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Ost und West · 1906-07-01 · Heft 7 (Juli 1906) · p. Seite 461 - 462

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 7 (Juli 1906)
Article
Josef Gabowicz
Date
1906-07-01
Page
Seite 461 - 462 (sequence 3)
Language
German
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461 Prof. Dr. Henryk von Struve, Warschau: Josef Gabowicz. 462 Idee, werden, aber dies ohne Zwang, ohne von der Wahrheit und der Einfachheit abzuweichen, das ist die grosse Aufgabe der Kunst. Gabowicz hat auch in diesem Werke diese Aufgabe glänzend gelöst. Dieser Arbeiter, der keinen Tropfen von seiner armseligen Speise verlieren möchte, erregt unser Mitgefühl, wir fühlen seinen Hunger nach, wir werden gewissermassen selber Arbeiter, seine Seele durchdringt uns, der Künstler reisst uns hin und erhebt uns gleichsam zu der Höhe seines eigenen innigen Mitgefühls. Ein ähnlicher Vorwurf, aber anders behandelt, bildet auch den Gegenstand der Skulptur „Durst", die einen Menschen, aus einem Kruge trinkend, darstellt. In ein anderes Lebensgebiet, welches aber der Künstler nicht minder tief empfindet, führt uns die Gruppe „Mutterliebe". Welch ein reiches, unerschöpfliches Thema, obgleich es so allgemein und beinahe von allen Künstlern der Welt behandelt worden ist. Gabowicz hat vor allem die hingebungsvolle und aufopfernde Sorge der Mutter festgehalten. Die nackte frierende Mutter hat das Kind umhüllt und presst es an sich und erwärmt es mit den Armen und dem Leib. Auf dem niedergebeugten Gesichte malt sich Kummer und Sorge um die Zukunft des Kindes. Auch hier ist alles schlicht und natürlich ausgedrückt, ohne Abweichung nach der Richtung des Uebertriebenen und Karikierten, wie dies heutzutage beliebt ist, noch nach der der Sentimentalität und der Weichlichkeit. J. GABOWICZ. BROD. J. GABOWICZ. DIE SELBSTVERTEIDIGUNG DES URMENSCHEN. Ein wahres Juwel ist die Gruppe „Küchlein". Ein kleines Mädchen spielt mit einem Küchlein, welches den Hals nach der Hand des Kindes ausstreckt, die einen Leckerbissen hält. Der Gesichtsausdruck des Kindes, welches ganz in den Anblick des Küchleins versunken ist, zieht durch seine Naivität an und rechtfertigt den Titel des Kunstwerkes, der auch das Kind als Küchlein auffasst. Man kann sich kaum eine durch Natürlichkeit und Schlichtheit packendere Szene ausmalen. Ein ebenso durch naive Stimmung fesselndes Bildwerk ist „Der kleine Fischer", der so ganz in seine Tätigkeit versunken erscheint. Durch ausserordentliche Lieblichkeit des Ausdruckes und Ungezwungenheit der Bewegungen zeichnet sich die „Frau mit dem Vögelchen" aus. Sie hält ein Vögelchen in der Hand und lächelt es so reizend und zaubervoll an, dass dem Beschauer dabei das Herz im Leibe lacht. Ausser diesen und ähnlichen Bildwerkenweiche psychische Zustände wiederspiegeln, hat

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