Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1906)
- Article
- Josef, das Kind
- Date
- 1906-07-01
- Page
- Seite 493 - 494 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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493 Emil Cohn: Josef, das Kind. 494 Josef: Vater! (er weint) Jakob: Du Süßes Liebes! Still, o still! Nicht weinen, Kind! — Da kommen deine Brüder! Schnell, schnell! Trockne die Thriinen! Es ist gut, alles ist gut! Dal.) sie es nur nicht sehen, nur nicht erfahren! Weh dir und mir. wenn du — J o s e f: Kannst, du mir denn nicht sagen, "warum? Jakob: Still sollst du sein! Die zehn Söhne Jakobs treten von hinten auf. Simon: Da ist der Alte wieder. Sagte ich es nicht? Kid)' ich es nicht gesagt, als ich die Fußstapfen sah? Gad: Kr hält es zu Hause nicht aus. Die Beine werden ihm kalt beim vielen Sitzen. Asse r: Stecke er sie ins Feuer! Laufe er hundertmal herum um sein Zelt! — Nachspüren will er nur unseren Wegen. Jakob: Friede über euch, nieine Kinder! Gad (brutal): Nun? Kommst du schon wieder Kälber zählen? Ob wir zu viel geschlachtet nicht? Si mon: Zu viel gegessen des Fleisches? Fleisch wecket den Trieb, den bösen, und Blut locket die Sünde! Ist's nicht so. Vater? Jakob: Ich sagte: Friede über euch! Buben: Dilauch Friede, Vater! Was bringst du uns? Jakob: Kuren Bruder bringe ich euch. Simon: Da bringst du Rechtes was! G ad: Was soll er uns, der Schelm im Seidenkittel? Mag <*r bleiben, wo er ist! Asser: Bei seinein Vater im Bett, an der muhen Brust ihn zupfen! Simon: Hier giebt es keine Polster für seine weich«' Haut! Josef: Vater, was wollen sie von mir? Jakob: Habt ihr nun ausgetobt? Müde gefuchtelt eure Hände? Ausgeblasen den Wind aus euren leeren Backen? Dass der greise Vater reden kann zu euch? Kuben: Seid ruhig, ihr! Bede, mein Vater, was verlangst du von uns? J o s e f. Kuben, du bist der beste von deinen Brüdern. Dir will iclrs sagen: Gen Beth-El will der Vater ziehen. Dort hat der Vater geträumt. Hörst du gern Träume? Kuben: Warum nicht? Erzähl: ihn mir! Jakob (ängstlich): Still, mein Kind! Josef: Siehst du, Vater? Er sagt, ich solle ihm den Traum erzählen. Jakob: Still, sag' ich! Er meinte meinen Traum. Josef (zu Kuben): Meintest du den Traum mit der Leiter? Kuben: Erzähle ihn mir? Josef: Er hört doch gern Träume. Vater! Jakob: Er plappert. Hört nicht auf ihn, wie er plappert. Hört auf euren Vater, ihr Söhne Jakobs! Lauschet den Worten seines Mundes! Ach, es sind schwere Worte. ..To sei": Wir wird dir, Vater? So sah ich dich nie. Jakob; Lasst mich, niedersitzen! Lasst niedersitzen den alten Vater. Die Erde zieht ihn schon an. der Staub nimmt ihn schon in die Arme. Bald wird es auch mit dem Sitzen aufhören und er wird sich legen müssen. Ihr Schösslinge meines Hauses, versteht ihr dies? Josef (flüsternd): Träumst du jetzt, Vater? ..! akob: Ein Winken geht durch Jakobs Träume, ein Winken von hoher Zinne, ein Armausbrciten von fernem Land! Wer winket dem Sohne Isaks? Ach, Mutter Kebekka, bald bin ich bei dir! Kuben: Lang mögest du leiten, Vater! Jakob: Kuben, du Erstling meiner Kraft: Vom Pflocke reisst das Seil meines Zeltes. Abbrechen muss ich sein leinenes Dach und wandern den Weg allen Fleisches. Küben: Was willst du, Vater? Jakob: Gen Beth-El will ich. Dort fing ich an. Dort liegt ein Stein vom Gele gesalbt.. An den Stein ist geknüpft der Faden meiner Träume, meines Lebens Band umschlinget ihn. Zurücktasten will ich mich zur Stätte meines Ausganges. Kuben: Lass mich mit dir ziehen, mein Vater! An meinem Arme mache den Weg! Josef: Nein, ich! Ich, Vater! Wenn einer, dann nur ich! S i m ou: Was fällt ihm ein, dem Jüngsten unter uns? (lad: Was masst er sich an? Jakob: Keiner soll ziehen mit Jakob! Allein will er wallen, wie allein er gewallt am Tage, da er floh vor seines Bruders Mass. Noch einmal will er Miellen, noch einmal