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Ost und West · 1906-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1906) · p. Seite 599 - 600

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1906)
Article
David und Bathseba
Date
1906-08-01
Page
Seite 599 - 600 (sequence 9)
Language
German
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599 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 600 Und unsrc wilden Träume endlich krönte, Trug unserer Todesstunde Rätselzüge! Thamar, ich dürste noch, hassend vergeh' ich Nach Dir, wie Schlangen Deine bleichen Anne! Aus Flammen kommen wir, die unauslöschlich, Aus Davids Glut, wir armen Königskinder, Im Wolluststurm verweht aus ihm in uns! Absalom (stösst ihn nieder): Dein Blut verlöscht den Brand und stillt mein Herz! Amiioti stirbt.) David: Fort, Absalom! Auch meine Macht vermag Den Brudermörder nicht zu schützen, flieh! Ich höre Schritte! Eile! Absalom (drohend). König David! Ich kehre wieder, Rechenschaft zu fordern Für dieser Nacht verschleiertes Geheimnis! Was war es, dass bei Amnon's Buhlerworten Erglänzte mitleidsvoll in Deinem Blick, Als sähst Du schaudernd Dich zum andern Male, Als deckt er Deiner Seele Schwären auf. Schamlos enlblössend in sich selbst den Vater, Als bettelt' er um Gnade für euch Beide! Dauid (entsetzt zurückfahrend) Ruchloser, zähme den zuchtlosen Geist, Der Mutter Hochmut reckt aus Dir das Haupt! Lehr' mich bereuen nicht, dass Vaterliebe In mir zur Schwäche ward und mich verblendet! Dir fehlt ein harter Zaum, eisern Gebiss! Absalom: Ich komme wieder, König, sei gewiss! (ab.) VERWANDLUNG. 6. Szene. (Vor dem Hause des Uria, ßasmalh, Aliitophel, eilt hagerer hochgewachsener Greis von strengen Zügen, mit kühn gebogener Nase, tiefliegenden undurchdringlichen Augen. Reich und vornehm gekleidet.) Basmath (erblickt ihn): Der Gott Israels segne Euren Eingang in das Haus des Uria! Ahitophel: Du bist heut so feierlich, gute Basmath. Warum unsern Gott so viel im Munde führen, nütze Deine Frömmigkeit nicht unnötig ab, trage sie wie ein kostbares Gewand, nur bei festlichen Gelegenheiten, damit sie sauber bleibt. Basmath (lacht verlegen): Gutgesagt. So wahr soll ich leben und gesund sein, wie Ihr immer die feinsten Wörtchen habt! Darum hält auch unser König, bis hundert Jahr soll er regieren, so viel auf Euch. Nu — und jetzt erst! Ahitophel (spöttisch und verstohlen lächelnd): Jetzt erst? Was meinst Du damit? Basmath (verschmitzt): Nu, ich meine, jetzt, wo Ihr seid n Stück Familie mit ihm! Ahitophel: Solltest Du heut morgen nicht ganz nüchtern sein? Oder wie soll ich mir Dein Gerede sonst erklären? Basmath (mit unverschämter Vertraulichkeit): Nu, Ihr seid doch sonst so klug wie der Tag! Habt Ihr nichts bemerkt, so in der letzten Zeit, mein' ich! An unserem goldigen König David? Dass er ist, nu, was man sagt, besonders gnädig gegen Euch? Hat er nicht, was man nennt, so was Verwandtschaftliches gegen Euch bekommen? Ahitophel (sie mit innerem Hohn betrachtend): Da Du mir's so nahe legst, wahrhaftig, Du kannst recht haben! Er ist sehr gütig gegen mich, der König! Basmath (redselig, eifrig): Nu, wartet's nur ab, jetzt wird er Euch erst die Hände unter die Füsse legen! Spiegeln wird er sich in Euch! Jedes Wort aus Eurem Munde wird sein, als hätt' es, wie soll ich sagen, der hohe Priester gesprochen! Pures Gold! Wenn Ihr nur wollt, werdet Ihr regieren, und er wird tun, was Ihr wollt! Ich sage Euch, seit den Tagen, wo Jakob liebte unsere Elternmutter Rahel, ist so was von Liebe nicht dagewesen! Ahitophel (ironisch): Von welcher Liebe ist denn jetzt eigentlich die Rede? Basmath (triumphierend): Nu, von der grossen gewaltigen Liebe unseres Königs, Gott sei mit ihm, zu Bathseba, Eurer Enkelin! Ahitophel (stellt sich erstaunt): Wo hat er sie denn gesehen? Wo gesprochen? Basmath (überfreundlich): Er hat sie gesehen und hat sie gesprochen! Seh' ich doch jetzt erst, was für ein feiner Kopf Ihr seid! Hab' ich doch, bei Gott, die grösste Angst gehabt, Ihr könntet zu früh etwas von der Sache erfahren! Ahitophel (unheimlich freundlich): Du dachtest, ich würde Dir das gute Geschäft verderben, nicht war, wackre Basmath? Basmath (immer dreister): Nu gewiss! Ich hab' Euch eben doch nicht für so klug gehalten, wie Ihr, gelobt sei Gott, wirklich seid! Aber 'n Stein ist mir vom Herzen, dass Ihr's nehmt so auf! Ob das ein Segen des Höchsten ist! In Seide wird er Euch wickeln von Kopf bis Fuss! Und wer weiss, was noch kommt! Eure Kindeskinder werden Könige sein in Israel! Was sagt Ihr jetzt? Warum nicht! Wenn Gott will, wird sie einen Sohn haben! Ahitophel (mit tötlicher Kälte): So viel mir bekannt, ist sie bis heute kinderlos! Basmath (frech): Bis heut? Gewiss! Aber da sie Davids "Weib geworden ist, heut Nacht — Ahitophel (schrecklich ausbrechend): Sein Weib nennst Du das? Seine Metze meinst Du? Ist Uria tot seit gestern? Ist sie von ihm geschieden? Basmath (weicht zitternd zurück): Hab ich's nicht gesagt, Ihr werdet mit dem Kopf durch die Wand rennen? Bin ich schuld, dass der König sie hat baden geseh'n vom Dach seines Palastes aus, dass er hat Boten geschickt über Boten zu Bathseba, dass er sie hat holen lassen und dass sie ist zu ihm gegangen! Ist er doch so schön, unser gesegneter König, und weiss er doch zu singen und zu spielen auf der Harfe und zu reden Worte, süsser wie Milch und Honig, unser König David! Also, als sie ist bei ihm gewesen, die ganze lange Nacht durch, wird sie haben einen Sohn von ihm, so gut wie die andern! Sie gewiss! Nur ihr Sohn wird sein etwas ganz besonders Schönes und Kluges, ein lichtig Kind wird er sein, und wird herrschen über all seine Brüder, wie Joseph, der Sohn der Rahel, so wahr der Himmel über uns ist! Ahitophel (kalt und starr): Rufe mir Bathseba!

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