Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1906)
- Article
- Josef, das Kind
- Date
- 1906-07-01
- Page
- Seite 501 - 502 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2583875-2583943-2583950-2593707--06324-2593758- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
501 Emil Cohn: Josef, das Kind. 502 Simon: Wcisst es ja selber, was brauchst clu's von mir zu hören? .Josef: . Ihr wisst es nicht! Ihr wisst es nicht! Simon: Und wollen's auch nicht wissen. — Kommt zum Mahle, Brüder! (er wendet sich). .loset' (nach einer Pause): Was hast du denn geträumt, Simon? Simon: Meine Träume sind meine Träume! Geh auf deine Seite! J o sei': Du meinst, ich werde dir's doch noch erzählen? Gelt? Simon: AVer verlangt es von dir? — Kommt! (er will abgehen). J o s e 1": 0 wie schön mein Traum war. wie schön! Zehn Garben kamen drin vor. Simon: Garben? Gad: Wir wollen nichts wissen von ihm! Behalte dein rieträume für dich! Josef: Die bückten sich. Si in o Ii: Bückten sich? Zehn Garben bückten sich? Josef: Vor meiner Garbe, ja! Aber erzählen tu' ich's euch doch nicht! S i m o n: Was, du Dotter, du Spatzenci! Was willst du? Gad: Willst du herrschen über uns? J ose!': Aber das hab' ich ja gamicht gesagt! Simon: Höhnst du uns, Brut? Josef: Was hab' ich denn gesagt? Gad: Sollten wir uns blicken vor dir? J o s e f: Die Garben! Die Garben! Simon: Unsere Garben vor deiner? Josef (ängstlich): 's war vielleicht der Wind. Asser: Wart'nur, wir werden Wind in deine Träume bringen! Josef: Vielleicht waren's nur — — neun Garben! Gad: Nicht wahr? Jetzt hast du Angst vor uns? Josef: G Buben, was tat ich denn? Ich weiss nicht, was ihr wollt. Ruhen: Lasst ihn, Brüder! Gad: Hältst du ihn immer noch? Er stahl dir den Segen deines Vaters! Verräter deiner Brüder du! Josef: Buben, warum sind meine Brüder so zu mir? Dem Vater habe ich doch auch den Traum erzählt! Simon: Und er verbot dir —? 0, er wusste, was er tat. Da siehst du es nun, Ruhen, wie die Natter dir im Neste liegt. .1 os c f: Der Vater küsstc mich dafür. Simon: Geküsst um seineu Traum! So ist es denn heraus! Hörst du, hörst du es, Buben? Josef (zu Buben): Schütze mich, Bruder! Ruh en: Geh'! Josef (schreit auf): Bruder! Simon (wild): Auf, schmeisst ihn in. die Grube dort! Da mag er nachdenken über seine Träume! Josef (fliehend): Vater! Vater! Gad: Greift ihn! Rüben: Hinweg von ihm! Simon: Nein, du von ihm hinweg, der dich verraten hat! Ruben: Was kann das Kind dafür? A s s c v: In die Grube mit ihm! Josef: Ich bin schlecht, ich habe dem Vater nicht gehorcht! Vater, Väterchen, ich will's nicht wiedertun! Nie wieder! Nie, nie! (Er wird in die Grube geworfen). Simon: So, dort lieg' und träume, wenn du kannst! Josef (aus der Grube): Vater! Vater! Gad: Kommt fort! Dass wir sein Plärren nicht hören! — Träumer, gute Nacht! A s s c v: Leb' wohl, mein Träumer! Und lasse nicht Schlamm in deine Träume kommen! (Alle unter Gelächter ab.) Josef (schreit): Ruhen! Rüben! Mein Haupt und Vaters weisse Haare! Mein Haupt und Vaters weisse Haare! (Rüben kommt schnell zurück.) Rüben: Josef, mein Kind!