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Ost und West · 1906-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1906) · p. Seite 601 - 602

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1906)
Article
David und Bathseba
Date
1906-08-01
Page
Seite 601 - 602 (sequence 10)
Language
German
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601 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 602 Basmath (trotzig): Sic schläft noch! Wunder! Müde genug wird sie sein! Ahitophel (wild und grimmig): Fort, Kupplerin! Tu, was Dir befohlen ist! Basmath (kriechend): Werd' ich sie wirklich rufen, wenn Ihr befehlt, gestrenger Herr, vor Euer Angesicht! Warum soll ich sie nicht rufen? Sogleich werd' ich sie rufen! Schon! (Ab.) 7. Szene. (Ahitophel. Absalom stürmt hastig vorbei, mit zornfiinkelnilnn Klicken.) Ahitophel: Warum so rasch, Prinz Absalom, wohin? Absalom: Du, Ahitophel? Grässliches geschah Und unheilvolle Werke birgt die Stunde, Erschlagen liegt von meiner Hand der Bruder Und meine Schwester gab sich selbst den Tod, Weil Amnon sie blutschänderisch besass. Bei ihren Leichen liess ich meinen Vater, Den grossen König, der durchschwelgt die Nacht Im Bett der Sünde, doch nichts mehr davon! Von mir sollst Du erfahren nicht, wie er Beleidigt Dich, - erhoben auch, wie man's Nun nehmen will - Ahitophel (kalt): Ich nehm's als tiefste Schande! Bathseba, sie, bis heut ein züchtig Weib, Ist Davids Buhlerin, entheiligt ist sie, Kein Eh'weib mehr, nur noch des Königs Kebse, Die er nach Lust gemessen darf und wegwirft, Wie ausgesog'ne Frucht, wenn er sie satt hat! Sie war der Schmuck, die Krone ihres Hauses, Rein wie der Morgenstau, schön wie das Licht! Und meint er, weil ihm jede Falschheit glückte, Und jede Tücke wohl geriet, die er An Saul verübt und seinem Heldenslamm, Er darf die frechen Hände straflos strecken Nach ihr, die wie des Tempels gold'ne Leuchte Ihr keusches Licht der Andacht nur ergoss? Absalom: So willst Du Helfer mir und Beis'and sein? Du kannst's, denn blindlings folgt er Deinem Rat, Doch, wenn Du mich verrietest, Ahitophel? Ahitophel (kalt lächelnd): Trau keinem, Königssohn, als nur Dir selbst, Du kannst zu früh der Kön'ge Weisheit nicht Erlernen, immer sei auf Deiner Hut, Vor Deinem Vater, Deiner Mutter Ehrgeiz, Vor mir auch, ich bin nur mein eigner Freund, Ich liebe keinen als mein Selbst allein, Denn das nur kenn' ich, seiner Kräfte Mass, Bau ich auf Andre, bin ich blind und taub. Wer kann der zweiten Seele Abgrund messen? Erkannt' ich Bathseba, die meines Blut's? Ins Wasser baut, wer sich auf Menschen stützt! Doch Beide schlagen wir denselben Gegner In David, - darum triff in wenig Stunden In meinem Haus mich vor dem Palmentor, Dort berg' ich Dich, bis unser Anhang stark Genug, dann rütteln wir am morschen Thron, Bis David stürzte, wie einst König Saul! Wer Recht gebeugt wie er und übertreten Das erste der Gebote, sei nicht länger In Juda König, dann an seiner Statt Gebiete Du! Absalom: Mein dankbar treues Herz Giebt Dir den ersten Platz an meiner Seite, Du sei mein Vater, meine Zukunft leite! (Ab). Ahitophel (spöttisch ihm nach): Narr, der da wähnt, ich trau dem Lügensohne, Der Vaterliebe zahlt mit Schlangenlohne, Du bist wie alle, die vom Staubgeschlecht, Des blinden Wollens zügelloser Knecht, Wer treulos jeder Pflicht, verdient kein Recht! 8. Szene. Ahitophel. Bathseba (tritt aus dem Maus, bleich und verändert). Bathseba: Du riefst mich, Herr, ich komme! Ahitophel: Bathseba! Was schlägt den Blick Dir scheu vor mir zu Boden, Da sonst Du freudig mir ins Auge sahst? Suchst Du, was ewig Dir verloren ist, Die Ehre, die Du, sinnlos fortgerissen Von eig'ner Glut und fremder, hast begraben? Sprich. Bathseba! Bathseba: Mein Name peinigt mich Von Deinen Lippen, peitscht mich wie mit Ruten, Von seinen war's ein Kosen blumenzart. Nie liebt' ich meinen Namen vor der Stunde, Da er mit ihm mich nannte — Ahitophel (rauh): Bathseba! Er soll der Ehebrecherin ins Ohr Wie Steinwurf dröhnen, wie die Strafgeschosse, Mit denen wir, die Söhne Deines Volkes, Die schwerste Sünde zücht'gcn unsrer Frau'n. Die Treue ist des Weibes höchste Ehre, Wie Einen Gott nur Israel bekennt, Soll lieben Einen nur das Weib durchs Leben, Der seinen Namen ihm hat anvertraut! Bathseba: Ihr habt mich nicht gefragt als nach dem Tode Der Eltern, meines sanften Vaters, ich Urias Weib ward, denn nicht eigne Wahl Bestimmt die Ehen unsres Volks, Verstand nur Prüft Sippen, Güter, Anseh'n auf die Gleichheit, Paart Glanz und Reichtum, nimmer Herz mit Herz! Die Jahre flössen hin wie kalte Wellen, Sich gleichend, leer, gestaltlos, unfruchtbar! Doch keine Seele wohnt im glatten Schein! Mein Herz war wach und suchte den Genossen Der Jugend, Widerhall dem raschen Schlag! Aus seiner Brust tönt mir die Antwort wieder, Wir schenkten nur, was wir vom Ueberreichtum Zurückempfingen, wer da gab, wer nahm, Wir wissen's nicht, in einem Glutenmeer Vermählten sich die Flammen, immer neue Erschaffend und versprühend, sonnengleich! Was ist der Menschen sterblich enge Satzung, Was eines unerreichbar unsichtbaren Gottes Gebot mir, die ich blüh' und brenne Vom Lebenswunder, das in mir geschah? Gott ist in mir, er stieg in mich herab, Des Weibes Liebe ist sein einz'ger Glaube!

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