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Ost und West · 1906-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1906) · p. Seite 595 - 596

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1906)
Article
David und Bathseba
Date
1906-08-01
Page
Seite 595 - 596 (sequence 7)
Language
German
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595 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 596 Einschlingt in ihren räuberischen Rachen, In ihren unersättlich gier gen Schlund! (Sie wirft die Schleier zurück und stellt in ihren durchsichtigen Geweben» in ihrer ganzen Jugendschönheit da, das weisse Antlitz mit den glühend schwarzen Augen und den vollen Purpurlippen, die mächtigen schwarzen Haare entfesselt wie Mähnen über ihre Schultern wogend, vor David, der taumelnd zurückweicht.) David (stammelnd): Ich seh Dich wieder, blendend nackt enttauchst Du Dem Bad, umrauscht vom Mantel finstren Haar's, Von ungestillten Feuern brennst und rauchst Du, Rot glüh'n die Knospen Deines ßrüstepaars! Dein Kuss ist Taumel, Wahnsinn und Entehrung, Vor Deinem Lächeln wird mein Gott zu nicht, In Deinem Schoss haust Hölle und Verheerung Der Sünde Du süss tätliches Gesicht. Ich opfre Dir den Glauben und die Ehre, Gott wird zersplittern mein entweihtes Schwert, Er flieht die schuldbeladenen Altäre, Brandmarkt, wer seines Nächsten Weib begehrt. Ich weiss, in dieser Stunde Wollustschauern Zertrümmre ich den ew'gen Geist in mir, Ich säe Mord und grenzenloses Trauern Und meinen Fluch umarme ich in Dir! Und dennoch, dennoch, schaudernd hingegeben An meiner Sinne blut'ge Raserei, Umschliess ich brünstig Dich, allmächt'ges Leben, Ein Mensch, der seine Ketten riss entzwei, Zum ersten Male gottvergessen frei! O Bathseba, umschlinge mich, umschmiege Mich, wie die Welle Deinen Wunderleib, Dass des Gewissens Knechtesangst erliege Vor meiner Leidenschaften trunknem Siege, Bathseba, Schmerzgeliebte, sei mein Weib! Bathseba (stürzt an seine Brust): Mein Erdengott, Erlöser, Lustverderben, — Ich lebte nur, in Deinem Kuss zu sterben! — Ii n d e des ersten Aktes. — 2. AKT. 1. Szene. (Morgen. Vorraum von Davids Gemach, aus dem ein Gang ins Freie führt. Leise öffnet sich die Tür. David, Bathseba fest umschlungen hallend, geleitel sie hinaus.) David (flüsternd): Warum dürft' ich nicht fluten in den Tod In den Vernichtungswonnen dieser Nacht? Warum musst' ich den Morgen schau'n, der höhnisch, Der Mörder meines Glücks, mit roten Blicken Mir stiert ins Auge, der von Dir mich scheidet, Als risse er das Herz mir aus der Brust? Ach, warum fliehst Du mich? Feindliches Licht, Verhasst den Liebenden, die eingewiegt Vom Schweigen stiller Nacht, mit stummen Lippen, Bebenden Händen und geschloss'nen Augen, Nur lauschend ihrer Herzen heil'gem Schlag, Wissend geworden sind, wie Du und ich, Hinüberströmend in den Schoss des Ew'gen! Bathseba (ihn umfangend): Du mein Erkorner, König meiner Träume, Berauschender als alle Lilien Du, Süsser als Salben Deine heissen Lippen, In Deiner Seele grenzenlose Gärten Nimm meine heimatlose Seele auf! O kam die Nacht zurück, die uns vereint, Wunschlos, befreit von allem Willenszwist, Nur Du und ich, in unsern Gluten starb Mit uns die Welt, — ach, küsstest Du mich tot, So trüg' ich nicht der Trennung bange Not! David: Bleib noch, o bleibe, breite um mich her Die langen Schleier Deines düstren Haars, Wie schwere schwarze Schlingen um mein Herz Und kühle sein Erglüh'n mit Deiner Glieder Schimmerndem Schnee, Du meine weisse Nacht! Geheimnisvolle Welten glänzen auf Aus Deinen sel'gen Dunkeln, wortlos schmilzt Ins Schrankenlose alles Leben hin! Bathseba: Lass mich, ich flehe Dich, wenn sie uns finden, . . . Ich muss hinweg — fort, fort und folge nicht, Ich fühl' ein Nah'n wie furchtbares Gericht, — Die Stunden werden bleiern mir entschwinden, Fern, fern von Dir mich wacher Tod umflicht! O fiele auf die Welt ein Nachterblinden, Bis Du mir aufgehst wieder, meiner Seele Licht! (Sie reisst sich los und eilt fort.) 2. Szene. (David starrt ihr wie gebannt nach, er wendet sich, in sein Gemach zuriick/.u kehren. In diesem Augenblick öffnet sich eine Seitentür und seine Tochter Thaniar, ein schönes Mädchen an der Grenze der Kindheit, ini wildzerwühlten dunklen Flechten, das bleiche Antlitz tränen entstellt, die prächtigen bunten Seiden-Gewänder zerfetzt, stürzt David zu Füssen.) Thamar (weinend): Mein königlicher Herr, mein Vater, blicke Gnädig herab auf Dein zertretnes Kind! Amnon — mein Bruder, er — so teuer mir, Dem arglos ich vertraut, gebrochen hat Er meine Jugend, meines Leibes Reinheit Befleckt, des Lebens Schleier riss entzwei! Der Bruder war mir Buhle, mich umfängt Nur noch der Tod in kalter Hochzeitskammer! David (entsetzt zurückschauernd): Amnon — mein Sohn — tat er Gewalt Dir an? Wie könnt' er Dich verlocken, Thamar, sprich? Thamar: In dieser Nacht, — er klagte, dass er krank, Heilmittel weiss ich und ich brachte sie In seine Kammer, — dort, — o seine Augen, Die Hölle flackerte darin, sie rann Ins Blut mir, schwemmte die Besinnung weg! Sie rast in mir, Verwesung ist mein Leib Und meine Schönheit sei der Würmer Speise! David (in wildem Schmerz): In dieser Nacht — schlugst Du mein schuldlos Kind Weil ich gefallen bin? Gestrenger Gott, Traf sie Dein Donner, weil in mir gezündet Der Blitz, den Du geschleudert in mein Herz? Des Glückes Krone trug ich, edlen Raub, Zum ersten Mal Trotz bietend dem Gesetz, Entsprungen Deines Zwanges Tyrannei! Und König ward ich endlich wider Dich, In dieser Nacht, die unentreissbar mein. Mein Kind, nicht knien, Dein Vater weint mit Dir Und trocknen wird er Deine heissen Tränen! Thamar: Sein Blut nur reinigt mich von meiner Schmach!

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