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Ost und West · 1906-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1906) · p. Seite 587 - 588

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1906)
Article
David und Bathseba
Date
1906-08-01
Page
Seite 587 - 588 (sequence 3)
Language
German
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587 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 588 Schön wie Du und tückisch Dein Geschlecht, Heut ist Absalom noch Knecht: Dein Verbrechen erschafft sein Recht! 2. Szene. Michal (zu den Vorigen): (Michal ist ein Weib von 3S Jahren. Ihre hohe, fast hagere Gestalt, anmutig und gebietend, ihr edles bleiches Gesicht, mit den dunklen, traurigen Mandelaugen, die leichtgebogene feine Nase, der kleine Mund mit zarten blassen Lippen, die hohe Stirn voll sinnenden Ernstes» geben das Bild eines reizvoll strengen und reinen Wesens. Sie hat die schwermütige Schönheit der vertriebenen Königstochter, die sich stets ihrer Abkunft bewusst bleibt, den Zauber einsamer Blumen.) Abigail (zu Michal): Meine Schwester, gebiete, Begehrst Du Kühlung? Willst Du rasten, gewiegt von Liedern der Heimat, Soll ich betten in Mandelblüten Dein Haupt? Michal: Abigail, Du traut Verständ'ge, Michal schläft nicht in Nardendüften, Sie klagt um Davids willen! Abigail: Warum schaltest Du ihn, um den Freudentanz, Da er frohlockte vor allem Volk, Einherzog vor dem Heiligtum, Singend und jauchzend, als wüchsen ihm Flügel! Gottes Macht erhob er, Der sichtbar mit ihm war, Sein Blut schwang jubelnden Reigen! Michal: Meinen Vater hat Gott Verstössen, Der Gott, den David preist, König Saul war stolz und rein Und Gott verwarf ihn doch! Liebe kann ich, Demut nicht Heucheln vor Unrecht und Grausamkeit, Und ich will ihm weigern Gebete und Opfer und Dank! Abigail: Doch David ehrt den Herrn, Fromm will er Frauensinn, Sein Herz verlörest Du, Durch solchen Hohn! Michal (schmerzlich lächelnd): Das Herz eines Dichters hat David, Hat bunte Schmetterlingsflügel, Wer kennt seinen luftigen Flug? Honig haucht ihm jede Blume, Jeder Tag ist ein Kelch, mit anderen Glitten gefüllt! Ich bin der Jugend Asche nur, Bin funkentot und grau, Doch kann ich nicht vergessen! Wer David sah, musst' ihn lieben, Wie seine eigene Seele Hat Jonathan ihn geliebt! Abigail: Wie Siegesleuchten um lockige Scheitel Schien es um ihn, da er trat auf die Schwelle, In das Haus, wo ich wohnte, als Navals Weib! — Doch seine Stirn war gewitterdunkel! Und Geschenke häuft' ich, köstlich und reich! Dem Golde lächelt David, Dem Silber und Glutgeschmeide Und was'schön ist auf Erden, wird sein! Michal: Wie die reife^Sonne erglüht sein Herz, Die Sonne des Lebensmittags, Für eine neue Braut! Seiner Liebe Flammenflüstern Trägt schon dieses Tages Neige Auf Purpurlippen in Bathsebas Ohr! Ahinoam (nähert sich Michal, spöttisch): Bald wird ein junger Sprosse ihm Erstehen von dem Weibe, das er liebt, Du aber, ungesegnet stets, Vergehst im kalten Bett! Abigail: Und doch hat David niemals Michals vergessen! Sie war seines Herzens Morgen, Seines Glückes heiliges Frührot! Zu ihm hat Liebe sie hergeführt, Sein Sehnen rief sie zurück! Sie ist ihm, was kein Weib, wie jung und schön, Sein frühster Traum, Seiner Seele Braut, Und das ist mehr, als Söhne und Töchter sind! Michal (zu Abigail): Tau sind Deine Worte Für mein Herz und seine heissen Wunden, Abigail, mein Segen schwebe um Dich! Ahinoam: Wir wollen kein fremdes Blut, Keinen Sohn mehr aus andrem Schoss, Zuviel der Erben leben Für Davids Königskrone, Uria soll's erfahren! Michal (erschreckt): So wollt Ihr den König verderben, Wenn der Wilde sich empört, Wenn er David erschlägt im Zorn, In eifersücht'ger Wut, Wer schützt sein Haupt vor Mord? Maacha (tritt heran): Klug ist Ahitophel, Bathseba's Alm, Wird Uria raten, Wie er den König soll strafen; Wenn die Freveltat er beging! Listig schlau ist Ahitophel Und David vertrauet ihm! Ahinoam (boshaft): So wie Absalom, Dein Sohn, Sein Herz ihm hat verraten! Maacha (ergrimmt): Bewache Deinen Sohn Und seiner Augen Wege, Amnon ist entbrannt Nach verfluchter Speise. Michal (abwehrend): Den König seh ich nah'n, Ich meide noch, Ihm zu begegnen, eh sein Zorn vergangen, Schwer drückt die Sorge mich Um seines Herzens Schuld. Giftiger Neid wuchert In seinem Hause! (Sie will gellen, David tritt ihr entgegen.) 3. Szene. Vorige und David. (David ist ein Mann in der Mitte der vierziger Jahre, seine Züge sind vom reinsten morgenländischen Schnitt, seine Farbe ist bräunlich, die schwellenden Lippen üppig rot, die langgeschnitlencri grossen Augen, dicht bewimpert, von warmem Braun, mit breiten dunklen Lidern und starken Brauen, glänzend dunkles lockiges Haar, bis auf die Schultern fallend, sein gekräuselter Bart goldig braun; Blick, Mienenspiel, Gebärden weich, verführerisch beredt, und wechselvoll bezaubernd. Er ist in ein Seidengewand von tiefein Goldgelb gekleidet, um seinen schlanken geschmeidigen Hals hängen Goldketicn und Schmuckstücke von edelster Arbeit, Goldreifen, .mit Edelsteinen besetzt, umschliessen seine nackten Arme, ein purpurner Mantel rollt rücklings fallentief nieder, die Bänder seiner Sandalen tragen bunten Steinschmuck.)

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