Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1906)
- Article
- David und Bathseba
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 591 - 592 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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591 Marta Hellmuth: David und ßathscba. 592 Du kühlst die Glut und fachst sie an zugleich, Und bleib ihr nahe, wenn sie Dein bedarf! (wieder entrückt) Dein Name! Allen Wohllaut dieser Welt Haucht mir Dein weicher Name: Bathseba! (Er geht ins Innere des Palastes.) 6. Szene. Basmath allein. (Sie sieht sich neugierig nach allen Seiten um, als erstaune sie über die Pracht; zählt das Gold, steckt es ein, dann): Basmath: Als ob er mir das zu sagen braucht! Ich werde sie jetzt verlassen, jetzt, wo sie auf dem Wege ist, endlich so reich und gross zu werden, wie sie, unserm Gott sei gedankt, schön ist! Ich habe immer gewusst, sie ist zu schön für ihren Mann! Zwar, wenn er klug wäre — aber ist er denn klug? Wenn er schweigen würde? Er wird schweigen! Im Gegenteil! er wird sogar, so soll mir Gott alles gute 'geben, den grössten Lärm machen! Und dann ist's aus mit unserer ganzen Herrlichkeit hier! Nachdem ich endlich soweit bin! Auf Bathseba ist nicht zu rechnen — sie liebt ihn j Verliebte Weiber denken nicht an später! Aber bin ich etwa verliebt? Werde ich für zwei denken! Bei Uria kann sie viel Ehre haben! Möglich ist es! Aber wenig Freude! Er ist nie zu Hause, und wenn er zu Hause ist, sind seine Gedanken im Krieg! Und was ist, wenn Frieden wird? Garnichts ist dann mit ihm! Und wird etwa immer Krieg sein? Golt verhüte es! Aber ein König bleibt immer ein König. Und warum soll Bathseba nicht Königin werden? Ist David nicht König geworden, weil sich die Tochter des Königs hat verliebt in ihn? Freilich, die Menschen werden reden, sie werden sagen, ein jüdisch Weib soll so etwas nicht tun, auch nicht, wenn es der König ist! Gut ist es nicht, werden sie sagen, wenn sie betrügt ihren Mann — lassen sie sagen! Was lehren unsre Alten? Ein guter Mensch gehört auf den guten Ort! Wer so schön ist wie Bathseba, und von David, dem König, gesegnet sei er, geliebtsoll der nicht zugreifen, wenn solches Glück kommt? Mit beiden Händen sogar! (Sie geht ab.) 7. Szene. (Michal. Der Prophet Nathan, ein schöner majestätischer Greis mit wallendem schneeweissem Haar und Bart und leuchtenden Augen im ernsten edlen Antlitz. Sein Gewand ist licht und festlich) Michal: Kamst Du, weil in der Luft die Wittrung schwebt Der kranken Seele, die den Priester braucht, Wie siecher Leib den Arzt? Nathan: Dir ist der Dienst Des Ewigen Beschimpfung, Niederlage, Doch David ist er seines Lebens Krone Und Feier; wer beglückt ist wie der König Und gottgeliebt, soll er den Schöpfer nicht, Seliger Tage dankbar wiederlieben? Michal: So lang er blindlings, ohne Prüfung, glaubt, Beschenkt ihn Gott, erhebt ihn übergnädig, Das willenlose Werkzeug seiner Gunst, Doch, wenn der König selbst zu denken wagte, Ergriffe eigenmächtig, was ihn reizt, Weil er des Gängelbandes überdrüssig, Des unsichtbaren Wächters müde ward? Nathan: Beschämt hast Du den König und verhöhnt In starrem Hochmut, weil dem Heiligen Er frohe Tänze schlang wie die Gestirne, Die freudejauchzend um die Sonne kreisen! Warum willst Du von Gott den König trennen? Hast Du denn reichre Schätze ihm zu spenden Aus Deiner engen Staubvergänglichkeit Als Er, der nie begriffen Unnennbare? Michal: Kann Er im Herzen nicht des Menschen lesen? Erkennt er nicht, was Furcht und Feigheit ist In dieser Unterwerfung, Selbstsucht, Habgier? Nathan: Wie meinst Du das? Michal: Warum hat David denn Gezögert, bis er nach Jerusalem Das Heiligtum geführt und drei der Monde In Obed's Hause, des Gathiter's, doch Es hüten lassen? Weisst Du's, Priester, nicht? Der Erste, der berührt die Gotteslade, Der starb vor David's Augen, Usa war es, Und darum wurde sie zum Schreckensbild Dem König und zum dunklen Unheilszeichen! Der Krieger, der dem Tode mutig trotzte, Er zitterte, als wäre ein Lebend'ges Das tote Holz und schiesse Rachepfeile Auf jeden Ungeweihten, der ihm naht! Und erst, da Obed wuchs an Gut und Herden, Gedeihen auf ihn träufte wie der Regen, Der die getränkten Schollen fruchtbar macht, Da nahm die Gotteslade David, brachte Als Bürgschaft sie des Glücks in seine Burg! Nathan: Mit scharfen Augen siehst Du alle Schwächen An denen, die Du liebst! Michal (mit tiefer Empfindung): Gib mir den Gott, Den makellosen, ihn, den meine Seele Verzweifelnd sucht, den unbestechlich Wahren, Und seiner Reinheit Spiegel lass mich sein Und Widerschein der fleckenlosen Klarheit! Gib mir den Gott, der solchen Dienst verschmäht, Wie David's, der aus meiner Finsternis Die unzählbaren Sterne heiliger Gedanken lockt, den Ausstrom seines Lichts! Nathan: Wie er dem Sehnenden sich künden mag Ist über unsrem Schauen und Erkennen, Doch sein Geheimnis lebt in unsren Freveln, So tief verhüllt wie in der grössten Tat! Den Anfang wissen wir, nur Gott das Ende! Wir sind des Augenblicks Geschöpf und Opfer, Er ist der Herr der Zukunft, kennt das Ziel! Wie tief der Abgrund auch der Sünde klafft, Die Liebe unsres Gottes reicht hinab! Michal: Kann David leiden, wie er sünd'gen wird, Wiegt alle Qual, die er erdulden muss, Die Flammenwonne auf des Ehebruchs? Und wenn Gott Eins mit uns, wie wir mit ihm, Geniesst auch er, wenn David schwelgt und küsst, Und fällt mit ihm, (sie lacht spöttisch) doch Dir, Nach- Bleibt der gefallne Gott doch immer Gott! [sichtiger, (sie geht ab.)