Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1906)
- Article
- David und Bathseba
- Date
- 1906-08-01
- Page
- Seite 585 - 586 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Adonijah 1× ep/1003245
- Joab 1× ep/1005321
OCR text
5S5 Marta Hellmuth: David und Bathseba. 5S6 1. AKT. 1. Szene. (Das Fraiiengemach in Davitl's Palast zu Jerusalem. Mit wikler bunter Fracht geschmückt. Auf Seidenkissen und Ruhelagern die Frauen in reifem Lebensalter. Jede andere Schönheitsrcize zeigend.) Maacha, die Mutter Thainars und Absaloms. Ahinoam, die Mutter Amnons. Abigail, die Mutter Chileabs. Hagith, die Mutter Adonias. Egla, die Mutter Jethrcanis. Abital. die Mutter Saphatja's. Die Frauen sind reich und köstlich gekleidet, Mägde tragen kühlende Getränke und Naschwerk herbei. Einige der Frauen sind mit kunstvollen Knüpfarbeiten beschäftigt, einige bereiten Schönheitsmittel, Salben und Haarwasser, einige spielen auf kleinen Saiteninstrumenten. Abigail (an einem seidenen Tuche knüpfend): Warum sieht Michal so bleich? Ihr Lächeln schwand in Gramgewölken, Zürnt ihr der König noch immer? Maacha: Der König David sprach böse Worte, Den Gottgeschlag'nen, den hohen Saul Erschlug er zum zweiten Male! Hagith: Honigweich sind seine Lippen, Küsse regnend, Liebe girrend, Taubenzärtlich und liedersanft. Gift'ger doch als Vipernzungen Tragen sie Tod ins Herz, Wenn David hasst und verhöhnt! Ahinoam: Da er kam, um mich zu werben, Nie vergess ich seine Stimme, Süss und glühend von dunkler Lust! Seine Flammen strahlen aus Dir, Amnon, mein Sohn, Du brennend Bleicher, Seiner Jugend Frucht bist Du! Maacha: Flüchtig und heimatlos, Ohne Erbe, ohne Recht, War er, als Du sein geworden! Absalom, den ich geboren, Er ist königlichen Blutes, Einer Königstochter Kind! Der Lockenumflutete, Glanzummähnte, Der Löwe, der einst die Krone trägt! Hagith: Der schönste ist mein stolzer Knabe, Der Blitz, den ich empfangen habe, Glückschaudernd in mir! Adonia, Du Cedernschlanker, Aus Knechtschaft und Erniedrigung Deiner Mutter Erlöser einst! Erhöht muss ich ihn sehen Auf seines Vaters Thron! Egla (lächelnd): Warum streitet Ihr Drei und rechtet immer, Warum, bis es Zeit zu reden, nicht schweigt Ihr? Ihr säet Hass, und Tage werden kommen, Wo Eure Saaten aufgehn in Blut! Abital: Auch mein Sohn ist ihm entsprossen, Holdselig und lieblich ist er, Wie David, der Jüngling, einst war! Wie Licht aus himmlischen Blicken, Wie der schöne Glanz Gottes, Leuchtet sein Augenpaar! Maacha: Längst vergass er meiner, Jugend lockt sein Auge, Doch ich weine nicht wie Michal, Absalom, mein Rächer, wacht! Hagith: Meine Seele zittert in mir, Sie ist dunkel vom Schatten kiinft'ger Taten, Aus Davids Brünsten wachsen Frevel, Todsünden brüten in seinem Blut! Abigail: Wahre Deine Zunge vor Lüge Und vor Verleumdung schliesse Dein Ohr, Dass Dich des Königs Zorn nicht ereile, Dich nicht würge sein Hass! Maacha: Es murmeln die Brunnen, es rauschen die Palmen, Dass der König siech ward von seltsamer Krankheit, Sie traf ihn, da er zu Abend aufstand Und hinwandelte auf dem Gartendach! Ahinoam: Er sah ein Weib, sie kühlte ihre Glieder Im frischen Wasser, schwarz umfloss ihr Haar Hinunter sie bis zu den weissen Knien, Sie glänzte aus durchsichtigem Gewand Der Wellen, aus den feuchten Schleiern vor, Wie eine nackte silberne Blume, Seit jenem Augenblicke krankt der König, Glutbrand verdorrt sein Mark! Hagith: Darum trauert Michal und leidet, Sie liebt ihn, wie sie ihn einst geliebt, Da sie ihn verbarg vor Saul, ihrem Vater, Ihn durchs Fenster entfliehen Hess dem Untergang! Ahinoam: Ein Schatten ist sie, die Unfruchtbare, Die Kinderlose, die keinen Sohn hat! Abigail: Wenn er das schöne Weib liebt, David, der König, Warum führt er sie nicht in sein Haus, sein Gemach? Keine widerstrebt ihm! Wie die Saiten seiner Harfe Tönt das Herz der Frauen, Erzitternd seinem Hauch. Maacha: Sie ist das Weib des Uria, Des mutigen Hethiters, Mit Joab zog er zum Kampf! Ein starker gewaltiger Krieger, Ein Held ist er in der Schlacht! König David aber ward müde zu streiten, Und meidet die Speere der Feinde! Hagith: Der einst mit den Philistern Gestritten, der Goliath, den Riesen, bezwang, Nun weint er auf seinem Lager Nach fremden Eheweib! Sein Verlangen erschlägt ihn, König David, den grossen Sieger, Seine brennenden Lüste Zeugen schwarze Schuld! Ahinoam: Wenn er unrein ward, der heilige König, Der Gottbeschützte, der fromme Sänger, Dann welkt sein Glück dahin Und unsre Söhne blühen! Maacha: Hüte Dich, König David, Hüte Dich zu fallen! Heimlich hoch in Deinem Hause Wuchs Dein Stamm in wilden Sprossen, Flammen lauern, Feuerströme In der Saat, aus Dir ergossen!