Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1906)
- Article
- David und Bathseba
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 589 - 590 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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589 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 590 David (zu Michal): Was fliehst Du, Michal, Deines Gatten Blick? David hat Dir vergeben! (zu den anderen Frauen): Ihr Lieben, verlasst uns Beide! Nur meiner Michal Rat bedarf ich heut! (Die anderen Frauen gehen erstaunt in die inneren Gemächer, Abigail mit frohem Blick und Lächeln.) 4. Szene. Michal und David. Michal: Deine Stimme tönt wie Nahen Des Südwinds durch Qranatengärten, So zart und so schmeichelnd ist sie! Was willst Du mich fragen, David, mein Freund? Verwandelt bist Du! David: Michal, der Gott, der mich trug wie ein Adler, Ich such' ihn umsonst, ich fall' und versinke! Es gehen hohe Wasser Ueber meine Seele, Unter mir ist kein Boden, Nur schwarze Flut! In meinen Adern ist alles Feuer, Mein Mund ist heiser von Wehgeschrei, Mich zerbrach ein Augenblick, Da ich sie sah! Michal: Deine Widersacher käuen breit Deine Qualen nach, Weiden sich daran! Ringe mit dem furchtbaren Gott der Rache, Vergeltung übt er der Sünden, Und der Missetat! Beten kann ich nicht, Nimmer glaub ich mehr, Mein Haus ist Verstössen! Doch Du bist sein Erwählter, Ruf ihn herab! David: Es klingt Dein Wort wie wilder Spott, Taub meinem Flehen bleibt der Ewige, Wer rettet meine Seele? Michal: Sauls Tochter bin ich, Gottlos will ich sein, Der Stolz ist meine Krone! Wenn Du sündigst, trage mutig, Was der Rächer über Dich verhängt! Aber hoffe nimmer Vergebung, Wenn Dein Gott gerecht! Bis heut war er ein Vater Dir, Im bittren Feinde find' ihn nun, Der Dich versucht und verführt hat! Fürchte Dich, David, wenn Du strauchelst! Denn Dich umgibt Falschheit und Trug! Und glatt sind die Worte der Gleissner! Wer Schuld trägt, muss krumme Pfade schleichen, Und faule Tat lockt Böse an! Immer trugst Du hoch die Stirne, Sünde macht Dich feig 1 David: Michal, bleib mir nahe, Du Schwester Jonathans, Dem Untreuen bleibe treu! Wenn Er sich von mir wendet, Dem ich wollte bauen Mein Reich zum Haus des Ruhms, Verlass mich nicht, mein Trost! Wenn Er mich zerschlägt, Mein Herz zerstösst zu Scherben, Wenn meine Macht zerschellt Vor seines Zornes Schnauben, Und Er mich vertilgt Und mich zu Schanden macht! Lehr' mich, grösser sein als mein Geschick! Michal: Wie Brudergruss glänze Dein Blick mir, David, Jonathan liebt Dich in mir! Der die Herzen Du fingst der Königskinder, Uns're Herzen halten den Bund! Was Dir auch Schweres mag geschehen, Vertrau' es mir, als wär ich Du! (Sie geht ab.) 5. Szene. (David, Basmath, die Dienerin Bathsebas, kommt rasch und heimlich vom Garten her. Sie ist eine Alte, in dunkle Gewebe und Sehleiertücher gehüllt, mit schlauen, lebendig und gierig funkelnden Augen. David blickt sich scheu nach allen Seiten um.) David: Bist Du die Vertraute der schönen Bathseba? Basmath (kniet vor ihm nieder): Mein Herr, der König, leihe mir gnädig sein Ohr. Ich habe sie aufgezogen, seit sie wenige Tage alt war. Ich führte sie in das Haus des Uria, da sie noch keine dreizehn Jahre zählte. Ich allein bin immer bei ihr, ich bade sie und salbe sie und schmücke sie und erzähle ihr, was es Neues gibt, wenn sie nicht schlafen kann. Sie ist so allein, das junge Weib, der Mann rauh und streng und fast immer fort. Und sie hat kein Kind, mit ihm zu spielen! David (flüsternd): Gab sie Dir eine Botschaft für mich? Basmath (zieht eine Schrift hervor): Hier, mein erhabener Flerr und König. David (liest hastig): Sie kommt, sie folgt mit meinem Boten Dir! Gesegnet sei ihre kleine Hand, dass sie diese Zeichen schrieb! (Er küsst die Schrift.) Sprach sie von mir — seit jener goldenen Stunde — Basmath: Bathseba, meine junge Gebieterin, verlangt nach dem Anblick meines Herrn, des Königs, wie der Kranke nach dem Morgen! Sie schläft nicht mehr, isst nicht mehr, trinkt nicht mehr, sie seufzt nur; bald ist sie blass, bald rot, wie wenn sie ein Fieber hätte. Sie sieht nach dem Dach des Palastes und spricht mit sich selber, als wäre sie, Gott verhüte es, nicht recht bei sich! Aber was brauche ich meinem Herrn, dem König, zu sagen? Hat er doch so viele und schöne Weiber in seinem Hause, und erzählt doch noch heute Jeder, wie ihn geliebt hat die Tochter des Königs, die schöne Prinzessin Michal, damals schon, wie er noch war ganz jung. Mein Herr, der König, weiss besser als ich, wie es steht um Bathseba! David (der in den Brief versunken ist): O jede Stunde, fern von Dir, verglüht Zu leerem Staub und häuft sich um ein Grab. ■ Und Dir am Busen schwinden Tag' und Nächte, Schwelllend von früchteschwerer Seligkeit! (zu Basmath) Mein Bote leitet sie in mein Gemach, Nimm hier (er reicht ihr Gold), für jedes Wort, das [Du gesprochen,