Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1906)
- Article
- Josef, das Kind
- Date
- 1906-07-01
- Page
- Seite 491 - 492 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2583875-2583943-2583950-2593707--06319-2593753- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
491 Emil Cohn: Josef, das Kind. 492 Josef: Ich tu's, ich tu's! Gerad in den Himmel hinein! Jakob: Unmöglich! Josef: Gerad in den Himmel hinein! Jakob: Unmöglich ist das ja! Josef: Warum? Ich hab1 schon anderes getrimmt und noch viel Lustigeres! Jakob: Was hast du denn geträumt? J o s e f: Teil hab's geträumt! Und wenn du auch sagst, es sei unmöglich, ich hab's doch geträumt: — Ich war mit meinen Brüdern auf dem Felde, und wir banden Garben. Jeder band seine Garbe. Da auf einmal fingen an die Garben meiner Brüder — Jakob: Was lachst du, Schäfchen? Josef: — Die Garben meiner Brüder — Jakob: Was war mit ihnen? Josef: Sie bückten sich vor meiner Garbe, tief, tief zur Erde bückten sie sich, und einmal nicht, nein fort und fort! Jakob (ärgerlich): Was soll der Traum? Josef: Siehst du? Du glaubst es nicht! Jakob: Ei was! Was denkst du dir dabei? Josef: Ist's denn nicht schön? Jakob: Es ist nicht wahr! Josef: Ich sah es ganz genau: sie bückten sich. So, so und so. Jakob: Das war der Wind! Josef: Ach, pfui! Der Wind! Jakob: Gewiß! Josef: War 's dann so schön? — Doch meine Garbe stand kerzengerade, wie ich jetzt stehe! Sieh, Vater: — So! .Jakob (sich ängstlich umsehend): Still, still! J o s e f: Warum erschrickst du, Vater? Jakob: Nichts, nichts. Josef: Vater, du weinst! Jakob: K( nun, mein Kind, zu deinem Vater! Josef: W.er, du hast was gegen meinen Traum! Jakob: Der Traum ist schön, mein Edelstein. Vergiß ihn nicht! Nur eines: — J o s e f: Vater? Jakob: Komm her! Hierher! — Erzähl' ihn deinen Brüdern nicht! Josef: Warum? Jakob: Erzähl' ihn deinen Brüdern nicht! J o s e f: Vater, du machst mir Angst. Jakob: Sie schlagen dich! J o s e f: 0, sie sind schlecht, zu mir. Jakob: Sie hätten Grund! Josef: Ich war dir nicht bös, als du mir deinen Traum erzähltest! Ich freute mich! Jakob: Weil dir, wenn deines Traumes nur ein Wort — J o s e f: Vater, warum bist du so zu mir? Jakob: Wie bin ich denn? Josef: Du schiltst mich ja! Jakob: Xein, Liebling, ach, dein Traum war Labsal mir. Josef: Gelt, er war schön? Und lustig war 's. wie sich die Garben bückten? Und Böses ist nichts daran? Jakob: Xein, nein, mein Herz! Doch hier versprich mir —! Josef: Was, Vater? Jakob: Xein, schwöre mir —! J o s e f: Schwören, Vater? Jakob: Heb' hoch die Hand und schwöre —! Josef: Vater, ich fürchte mich! Jakob: Schwüre, sage ich dir! Wenn du nicht schwürst, so raubst du deinem Vater den Schlaf seiner tNacht! (Bei deinem Leben schwöre, das du so freudig lebst, bei deinen jungen Träumen schwöre, die du so selig träumst, beim Haupte deines Vaters, bei deiner Mutter Auge, schwöre mir. Kind! Josef: Was soll ich schwören, Vater? Jakob: Daß nie Du deinen Brüdern diesen Traum erzählst! J o s e f: Warum denn nur? Jakob: Niemals, hörst du? Niemals!