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Ost und West · 1906-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1906) · p. Seite 603 - 604

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1906)
Article
David und Bathseba
Date
1906-08-01
Page
Seite 603 - 604 (sequence 11)
Language
German
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603 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 604 Ahitophel: Wagst Du, die nur ein Weib, an Ihm zu deuteln, Der Israel wie seinen Erstgebor'nen Hervorzog aus der Schaar der Heidenvölker? Willst Du den Bund zerreissen, der ans Herz Des Ewigen uns schliesst mit tausend Ketten? Mit allen Tränen, die geweint die Väter, Mit allen Wundern, die er an uns tat? Knechte und Mägde unterm Joch Mizraim's, — Doch eins mit Ihm, ein strahlend Volk von Priestern, Von Kön'gen und Propheten, Herrn der Welt, Die dem Gehorsam er verheissen hat! Gehorsam dem Gesetz vom Sinai! Den Ehebrecher wird der Herr zerbrechen Und ist er König, um so tiefer nur Sein Sturz, so unauslöschlicher die Schmach! Ausstossen wird er Euch aus der Gemeinschaft Gerechter, mit dem Feuerschwert des Cherubs, Und wie der König Deinen Leib genossen Heimlich, in tiefer Nacht, wird Gott entehren Im Sonnenlicht, vor aller Menschen Blick, Ihm Weib und Kind und ihn ins Elend treiben! Ein König soll auf Erden glaubhaft machen, ]>ass Gott im Himmel ist, der Unsichtbare, Er hat entthront, verachtet unsern Gott, So wird ihn Gott verleugnen und vernichten! Bathseba (stürzt nieder): Halt ein, Du Unversöhnlicher, Du stehst Vor mir, wie König Davids böser Engol, Mir graut vor Dir und Deinem Rachegott! Ahitophel: Er hat ihn schon ins tiefste Herz getroffen, Tochter und Sohn, erschlagen liegen Beide Für die verbot'nen Freuden, Amiion, Thamar, Schmählich sind sie gestorben, David klagt Um seine Kinder und mit tausend Tränen Soll er aus seinem Blut den Brand noch waschen Von Deinen Küssen! Bathseba (verzweifelt): David, mein Geliebter! War' ich bei Dir! Ahitophel: Du, des Uria Weib, Fürchte den Tag, an dem er widerkehrt, Der Deinen Ehebruch ins Ohr ihm zischt! Beug' Dich vor Gott, demüt'ge Dich im Staub, Ring' Dir die Hände wund, dass er verzeiht, Sonst fällt Dein sünd'ger Leib dem Schwert zum Raub, Verdammt bist Du in alle Ewigkeit! (Bathsebabricht zusammen. Ahitophel bleibt hoch aufgerichtet vor ihr stehen.) — Ende des zweiten Aktes. — 3. AKT. 1. Szene. (Davids Palast. Hohes Gemach.) (Ahitophel. Mephiboseth, ein lahmer schöner Knabe von 17 Jahren.) Ahitophel: Den König suchst Du, Kind? An seiner Statt Siehst Du mich hier, der König flieht die Menschen Und Wen'ge schauen nur sein Angesicht! Mephiboseth (aufhorchend): Welch eine. Stimme! nicht zum ersten Male Vernehm ich sie — verfolgt mich überall Der Klang wie Schlangenzischen — —--- Ahitophel: Kennst Du mich? Mephiboseth: Dich nicht, doch Deine Stimme, Deine Stimme, Seit lange schon trag ich in meinem Ohr Den eisenharten Ton. Mein schweres Siechtum Hielt mich dem König fern bis heut und Keinem Wollt ich vertraun die Botschaft, als mir selbst! Ahitophel: Bist Du nicht Jonathans verkümmert Reis, Der Letzte aus dem stolzen Königshause Und kommst hierher zu ihm, der Euch umklammert Und Euch das Mark entsog mit gier'gem Mund, Bis ihr verdorrt und prangend reich er strotzt Von Eurem Blut und Saft, der schlaue Dieb? Mephiboseth: Du bist'?, Du bist's, an Deinem Vipernzüngeln Erkenn ich Dich, und blieb' er ungewarnt? Zur rechten Stunde kam ich — Ahitophel: Junger Tor, Von mir nicht lernte David den Verrat, Von mir nicht seidenweiche Worte spinnen Und würgen, wer ihm gläubig ging ins Netz! Ich kenne ihn seit seinen Jünglingstagen, Verwünscht die Stunde, da ihn Saul erblickt, Da fing sein Elend an und all der Deinen! Mephiboseth: Häü' ihn nicht Saul geliebt, wie ward er Michals Gemahl und meines Vaters Herzensfreund? Ahitophel: Wie es Dein Vater war, bist Du verblendet! Wardst Du nicht lahm an Gliedern, weil dereinst Die Wärterin Dich Hess zu Boden stürzen, Als von dem Tode Sauls und Jonathans Die jähe Kunde kam? Sie mussten sterben, Dass David lebe; auf den toten Leibern Stieg er, als seien's Stufen, auf zum Thron! Mephiboseth: Weiss König David, wem er sich vertraut, Spricht er mit Dir? Ahitophel: Mag er, ich fürcht' ihn nicht, Er aber mich — — — Du bist zu jung, mein Sohn, Dir seine neusten Taten zu entschleiern, Doch sind es würdige Geschwister nur Vergangner Greu'l, die er vergessen hat, Nur ich nicht: Abner's Tod, den Joab schlug. David betrauerte ihn vor dem Volk, Und fluchte Joab, aber heute noch Ist Joab ihm der nächste seiner Dieneiv Und kennt sein innerst Denken, wie kein Andrer! Hat David Dein Geschlecht nicht ausgerottet, Gab er die Söhne Sauls und seiner Tochter Merob dem Schwert der Gibeoniter nicht Und muss nicht Michal schweigend und entsagend Die Schaar der Weiber immer wachsen sehen, Die sie verdrängen, sie, sein echtes Weib? Mephiboseth: Und dennoch liebt sie ihn, zärtlich wie Nie gab er sich für rein und fehlerlos, [ich, Er ist ein Mensch, er schwankt, er irrt, er sündigt, Wechselnd wie Licht und Nacht in seiner Brust! Doch immer brennt er von so starken Flammen Des Lebens, achtlos, ob der rote Brand Ihn mit verschlingt, ob neues Werden weckt! Für ihn zu sterben, süsser unsrem Blut Ist's, als für andre leben — ob es Torheit,

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