührt! Pflegt Ziba Deiner hilflos schwachen Kindheit? Mephiboseth: Mein edler König, wem Du gnädig bist, Der wächst wie Gold der Aehren, dem die Sonne Leuchtende Speise ist und das der Tau Des Himmels tränkt. Mein König, hör' mich an. Das Haus, das Deine Gnade mir geschenkt, Liegt vor dem Palmentor, dorthin entfloh Prinz Absalom, Dein Sohn, vor wenig Monden. Als ich gebückt im Schatten sass, vernahm ich, Wie er mit einem Andern sich beriet, Der Dein Ratgeber ist, ihr Anschlag war, Zu überfallen Dich mit ihren Knechten, Dich zu entthronen und wenn Du gestürzt — Prinz Absalom als Herrscher auszurufen! David (schmerzlich): Mein guter Knabe, Deine Treue schärft Den tiefen Schmerz um meinen eignen Sohn, Der wider seinen Vater herzlos streitet. Mein Heer ist treu, Absalom findet Keinen, Der zum Verräter wird an seinem Herrn! Dank Dir, Du echter Sprosse Jonathans, So schützte seine Liebe mich vor Feinden, So rang er König Saul mein Leben ab! Im Frieden meines Hauses bleibe noch. (Er küsst ihn) Wie kalt ist Deine Stirn! Ein duftig Bad Soll Dich erquicken und ein reiches Mahl! (Er steckt ihm einen prächtigen Ring an.) Nimm diesen Ring, als meiner Freundschaft Zeichen. (Er schlägt an ein Metallbecken. Diener treten ein.) Führt sorgsam fort den jungen Fürstensohn, Und dient ihm, wie mir selbst — wenn er befiehlt, Tragt ihn hinüber in das Frauenhaus, Zur Kön'gin Michal — Gott mit Dir, mein Prinz! Mephiboseth (kniet vor ihm nieder): Gedenke Deines Knechtes Warnung, hüte Vor ihm Dich, Herr, dem Du zumeist vertraust! (Die Diener führen ihn fort.) 3. Szene. David. Basmath. (Basmath tritt eilig ein.) David: Basmath, Du? So ängstlich und verstohlen? Warum soll ich Bathsebas Antlitz nicht sehen? Warum verschliesst sie mir ihre Tür? Die Sehnsucht foltert mich Tag und Nacht! Basmath: Mein gnädiger König, sie hat einen Sack um ihre Lenden gegüitet und schlägt ihre weisse Brust mit den Fäusten und ihr Weinen ist ihre Nahrung. Sie wird Mutter werden und wie soll sie bestehen vor ihrem Manne, wenn er wird heimkehren und findet sie, als eine Sünderin in seinem Hause? Denn wer soll ihm einreden, dass er der Vater ist ihres Kindes, da er fort ist viele Monate? Der König erquicke sie mit seiner Huld und schaffe ihr Recht mit seiner Gewalt! Denn ihre Feinde werden reden Arges über sie und werden sie treten unter ihre Füsse! So befahl mir Bathseba, es zu verkünden meinem Herrn, dem König! (Sie wischt sich heuchlerisch die Augen und blinzelt nach David.) David (bestürzt, fassungslos): Wie soll ich sie retten und mich? Wie sind wir Beide so plötzlich zu nichte geworden! Was soll ich tun, wenn Uria kommt? Basmath (schleicht sich zu ihm heran): Mein Herr, der König, darf Deine Magd wagen, Dir zu zeigen einen Weg? David: Sprich, Basmath! Basmath: Hat nicht Joab befohlen Deinem Knechte Uria, nach Hause zu kommen? Mein Herr, der König, soll wissen, wie es steht um sein Kriegsvolk, dass ausgeführt ist worden alles richtig, wie es mein Herr, der König, hat gewollt. Und wenn er da ist, Uria, wird ihm vorsetzen mein Herr, der König, einen guten, schweren Wein, dass er trinkt und ist freudig in seinem Herzen und wenn er ist stark und fröhlich und trunken gemacht, wird er haben Lust zu gehen zu seinem schönen Weibe, das er gesehen hat so lange nicht, und er wird kommen in sein Haus und ausruhen in seinem Bett und bei Bathseba, seinem Weibe und der Sohn, den sie wird gebären, wird sein Urias Sohn! David (starrt sie an): Weib! Ein Belialsrat! Ich selbst soll ihn zu meiner Heissgeliebten schicken und er soll sich berauschen an den Rosengärten ihres Leibes und schlummern im Lilienschatten ihrer Brüste? Er soll mein Weib besitzen? Basmath: Es braucht doch nur zu sein eine ganz kurze Nacht! Mein Herr, der König, kann ihn doch fortschicken am nächsten Tage schon .... (lauernd) Und sorgen, dass er nicht kommt zurück sobald..... (leise) oder gar nicht .... und der König David wird haben wieder allein seine Freude mit Bathseba, seinem Weibe und sich ergötzen mit ihr, denn sie wird schöner von Tag zu Tag und ist kein schöneres Weib zu finden in ganz Israel! David (qualvoll für sich): Ich fahre in die Hölle und in die Finsternis! (er reicht Basmath Gold) Hier ist mein 4