Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1906)
- Article
- David und Bathseba
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 593 - 594 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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593 Maria Hellmuth: David und Bathseba. 594 8. Szene. Nathan (Maacha, Ahinoam, Hagith treten auf). Maacha; Priester, wir riefen Dich, zu strafen, zu treffen, Unsere Söhne entthront er, die Echtgebornen, Mein Sohn soll herrschen, mein Absalom! Ahinoam: Soll Amnom weichen, sein Liebling, Sich bücken einst vor der Sündenbrut? Fort von der Schwelle weise das Weib! Hagith: Fluche der Ehrlosen, Priester, fluch' ihr, Mein Kind bestiehlt sie, mein heissgeliebtes, Gedenk Adonia's, der einst Dein König! Nathan: Nicht Euer Grimm Bändigt die Liebesglut, Des Königs wilden Willen Zähmt meine Strafe nicht! Gott muss ihm sterben erst In seines Herzens Höllen, Dass einst er liebe Gott, Wie er ihn nie geliebt! VERWANDLUNG. 9. Szene. (Davids Gemach. Es ist;uif hohen Säulen aus Ccilernholz erbaut Man blickt ans seinen Fenstern hinab auf Jerusalem, von Feigen-, Granaten- Oliven-, Palmen-, Dattelhainen und Weingärten durchwogt. Die Wände sind unihangen mit kostbaren Geweben, auf dem Hoden breiten sieh köst" liehe, herrlich gewirkte Teppiche aus, breite Rulielagcr stehen in den Wand" Vertiefungen, die Wände aus wunderfeinem durchbrochenem Holz, silberne und goldene Tische, strahlende Gefässc aus Onyx und Rubineu, goldene Leuchter in fantastischen Verzierungen, Ampeln in schimmernden Ringen. Vorhänge aus tyrischem Purpur verbergen halb das köstliche Lager des Königs und die goldgelben Pfühle und Scidcndecken.) David (betritt sein Gemach, in das von einem Gange her soeben Batliseba geführt wird. Die Tür schliesst sich hinter ihr. Ihre hohe Gestalt ist in weisse weiche Schleier gehüllt. Sie kniet vor dem König nieder. David mit zitternder Stimme): Du kniest vor mir, was tust Du, Bathseba? Erhebe Dich, Du weisst es, dass vor Dir Mein Herz in demutsvoller Andacht liegt Und dass ihm Mut und Kraft und Stolz entsanken Vor Deiner Augen schwarzem Schicksalsblick! Steh auf, o Bathseba, und sprich zu mir, Denn noch vernahm ich Deine Stimme nicht, Und meine Sinne, so von Sehnsucht matt, Ertrügen nicht, zu hören Dich, zu schauen Zugleich, nur Deiner Stimme lass mich lauschen, Sie bade meine Seele in Musik, Wie singende Mondesstrahlen, wie der Hauch Des jungen Weines und der heissen Rosen, Der Klang geworden ist in Deinem Mund! Bathseba (steht auf): O wäre meine Rede weich wie Atem Der Abendwinde, Balsam meine Zunge, Dass sie Dich tränkte und Dich labte, Herr! Doch ach! Wie kann ich geben, was mir mangelt, Wie kann ich Kühlung bringen bittrem Durst, Die selber stöhnt in schwerer Wunden Schweiss? Herr, schenke mir die Schatten des Vergessens, So will ich heilen, was mein Blick verbrach! David (entzückt lauschend): Du sprichst, wie es Dein Anblick mir verheissen, Der Wandel Deiner Worte schwebt dahin, Myrrhen und Weihrauch schüttelnd, wo er streift; O, spräch Dein bräutlich Beben Wahrheit mir; Die mir mein Herz genommen, nahm ich Deins? Bathseba: In meine Einsamkeit drang schon Dein Name, Eh' ich Dich sah, Gefährte ward er mir, Wob sich um ein geheimnisvolles Wesen, Ein glanzumspieltes, schön wie Seraphim! Ein Heldenknabe, der den Riesen fällte, Den finst'ren Gram des Königs Saul beschwor Mit Sang und Saitenspiel, ein Glückes-Liebling, Dem jedes Weibes-Herz in Lust erlag! Von Deiner Jugend wirren Kampfestagen Erklang die Kunde und wie unser Gott Dich gnädig hob aus tiefem Todesabgrund, Zum Lebensgipfel und auf Juda's Thron! Und oft, wenn ich am Fenster schlaflos lehnte, Schweigendes Weben um mich ahnungsschwer, War mir's als rauschten holde Harfentönc, Und nieder, unsichtbar, stiegst Du zu mir! Ich war nicht mehr allein, in meine Träume Nahm ich die süssen Harmonieen mit, Die Davids Brust entflutet, ich versank In ihnen, in ein klingend Liebesgrab! Mein fast verwitwet Leben blühe wieder Von fremden Freuden, ich verstand die Welt Und alle Schönheit wurde Schwester mir! Du schlössest meiner Seele Tiefen auf Und meines Blutes Hoheit fühlte ich! Die stumme Nacht ward meiner Wünsche Freundin, Ein Meer von Melodieen strömte sie! Brautwerber waren es, die meine Lippen Den Deinen einten sanft und geisterhaft. Mir war, als blicktest mit allsehn'nden Augen In mein Geheimstes Du, ich lag vor Dir, Entschleiert, hingegeben, Dein, nur Dein, Wehrlos wie weisse Nacht dem Mondenschein! David: Warum fand ich zu spät Dich, nagend Gift Ist das Bewusstsein, wie Du schon dahin Die jungfräuliche Blüte hast gegeben, Dass Bathseba, die nur für David ward, Entweiht schon ist von eines Mannes Blicken Und sein Berühren schon erduldet hat! Der Hass, der in mir wächst, dass einer lebt, Der Dich besass, — gefährliche Gedanken Reizt er mir auf, mein königlicher Stolz Bäumt zuckend hoch, dass Dein Erinnern sich Zurück wird tasten den verschwieg'nen Weg, Zu der Umarmung Deines ersten Gatten! Bathseba: Ein Schemen war ich, eh ich Dich erblickte, Ich war nicht wirklich, habe nie geliebt, Urias Nah'n ging über mich hinweg Und hob nicht meines Herzens Schleiersaum. Mein Gatte ist ein Krieger, starr und hart, Und rächen wird er grausam seinen Schimpf! Doch einmal schlürfen, leeren bis zur Neige Den tollen Trank, der schäumt wie purpurn Blut, In einem Augenblick die Ewigkeit Verbot'nen Glücks mit Tigergriff umklammern, Der Schuld, fortwuchernd in die fernste Zeit, Die keine Träne, keire Reue löscht, Und ungesehen'n macht, Schuld, die Dich und mich