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Ost und West · 1906-07-01 · Heft 7 (Juli 1906) · p. Seite 497 - 498

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 7 (Juli 1906)
Article
Josef, das Kind
Date
1906-07-01
Page
Seite 497 - 498 (sequence 6)
Language
German
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497 Emil Cohn: Josef, das Kind. 49S zwischen der Hand des Vaters und dem Haupte des Kindes. Das Haupt, d;is ihn geschlossen hat, das fühlt stets des Vaters Hand auf sich, allwo es wandelt, aus der Grube noch tasten ihm hervor die gebreiteten Arme des Erzeugers. — Ihr aber, ihr lehnet euch auf, -ihr übet Gewalt an eurem Vater, ihr entblüsset seine Scham — ewiger Tod folget danach! Rüben: Mein Vater —! Jakob: Esau, ja — ja — Esau! Der wurde nicht gesegnet! Der nicht! Aber was wäret ihr, was wäre das Erlte Abrahams, wenn er erhalten hätte den Segen seines Vaters? Und ich? Ein Dieb? — Ja, ja, so sieht es aus. Freilich sieht es so aus. Ihr seid die ersten nicht, die mir das sagen. Ich selber, Jakob selber hat sich das gesagt, hat seine Seele zerfleischt darum. Der Segen Isaks lastete schwer auf Jakobs Scheitel. Die Mutter hatte Jakob geschickt, sich heimlich den Segen zu holen, und Jakob war gegangen. Er hätte Zeit gehabt, nein zu sagen. Er zog sich Esaus Gewänder an. In der Zeit hätte er hundertmal zu seiner Mutter sagen können: ..Ich gehe nicht!" Er aber sagte es nicht und ging. Ja. ja, er ging. (Jakob weint). Jo sei': Weine nicht, Vater! Sieh, ich bin ja da! Jakob: Und dann musste er fort. Aber er ging nicht allein, er ging nicht von selbst. Etwas war da, das fasste ihn an der Hand und führte ihn. Es waren nasse, kalte Finger, die ihn fassten und in die Ferne leiteten. Da arbeitete Jakob. Wie arbeitete er? Am Tage brannte ihn die Hitze, der Nebelfrost schüttelte ihn in der Nacht, Aber Jakob vergass manches dabei. Auch •der stumme Mann an seiner Linken Hess ihn los. Aber es kam ein Tag, da kehrte Jakob heiin. Der Stammvater kehrte heim in das Land, das ihm gehörte. Da kam er an einen Fluss und es wurde Nacht. Und am Morgen, das wusste er, würde Esau ihm begegnen. Alle Weiber und Kinder hatte Jakob schon hinüber gebracht über den Fluss, nur er selbst stand noch hüben in der Dunkelheit. Da wurde er plötzlich von jemandem angefallen und sofort fühlte er, es war der Mann mit der kalten Hand, der ihn .schon so lange verlassen. Und Jakob rang mit dem Manu. Er wusste, es ging um Leben und Sterben, und er rang gewaltig. Er rang, bis die Morgendämmerungkam. Da schrie der Mann: ,.Lass mich!" — Jakob aber dachte an den Segen seines Vaters und knirschte: „Ich lasse dich nicht, du musst mich segnen! — Da segnete ihn der Mann und entfloh! Das war ein Segen, ja, das war ein Segen! Jose!': Wie sah der Mann aus, Vater? Wohl ganz schwarz? Jakob: Jetzt war Jakob gesegnet! — Doch was erzähle ich es euch? Eure Ohren sind taub, zu hören, was da klingt im Herzen eures Vaters. Josef: Er hatte wohl auch Augen von Feuer? Nicht? Jakob: Ich gehe. Josef: Nimm mich mit, Vater! Jakob: Du bleibst und ich gehe allein. Allein will ich sein! Allein! R u b e n: Mein Vater, gehe nicht! Jakob: Soll ich hören, wie die Söhne fluchen ihrem Erzeuger? R u b e n: Bleib, Vater! Jakob: Fort! Nur fort von euch! Rüben: Vater —! Jakob: Rüben, tritt her! Rüben: Hier bin ich, Vater. Jakob: Leg' mir die Hand auf dieses Kindes Haupt! Josef: Vater, du sollst mich segnen und nicht er! Segne mich. Vater! Jakob: Rüben, dies Haupt und meine weissen Haare! Josef (schreit): Vater! R u b e n (erschüttert) : Mein Kind! Jako 1): Lebt wohl! R üben: Hast Du kein Wort des Friedens für uns, mein Vater? Jakob (nach tiefer Pause): Der Friede Gottes, der mit mir und meinen Vätern war, er sei mit euch, und geleite euch auf allen euren Wegen. Josef (umschlingt ihn): Vater, geh' nicht fort von mir! Jakob (küsst ihn): Josef, mein Kind! Auch von dir mnss ich fort. Geh zu Rüben, deinem Bruder! R übe n: Komm zu mir, Kind! Jako)) (flüsternd): Und hörst du? Nicht erzählen, was du geträumt! (Jakob schnell ab). S i in o n: Was murmelte er über ihm? — Raben! Rüben: B rüder! Simon: Dein Segen! Weisst du, wo dein Segen ist? Ruhen: Was? Simon: Du kannst ihn dir von den Locken dieses Knaben lausen, wenn du willst. Ruhen: Schweig! Josef: Huben, hast du mich lieb? Ruhen: Mein Kind! Gad: Wie er ihn küsste! Habt ihr gesehen, wie brünstig er ihn küsste?

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