Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1906)
- Article
- Josef, das Kind
- Date
- 1906-07-01
- Page
- Seite 499 - 500 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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499 Emil Colin: Josef, das Kind. 500 Simon (zu Josef): Nun, du Buntrock, was sollen wir mit dir anfangen? R u b e n: Lasst ihn! Asser (spottend): He, Bub im Seidenrock, komm" Kühe melken: G ad: Mist schippen auch! (Lautes Gelächter.) Josef: Kuben, mir ist mein Kock so heiss. Hilf mir ihn ausziehen! Kuben: Lass, lass, mein Kind! Simon: Streichelst du sie noch, die Natter? Josef (immer ängstlicher): Was tat ich denn, dass ihr so zu mir seid? — Wenn ich euch je etwas Böses tat. so vergebt mir! — Ich will immer gehorsam sein! — Rüben, soll ich jetzt Kühe melken gehen? Zeig' mir, wie man's macht! Ruhen: Nein, nein, bleib bei mir, Kind! (Pause). Josef: Kuben? Ruhen Was. mein Kind? Jose f: Darf ich dich etwas fragen? R u b e u: Fraunur! Josef: Wirst du mir auch nicht böse sein? H u 1) c n: Wie könnte ich? Josef: Hast du schon einmal geträumt? Ruhen: Gewiss! Jedoch. ■— Josef: Ist es etwas Schlimmes, zu träumen? Ruben: Warum auch wohl? Josef: Erzähle, mir einen Traum! Simon: Bruder, was gibst du dich mit dem Jungen ab? K u b e n: Lasst mich und geht! Gad: Seht den Kindswärter! Simon: Reich ihm deine Brust, Amme, dass er dich hineinbeisst! (Gelächter). Josef: Kuben? Ruhen: Mein Kind? Josef: Der Vater sagt, Träumen sei etwas Böses. G ad: Was hast du denn geträumt? J os ef (zitternd): Ich? Nichts. Simon: Was ist dem Jungen? Huben: Sei ruhig! Setz' dich hier! Gad (stösst ihn fort): Fort da. mein Schemel ist es. Josef: Ihr schlaget mich ja, und ich hab' euch doch garnicht den Traum erzählt. R u b e n: Lasst ihn in Frieden! Simon: Ho. ho, du Träumer, erzähl' uns: was hast du geträumt? J o s e f: Niemals! Gad: Ach, bitte, lieber Bruder! Süsser, erzähl' uns! J o s e f: Der Vater hat es verboten. A s s e r: Warum? Jose f: Weil ihr mich schlaget sonst. Simon: Wir wollen gut dir ferner sein! Wir versprechen es dir, alle wollen wir dich lieben. J o s e f: Geschworen habe ich dem Vater. Gad: Um eines Traumes willen geschworen? Was bedeutet das? J o s e f: Nicht geradezu geschworen, aber — Simon: Nun, wenn du nicht geschworen hast, so kannst du doch erzählen! Josef: Niemals! S imon: War er denn schön, dein Traum? Josef: Ach, ja! Schön war er schon. Simon: So schön wie ich aber kannst du doch nicht träumen. Josef: Was hast du denn geträumt? S i m o n: Meinst du, ich werde es dir erzählen? Du erzählst mir ja auch nicht. Josef: Nein, ich erzähle dir nicht. (Pause). Simon: Der denkt, wir wüssten nicht, was er geträumt hat. Josef: Ei, was hab' ich denn geträumt?